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Iota-Gründer Dominik Schiener

Der Goldjunge

Mit 17 verdiente er seine erste halbe Million. Heute ist Dominik Schiener mit 22 schon einer der erfahrensten Blockchain-Unternehmer und sorgt mit seiner digitalen Währung für Furore.

Dominik Schiener ist in der Geschäftswelt angekommen. Konzerne wie Bosch oder Daimler wollen mit ihm zusammenarbeiten, große deutsche Medien berichten über ihn. Was den 22-Jährigen so begehrt macht: Er hat mit Iota eine Technologie entwickelt, die der stark gehypten Digitalwährung Bitcoin ernsthafte Konkurrenz macht.

Im Interview mischt Schiener immer wieder deutsche und englische Wörter. Der Südtiroler Dialekt kommt ihm gar nicht mehr über die Lippen. Dabei hat im 800-Seelen-Dorf Lajen im Eisacktal alles angefangen. Dort lernte Schiener mit zehn Jahren zu programmieren und verbrachte seine Tage und Nächte vor dem Computer. Schon als Teenager setzte er sich mit der Technologie der Blockchain auseinander und erkannte ihr Potenzial. Heute zählt er zu den erfahrensten Blockchain-Unternehmern.

Wie erklärst du deinen Großeltern, womit du dein Geld verdienst?
Wir ermöglichen mit Iota, dass sich Maschinen untereinander bezahlen können. Das beste Beispiel ist das Autofahren. Mit Iota muss ich mich als Konsument nicht mehr um einen Parkschein kümmern. Das Auto bezahlt automatisch und autonom die Parkgebühr für mich. Diese und andere Dienstleistungen können also Maschinen für Konsumenten übernehmen.

Du kommst aus einem kleinen Südtiroler Dorf. War das Internet immer schon dein Tor zur Welt?
Mich hat das normale Leben immer gelangweilt. Im Internet kann man sich alles Mögliche beibringen und wirklich coole Dinge machen. Das Internet hat meinen Werdegang erst ermöglicht. Es verändert aber auch deine Denkweise. In Südtirol gibt es viele konservative, engstirnige Leute. Das Internet öffnet dich.

Du hast schon als Jugendlicher dein Geld im Internet verdient. Wie haben deine Eltern darauf reagiert?
Ich hatte mit 17 schon mehr Geld als meine Eltern und habe zu der Zeit in der Schweiz auch mein erstes Unternehmen gegründet. Meine Eltern konnten das alles nie so wirklich glauben – dass man den ganzen Tag am Computer sitzen und gleichzeitig Geld verdienen kann. Sie wollten immer, dass ich physische Arbeit mache und Maurer werde, weil sie der Meinung waren, dass man nur damit Geld verdienen kann. Ich war auch einen Sommer lang Maurer. Aber ich habe ihnen gezeigt, dass es noch andere Wege gibt.

Wie denken sie heute über das, was du machst?
Sie sind sehr stolz, weil sie das Ausmaß jetzt realisieren. Ich bin in den großen Medien wie im Spiegel oder der FAZ. Sie haben verstanden, dass das, was ich mache, Interesse weckt.

Schiener wuchs als Sohn eines Maurers und einer Köchin auf und verdiente sein Geld früh im Internet. Als 14-Jähriger hackte er sich auf Platz 1 der Weltrangliste des populären Computerspiels „Call of Duty“. Sein Wissen darüber verkaufte er anderen Spielern. Auch mit Bitcoin-Mining verdiente er Geld. Das Mining bezeichnet den Vorgang, bei dem mit Rechenleistung virtuelles Geld geschürft wird und Einheiten der digitalen Währungen entstehen – sogenannte Token.

Wann und wie bist du zum ersten Mal mit Kryptowährungen in Kontakt gekommen?
Das war 2011, da war ich 16 Jahre alt. Mein Englisch war damals nicht so gut, deshalb habe ich das Konzeptpapier zu Bitcoin kaum verstanden. 2012 habe ich dann erstmals das Potenzial von Bitcoin realisiert. Ich hatte Kunden, die mir über den Service Paypal Geld überwiesen haben, dabei hätte ich Paypal gar nicht nutzen dürfen – ich war zu jung. Mich hat an Bitcoin und der Blockchain damals schon fasziniert, dass jeder die Technologie verwenden und einen Mehrwert schaffen kann. Mit Bitcoin war ich das erste Mal in der Lage, meine Entwickler in der ganzen Welt zu bezahlen. Zu der Zeit habe ich auch mit dem Bitcoin-Mining begonnen. Weil ich erkannt habe, wie groß das Potenzial ist, und ich ein konkretes Produkt entwickeln wollte, bin ich mit einer halben Million Euro nach Zug in die Schweiz gegangen. Dort habe ich mein erstes Start-up gegründet.

Dann kam der Bitcoin-Crash und ich habe mein ganzes Geld verloren.

