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Der immer Suchende

Der Meraner Tausendsassa Harry Reich wird 60 und stellte kürzlich sein Buch „Face-to-Face“ vor. Zwei gute Gründe, um ihn auf a Glas'l zu treffen.

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Bild: Thomas Tribus

Es ist früher Sonntagnachmittag, in Meran liegt eine depressive Stimmung in der Luft, wahrscheinlich liegt es am trüben Wetter. Ich kenne Harry Reich noch von früher. Damals, an einem lauen Sommerabend, saß ich in Meran mit ein paar Freunden in einer Bar, als der Herr mit dem Schlapphut plötzlich zu uns gestoßen ist. Damals hat er mir Geschichten erzählt, wie er zum Beispiel mit Mick Jagger einen Joint in Mailand bei einem Konzert der Stones geraucht hat. Mich würde interessieren, ob das heutige Gespräch auch solche Geschichten zutage bringt. Auf dem Weg zum Café Darling, unserem Treffpunkt, sehe ich ihn schon von weitem mit seinem Fahrrad, gerade im Gespräch mit zwei anderen. Ich mische mich freundlich in die Gesprächsrunde.

Oh, hallo Herr Reich!
Hallo, bist du der Thomas vom Barfuß-Magazin?

Ja, genau.
Dieser Herr da, ist der Bassist von TurboTrööt. Die treten nächsten Freitag bei meiner Fete auf.

Freundlich schüttle ich ihm und seiner Begleiterin die Hand. Nach einem kurzen Plausch mit den beiden steuern wir dann weiter Richtung Café. Mein Interviewpartner bestellt sich ein Bier und ich mir einen Cappuccino.

So, Herr Reich, wie geht es Ihnen?
Sehr gut, danke. Aber bitte duze mich doch, das Gesieze mag ich nicht.

Du wirst jetzt bald 60. Wenn du so zurückschaust, hattest du ein erfülltes Leben?
Wenn du dir die Biografie von Keith Richards durchließt, dann weißt du wie ein erfülltes Leben ausschaut. (lacht) Ich bin gesund, und das ist mir das Wichtigste. Ich habe zwei Operationen hinter mir, wo ich auf der Kippe stand, aber wie gesagt, jetzt geht es mir gut und ich bin glücklich darüber.

Du hast vor kurzem dein Buch „Face to Face“ vorgestellt. Worum geht es in diesem Buch?
Das Buch ist ein Bildband. Weißt du, ich bin in den letzten Jahren viel unterwegs gewesen und habe dabei sehr viele interessante Menschen kennengelernt und fotografiert. Ich habe mehr als 3.000 Porträts zusammengetragen, wo sich der Großteil mittlerweile auf Flickr, Facebook und MySpace befindet. Zustande gekommen ist die ganze Geschichte dann, als ich mich mit meinem Freund Toni Colleselli getroffen habe. Toni ist auch der Mitbegründer von Vissidarte. Er sagte mir, dass ich ihm die Fotos geben sollte, dann würde er sie seinem Verleger zeigen und möglicherweise könnte man dann was machen und hier sind wir nun.

Du kommst also nicht so leicht zur Ruhe.
Ganz genau.

Macht die Kunst einen besseren Menschen aus einem?
Für mich ist die Kunst etwas, mit dem man die Seele baumeln lassen kann. Es geht darum, die Kunst zu genießen, einen besseren Menschen macht sie deshalb nicht aus einem, aber sie tut der Seele gut.

Es klingt ganz danach, als hättest du dein Leben der Kunst verschrieben.
Ja, das kann man so sagen, allerdings kann man von der Kunst alleine nicht leben. Ich habe nebenher viele Jobs. Zum Beispiel bin ich oftmals oben auf dem Flohmarkt auf der Passerpromenade unterwegs. Es ist sehr schwer, sich als Künstler auf dem internationalen Kunstmarkt durchzusetzen, heute noch viel mehr als früher. Früher habe ich als DJ gejobbt und habe als Kellner gearbeitet. Heute mache ich viele verschiedene Sachen nebenher. Ich habe zum Beispiel den Ost-West-Club ins Leben gerufen, Vissidarte mitgegründet und auch in der Zukunft noch viel vor.

Glaubst du, dass ein Künstler leiden muss, um gut zu sein?
(zündet sich eine Zigarette an) Nein, das glaube ich nicht. Als Künstler lässt man Erfahrungen in seine Werke einfließen und dazu gehören natürlich nicht nur die guten. 

Und wie sieht es mit Drogen und Kunst aus?
Drogen und das ganze Gift sind Begleiterscheinungen. Van Gogh hat zum Beispiel getrunken, aber das hat ihn nicht zu dem gemacht, was er war. Kein Künstler ist wirklich gut, nur weil er sich einen hinter die Binde kippt. Ich habe neulich einen Artikel gelesen, in dem geschrieben steht, dass gefühlvollere Menschen eher zum Alkohol neigen, aber das heißt nicht, dass der Alkohol automatisch einen bessern Künstler aus dir macht. Wenn ich etwas im Suff male und es mir dann am nächsten Tag ansehe, stehen mir die Haare zu Berge. 

Während wir miteinander sprechen, sieht mein Interviewpartner von weitem einen seiner Künstlerkollegen kommen.

Oh, das ist ein guter Freund von mir und noch ein besserer Künstler, Franz Pichler heißt er. Franz hallo! Wie geht es dir? Das hier ist der Barfuß-Mensch von dem ich dir erzählt habe, wir reden gerade.

Ich schüttle ihm die Hand.

Das ist wirklich ein guter Künstler, malt so erotisches, fast schon pornografisches Zeugs. 

Ich schmunzle noch ein wenig mit ihm, bis wir wieder zum Thema kommen.

Wo nimmst du deine Inspiration her?
Oh, meine Inspiration. Die hole ich mir eigentlich überall, in der Musik, in der Zeitung, im Internet. Man muss nur die Augen offen halten, dann kommt sie von ganz alleine.

Wie würdest du die Person Harry Reich in einem Wort beschreiben?
Wow ... das ist schwer.

Na gut, in einem Satz?
Der immer Suchende.

Thomas Tribus

Als Studierender schreibt, filmt und fotografiert er für mehrere Redaktionen dies- und jenseits der Alpen. Liebt gutes Essen und gute Musik.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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