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Babys ohne Windeln

Babys und Kleinkinder tragen Windeln, klar. Dabei kommen die Menschen in weiten Teilen der Welt ganz gut ohne Windeln aus. Das eigene Kind ohne Windeln aufziehen? Es ist möglich.

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Bild: Georg Hofer

Der Grund für meine Überzeugung vom „windelfreien“ Leben und die Leidenschaft, diese Idee an andere weiterzugeben, ist für mich einfach: Warum sollten Eltern ihrem Kind etwas angewöhnen, das es tatsächlich nicht braucht, um es ihm später wieder mühsam abzugewöhnen? Als Kinderkrankenpflegerin beschäftige ich mich viel mit der Anatomie und der Entwicklung von Kindern. Als ich und mein Partner unser erstes Kind erwarteten, war für uns schnell klar: Wir wollen einen unkonventionellen Weg gehen.

Wir wollen auf Augenhöhe und bedürfnisorientiert leben und unsere Kinder so natürlich wie möglich aufwachsen sehen. Dafür haben wir uns von einigen Dingen frei gehalten: Kinderwagen-frei, Schnullerfrei, Brei-frei und eben auch Windel-frei. Schließlich kann der Mensch von Geburt an seine Ausscheidungen fühlen, zuordnen und kontrollieren. Schauen wir doch mal über den Tellerrand: In weiten Teilen Afrikas und Asiens gibt es kaum Windeln – und dort laufen Eltern schließlich auch nicht vollgekackt durch die Gegend.

Auf der Webseite herzenskinder.net teilt Friederike ihre Erfahrungen.

Bild: Georg Hofer

Aber wie soll das funktionieren? Je älter das Kind, desto einfacher ist natürlich auch die Kommunikation über körperliche Vorgänge. Ein Kind kann ab einem gewissen Alter klar sagen, dass es jetzt mal muss und dann auch allein das Töpfchen benutzen. In diesem Alter wollen die meisten Kinder ihre Windel von selbst loswerden. Aber vorher ist ein Leben ohne Windeln schwieriger. Doch auch schon als kleinster Säugling kann sich ein Kind bemerkbar machen. Als Eltern verstehen wir schließlich auch, wann es Hunger hat oder müde ist. Und genauso funktioniert es beim Ausscheiden: Der Säugling teilt sich auf seine Art mit, etwa durch Strampeln, Weinen, Jammern oder Lautieren.

Die Eltern entwickeln dafür eine Sensibilität und fragen neben „hungrig“, „müde“, „kalt“ eben auch „Pipi“ ab und schon ist man mittendrin in der Klo-Kommunikation. Hat das Kind sein Zeichen gegeben, hält man es über eine Toilette, ein Waschbecken, einen Behälter, einen Busch, oder wenn es ganz schnell gehen muss über ein Tuch und signalisiert ihm, dass es jetzt ausscheiden kann. Idealerweise wird der Vorgang gleichzeitig durch einen Signallaut oder eine Gebärde begleiten. Somit lernt das Kind dieses Zeichen zu deuten und weiß, was es bedeutet. Sobald es gelernt hat, dass seine Bedürfnisse nach Sauberkeit und Trockenheit wahrgenommen werden, wird es sich frühzeitig mitteilen. Es ist gerade am Anfang mit viel Zeit und Geduld verbunden. Es kann passieren, dass das Signal sehr spät kommt oder ausbleibt. Mit der Zeit klappt es aber immer besser.

Doch warum sollte man sich das antun, wo Wickeln doch viel bequemer sein kann? Neben den ökologischen Gründen ist unser Hauptargument das unnötige Angewöhnen von etwas, das dann wieder abgewöhnt wird. Mit dem Wissen, dass alle körperlichen Voraussetzungen gegeben sind und wir glauben, dass sich niemand gerne selbst beschmutzt, sondern „das Wickeln“ nur Gewohnheit ist, haben wir uns für diesen Weg entschieden und ihn nie bereut.

Natürlich will ich auf dem Boden der Tatsachen bleiben: Ein gänzlich windelfreies Baby ist mit viel Zeit und Aufmerksamkeit verbunden. Ich liebe meinen Beruf und neben den Kursen und Beratungen, die ich anbiete, konnte ich meinem Kind auch nicht immer die dafür notwendige Aufmerksamkeit schenken. Doch darum ging es nicht: Unsere Intention als Eltern war es, dem Kind die Möglichkeit zu geben, frei von Windeln zu sein. Und wenn mal etwas in die Stoffwindeln ging, war das kein Versagen, sondern auch in Ordnung!

 

von Friederike Rainer

Der Artikel ist erstmals in der 37. Ausgabe (Mai 2018) der Straßenzeitung zebra. erschienen.

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Straßenzeitung zebra.

Beim Zebrastreifen am Bahnhof, vor der Bäckerei, neben dem Dom – die VerkäuferInnen der Organisation für eine solidarische Welt bringen zebra. druckfrisch unter die Leute. Sie sind an ihren Ausweisen gut erkennbar und verkaufen die Straßenzeitung für drei Euro. Die Hälfte davon geht in die Produktion, die anderen 1,50 Euro bleibt dem/der VerkäuferIn. Pro Ausgabe wird ein zebra-Artikel hier auf BARFUSS veröffentlicht – zum Reinschnuppern ins neue Heft.

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