Woran wolltest du dort arbeiten?
Ich wollte so schnell wie möglich viel Geld machen, denn ich hatte eine größere Vision und brauchte sehr viel Geld, um sie zu realisieren. Das meiste Geld machte man zu der Zeit mit den Börsen – also mit dem Ankauf und Verkauf von Kryptowährungen. Ich wollte so eine Börse entwickeln, allerdings spielten die Banken nicht mit. Jedes Mal, wenn ich zu einer Bank ging und sagte, ich wäre ein Blockchain-Startup, wurde ich abgewiesen. Für Banken war die Blockchain nur etwas für Drogenhandel und Geldwäsche. Deshalb bin ich in die Schweiz und wurde eines der Gründungsmitglieder des Kryptovalleys in Zug, das jetzt ziemlich populär ist. Ich habe dort versucht, mein Start-up weiterzuentwickeln. Dann kam der Bitcoin-Crash und ich habe mein ganzes Geld verloren, eine halbe Million Euro.

Was geht einem als 18-Jähriger, der so viel Geld verliert, durch den Kopf?
Ich war Geld gegenüber immer sehr distanziert. Auch wenn ich viel Geld hatte, habe ich nicht gesagt: Jetzt kaufe ich mir einen Lamborghini. Während meiner Zeit in der Schweiz war ich aber ein wenig naiv. Ich hatte ein großes Appartement und habe mir gedacht, mein Unternehmen würde immer weiter wachsen. Plötzlich hatte ich mein ganzes Geld verloren und all diese Verpflichtungen – ich musste diese ganzen Rechnungen bezahlen. Daraufhin habe ich das Unternehmen an einen Iraner verkauft und das Appartement übergeben. So bin ich zum Glück ohne Schulden aus Zug weg. Das alles musste ich während der Schulzeit machen. Meine Eltern bestanden darauf, dass ich die Matura fertig mache.

Warst du als Jugendlicher ein Außenseiter?
Ich war immer ein Außenseiter, ich bin auch nicht sehr sozial. Ich bin fokussiert auf das Problemlösen und brauche ständig Dopamin in meinem Kopf, weil ich sehr schnell gelangweilt bin. Mein Umfeld hat früher schon verstanden, was ich mache und dass ich unternehmerisch aktiv bin. Aber die Leute haben das nie wirklich ernst genommen.

Bild: pioneers.io

Du bist jung Unternehmer geworden – in Europa doch eher ungewöhnlich. Stand dir dein Alter oft im Weg?
Anfänglich schon. Die Leute sehen einen 18 Jahre alten Buben und denken, was weiß der schon. Das Internet hat den großen Vorteil, dass ich kaum physische Meetings habe und ich bin nicht jemand, der sagt: Hey, I’m 18 years old. Ich mache einfach nur ein Meeting. Das Alter ist aber immer weniger ein Problem geworden. Mittlerweile ist es so, dass es niemanden mehr kümmert.

Wie kamst du dazu, Iota zu gründen?
Wir vier Gründer von Iota hatten schon eine andere Kryptowährung gemacht und kannten uns seit 2013. 2015 wollten wir dann stark ins Internet der Dinge. Wir haben versucht herauszufinden, wo Blockchain-Technologie den meisten Mehrwert schaffen kann und haben uns dann auf das Internet der Dinge fokussiert, weil es das größte Potenzial hat. Wir wollten nicht nur die Maschine automatisieren, sie also schlauer, sondern sie wirklich unabhängig machen. Wenn die Maschinen unabhängig sind, können sie autonom Transaktionen durchführen und Werte, also Ressourcen austauschen. Dafür brauchten wir eine komplett neue Technologie, weil die Blockchain nicht skalierbar ist. So haben wir 2015 Iota entwickelt.

Im Internet der Dinge, kurz IoT, sind Maschinen, Geräte oder Fahrzeuge miteinander vernetzt. Dafür braucht es aber eine eineitliche Technologie, mit der Maschinen einander mit Kleinstbeträgen bezahlen können. Das Bezahlsystem Iota soll diese neue Maschinenökonomie ermöglichen und zum Standard der Industrie werden, so die Idee.

Was macht Iota anders und besser als die Blockchain?
Iota ist skalierbar und es gibt keine Transaktionsspesen. Wenn ich in Iota einen Cent versende, erhält die andere Partei einen Cent. Damit kann ich mit Iota Kleinstbeträge bezahlen, die ich für die Maschinenökonomie und das Internet der Dinge brauche. Es gibt natürlich andere Vorteile, zum Beispiel gibt es keine Miner mehr. Miner, wie es sie bei Bitcoin gibt, sind ein systemisches Risiko, denn sie sind Entscheidungsträger. Es handelt sich bei Bitcoin also nicht um ein komplett dezentrales Netzwerk, denn dort dominieren die Miner. Damit ist Bitcoin ein sehr fragmentiertes Ökosystem. Der größte Nachteil von Bitcoin ist, dass es keinen Leader gibt, der die Vision vorgibt. Bei Iota sind wir die Leader. Wir haben die gemeinnützige Iota Stiftung gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Technologie so weiterzuentwickeln und zu standardisieren, dass sie wirklich angenommen wird.

