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Der Ex-Playboy

Christof Innerhofer geht gern in die Pilze und flirtet nur noch moderat. BARFUSS hat den Gaiser in der Fanclub-Bar in seinem Heimatdorf getroffen.

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Bild: Vera Mair am Tinkhof

Der Skirennläufer hat eine erfolgreiche Saison mit drei Weltcupsiegen hinter sich. Jetzt im Sommer entspannt er zu Hause in Gais. BARFUSS trifft ihn dort im „Puschtra Schuppn“, der Christof Innerhofer Fanclub-Bar. Er trinkt ein Glas Mineralwasser. 

Warst du schon Pilze sammeln?
Ja, einmal. Aber die Ausbeute war sehr gering, es ist noch viel zu trocken. (Das Gespräch fand im Juli statt, Anm. d. R.) Ich bin als Kind immer schon in die Pilze gegangen. Viele hatten einen Sommerjob, mein Job war Pilze suchen. Damit hab ich mein Taschengeld verdient.

Kochst du die dann?
Kochen tut sie die Mutti.

Wo sind denn die guten Platzlan?
(lacht) Verrat ich nicht. Ein guter Pilzesammler verrät seine Platzlan nicht.

Welcher war bis jetzt dein schönster Sieg?
Ich glaube, jeder Sieg hat seine eigene Geschichte, und natürlich ist jeder Sieg schön. Klar, das Highlight war die Weltmeisterschaft, aber an zweiter Stelle würde ich meinen Wengen-Sieg vom letzten Jahr setzen. Wengen ist einfach der große Klassiker: die längste Piste, die schnellste Piste, die Piste mit der gewaltigsten Kulisse. Wengen ist einfach einzigartig. Ich hatte immer das Glück, ganz besondere Rennen zu gewinnen. Ich glaube, bessere Siege könnte ich mir nicht wünschen.

Was ist das für ein Gefühl im Ziel?
Große Erleichterung. Und Genugtuung, dass man belohnt wird, dafür dass man sich den Arsch aufreißt über Jahre.

Hat sich das alles für dich ausgezahlt? Oder denkst du dir manchmal, gegen einen normalen Job wie deine Freunde hier zu Hause hättest du auch nichts?
Nein, jede Sekunde hat sich ausgezahlt. Diese Glücksmomente, die ich bis jetzt erleben durfte, sind die Tage in meinem Leben, an die ich mich auch sehr viel später noch erinnern werde.

Wie lange hält die Euphorie nach einem Sieg an?
Ich bin jemand, der  sei es die positiven wie die negativen Momente  relativ schnell vergisst. Denn man muss nach vorne schauen, die Welt dreht sich, man hat keine Zeit zu träumen. Abends denke ich schon wieder ans nächste Rennen. Was ich erreicht habe wird mir oft erst durch das Feedback der Leute klar. Weil sie sagen: Bravo, gratuliere für die Saison, und das auch jetzt im Sommer noch, nicht nur im Frühling. Dadurch realisiere ich das nochmal mehr.

Du sollst sehr wirtschaftsinteressiert sein?
Ja, bin ich immer schon gewesen. Wirtschaft ist etwas, wo man sich ein gewaltiges Allgemeinwissen aufbauen kann, wo man Bescheid weiß, was auf der ganzen Welt passiert.

Wäre das was für ein Leben nach dem Sport?
Ich muss sagen, Bankberater im Bereich Anlageempfehlungen wär sicher auch ein toller Job. Aber bis zum Schluss wär es auch ein unguter. Weißt du warum?

Warum?
Weil du im Grunde nur verlieren kannst. Wenn Leute zu dir kommen und gewinnen, ist es normal, denn sie kommen ja aus dem Grund zu dir. Wenn sie verlieren, ist der Anlageberater aber der Depp. Man geht davon aus, dass man gewinnt. Von dem her hat das auch Schattenseiten.

Ist das bei dir vielleicht manchmal auch so: Wenn du einen Titel zu verteidigen hast, kannst du nur verlieren?
Nein, im Gegenteil, ich kann nur noch gewinnen. Denn ich hab schon so viel gewonnen, viel mehr als ich mir erträumt habe. Alles, was jetzt noch dazu kommt, ist Zugabe. Und auch wenn nichts mehr hinzu kommt, kann ich in zehn Jahren zufrieden zurückblicken. Denn meine Erfolge kann mir keiner mehr nehmen. Ich genieß es umso mehr, weil ich mir am Start sagen kann: Alles oder nix. Weil es mir egal ist, wenn ein Rennen daneben geht. Meine ganz großen Ziele habe ich erreicht. Ich habe keinen Druck mehr. Das heißt aber nicht, dass man nicht mehr hungrig ist. Ich gebe immer noch das Beste. Ich will weiter auf dem Podium stehen, denn das ist meine Leidenschaft, mein Leben.

Was läuft auf deinem iPod?
Hängt von der Situation ab. Vor dem Rennen, vor dem Start höre ich fast immer Unheilig. Zu Hause höre ich lieber gemütliche Musik.

Und wie läuft es mit den Frauen?
Nicht mit den Frauen, mit der Frau läuft's gut! (lacht)

Blond oder brünett?
Blond.

Geld oder Liebe?
Logischerweise ist schön, wenn beides passt. Aber Geld allein, wenn du niemanden hast, macht auch nicht glücklich. Und wenn jemand nicht gesund ist, nützen alle anderen Sachen, der ganze Erfolg und das Geld, auch nichts.

Weil das Glas Mineral gleich ausgetrunken ist, machen wir noch schnell einen Test mit Eigenbewertung. Christof Innerhofer soll sich selbst Noten geben, die Skala geht von eins (trifft gar nicht zu) bis zehn (trifft voll zu).

Partykönig?
(lacht) Was würdest du mir geben?

Eine gute Acht vielleicht?
Ja, würde ich auch sagen.

Perfektionist?
Zehn minus.

Playboy?
Da sagen wir… (überlegt) Jetzt muss ich fast eins sagen, weil ich eine Freundin habe. Sagen wir, früher zehn und jetzt drei. Denn flirten kann man ja doch noch ein bisschen. Wenn man eine Eins war, wär`s ja langweilig.

Pilzesammler?
Als Pilzesammler bin ich gut. Da bin ich eine Zehn.

Südtirols Next Topmodel?
Da würde ich nicht mitmachen.

Aber die Chancen wären?
Das lass ich die Jury bewerten.

Wo auf der Welt ist es schöner als zu Hause?
Ich würde nirgends anders wohnen wollen. Kanada mit seinen Weiten ist schon beeindruckend, das sind Bilder, die in Erinnerung bleiben. Aber schöner als bei uns ist es nicht. Ich muss sagen, ich habe erst durch die Jahre und durch das viele Wegsein gemerkt, wie schön es bei uns ist. Nicht nur die Landschaft, auch das Klima und das Essen. Früher war das normal, und man wusste es vielleicht nicht immer zu schätzen.

Welcher Mensch hat dir im Skigeschäft besonders imponiert?
Sicher Hermann Maier mit seiner Geschichte: zuerst Maurer, dann Weltcup-Fahrer, dann der Unfall, nach dem er sich wieder zurückgekämpft hat. Nur mal gewinnen, das ist nicht das Schwierigste. Aber sich nach schwierigen Zeiten wieder zurückkämpfen – diese Leute bewundere ich umso mehr. 

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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