Iota soll zum Standard dafür werden, dass sich Maschinen untereinander bezahlen.

Das Internet der Dinge und die Welt von Kryptowährungen ist für Lajen sehr abstrakt. Welche konkreten Einsatzmöglichkeiten von Iota findest du besonders spannend?
Die einfachste ist wohl die, dass das Auto wirklich mit einer Brieftasche ausgestattet ist. Es kann so fürs Parken, das Aufladen oder die Maut bezahlen. Spannend ist aber auch, wie Konsumenten mit Iota Daten verkaufen können. Ein Konsument hat zum Beispiel eine Wetterstation zu Hause und ein großes Energieunternehmen möchte Wetterprognosen machen. Das Energieunternehmen kann nun die Daten meiner Wetterstation direkt beziehen und mich dafür bezahlen. So können Normalverbraucher Mehrwert schaffen und mit eigenen Daten Geld verdienen. Das ist nur mit Blockchain und Iota möglich.

Wo soll die Reise mit Iota langfristig hingehen?
Mit der Iota-Stiftung wollen wir das sehr groß aufziehen. Wir eröffnen Büros in Shanghai, Tokio, Seoul und Taiwan und werden global aktiv. Iota soll zum Standard dafür werden, dass sich Maschinen untereinander bezahlen. Außerdem machen wir als Privatpersonen in diesem Ökosystem unsere eigenen Unternehmen und kommerzialisieren Projekte. Das größte Ziel für die nächsten Jahre ist es, Produkte auf den Markt zu bringen, wo Iota im Hintergrund läuft, aber konkrete Probleme löst.

Zuletzt gab es einen Hype um Kryptowährungen. Menschen investieren in Bitcoin und Co, weil sie sich schnellen Reichtum versprechen. Wie nimmst du diesen Hype wahr?
Diese Entwicklung ist positiv und negativ zugleich. Wenn wir die Technologie weiterentwickeln, können wir eine neue Ökonomie schaffen und die Menschen ziehen den Mehrwert aus den Tokens und deren Wertsteigerung. Andererseits verstehen die Leute nicht, was die Technologie kann und was nicht. Sie wissen nur, dass sie damit Geld verdienen können. Das ist komplett falsch. Wenn der Kurs plötzlich runtergeht, machen sie sich Sorgen, dass sie zu viel investiert haben. Viele von ihnen sind sehr unerfahren. Sie sollten sich in die Materie einlesen und erst dann eine Entscheidung treffen, ob eine Investition Sinn macht oder nicht. Krypotwährungen sind aktuell die höchstspekulativsten Anlagen, die es gibt.

Hattest du immer schon den Wunsch, unternehmerisch tätig zu sein?
Ich habe immer die Unabhängigkeit angestrebt und die finanzielle Unabhängigkeit ist der Start dafür. Was mich am Unternehmertum so fasziniert ist, dass man Probleme löst. Man wacht auf und hat jeden Tag neue Probleme und Herausforderungen. Das ist extrem spannend. Ich könnte niemals für jemand anderen arbeiten, für Leute die mir sagen, was ich zu tun habe.

Wie viele Leute arbeiten aktuell für dich?
Fünfzig. Wir sind aber dabei, noch viel mehr einzustellen. Wir haben recht viel Kapital durch die Stiftung und wollen bis Ende des Jahres 100 bis 150 Mitarbeiter haben.

Du hast Iota in Berlin gegründet und lebst auch dort. Was verbindet dich noch mit Südtirol?
Meine Familie und meine Nichten. Ich bin vielleicht zwei bis drei Mal im Jahr in Südtirol. Südtirol ist sehr schön, aber auch ein wenig rückständig, wenn es um Innovation und Fortschritt geht. Ich habe kein Haus in Südtirol gekauft, sondern in Berlin. Berlin ist die Stadt, in der ich mich wirklich zuhause fühle. Berlin ist offen, dort gilt: Nobody gives a fuck.

Glaubst du, es wäre heute etwas anders, wenn du nicht in Südtirol, sondern in Berlin aufgewachsen wärst?
Wer weiß, vielleicht wäre ich dann nicht so lange vor dem Computer gesessen. (lacht)

Irina Ladurner

lebt und studiert in Wien. Ausgezogen, um die Welt kennen zu lernen. In Wien die (Südtiroler) Heimat gefunden. Mag den Südtiroler Exotenbonus, das Wiener Dorf und die Rückkehr in die eine oder andere Heimat.
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