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Interview mit Patrick Strobl und Willy Theil

Aus für Mainfelt?

In der Konstellation wie wir die Folk-Country-Band Mainfelt bis heute kannten, wird es sie nicht mehr geben. Doch Sänger Patrick Strobl hat noch Großes vor.

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Patrick Strobl und Willy Theil

Bild: Lisa Maria Kager

Wer die kalte Halle in der Kalchgrube 21 in Villanders betritt, steht mitten in der Werkstatt eines Steinmetzen. Doch bei genauem Hinhören tönt vom oberen Stockwerk her die kratzig-tiefe Stimme von Patrick Strobl zu Schlagzeug und Banjo. Im hochdeckigen Raum hat es sich der Vinschger Bandleader von Mainfelt neben einem kleinen, mobilen Plastikheizkörper gemütlich gemacht und trällert in ein goldenes Mikrofon. Obwohl Schlagzeuger Willy Theil gleich neben ihm sitzt, handelt es sich jedoch nicht um eine Probe von Mainfelt. Denn so wie die Folk-Country-Band bisher auftrat, wird es sie nur noch zwei Mal zu sehen geben.

Patrick, du hast das Aus für Mainfelt öffentlich gemacht. Traurig wirkst du aber nicht wirklich.
Patrick: Naja, wir hatten eine wahnsinnig geile Zeit, von der ich keine Sekunde missen möchte. Warum sollte ich also traurig sein?

Weil du eine vierjährige Erfolgsgeschichte in den Müll schmeißt?
Patrick: Nein, das mache ich nicht. Den Schritt hätte man bereits früher gehen können, weil man es schon gespürt hat. Ich habe von Anfang an immer gesagt, dass ich irgendwann einfach alleine weitergehen werde, wenn wir nicht alle dasselbe Ziel verfolgen.

Willy: Das war ein Prozess. Das ist ja nicht von heute auf morgen so gekommen.

Patrick: Genau. Nach der letzten Tour haben wir es auch noch mit Teambuilding versucht. Aber dann war eigentlich für alle klar, wie es weitergehen soll. Den Sommer habe ich dann gebraucht, um die Entscheidung zu verarbeiten, aber nun fühlt sich alles wirklich richtig an, so wie es ist.

Du bist also einer, der alles eiskalt durchzieht. Wie ist es mit so jemandem wie Patrick in einer Band zu spielen?
Willy: Mir geht es genau gleich. Ich brauche immer wieder Abwechslung und mache verschiedene Dinge in meinem Leben. Aber die Musik steht immer im Mittelpunkt.

Was war denn nun der wirkliche Grund der Trennung?
Willy: Es ist so, dass es sich nicht nur aufs Musikmachen beschränkt, wenn man mit einer Band auch Geld verdienen will. Es kommt ganz viel andere Arbeit dazu. Zwischen Grafik, Medien und Booking haben wir eigentlich fast immer alles selbst gemacht. Dahinter steckt ein großes Potential für Reibereien. Schließlich kann man niemand Externem die Schuld geben, wenn etwas nicht passt. Irgendwann ist dann einfach der Austausch verloren gegangen und Dinge haben sich angestaut.

Seid ihr also im Streit auseinandergegangen?
Patrick: Nein, überhaupt nicht.

Würdet ihr denn etwas anders machen, könntet ihr gemeinsam nochmal von Neuem starten?
Willy: Eigentlich nicht, sonst wären wir ja nicht da, wo wir jetzt sind. Aber wichtig wäre bestimmt, sich vorher ein gemeinsames Ziel auszumalen. Patrick beschreibt das immer mit einer Berg-Metapher: Auf einer Tour kann auch nicht jemand nur bis zur Hütte und jemand anderes bis zum Gipfel gehen – da braucht man nicht miteinander zu wandern, oder?

Patrick: In der Dynamik der Gruppe haben wir bestimmt ein paar Fehler gemacht. Wir haben uns teilweise zu wenig Zeit genommen, um gewisse Dinge von vornherein besser abzusprechen. Auch wenn wir sonst eine gute Gesprächskultur hatten, aber dann wurde es einfach immer größer und größer und hektischer.

Kannst du die Bandgeschichte denn nochmal im Zeitraffer durchspielen?
Patrick: Die Band, so wie es sie jetzt gegeben hat, ist 2014 geboren. Damals haben wir eine Firma gegründet und beschlossen, das Projekt ordentlich durchzuziehen. Dann hatten wir eigentlich bald das Glück, ein paar Support-Tours spielen zu dürfen und so hat es nicht lange bis zu unserer ersten eigenen Headliner-Tour gedauert. Und bis jetzt haben wir vier Jahre lang eigentlich recht erfolgreich getourt. Aber auch sehr intensiv...

Mit ihren selbstgeschriebenen Songs sind die Jungs regelmäßig durch den deutschsprachigen Raum getourt. Im Jahr haben Mainfelt dabei an die 100 Konzerte gespielt. Unter anderem standen sie dabei auch als Support für Größen wie James Blunt auf der Bühne.

Willy: Man arbeitet dann einfach so intensiv, dass man sich gar nicht die Zeit nimmt, das Ganze mit etwas Abstand zu betrachten und zu verstehen, ob man die Richtung, die man eingeschlagen hat, auch wirklich gehen will.

Hat man auf so einem Weg eigentlich Respekt vor den Folgen des großen Erfolgs?
Patrick: Auf Tour zu sein, ist körperlich, seelisch und geistig wahnsinnig anstrengend. Natürlich macht es Spaß, aber gleichzeitig ist es harte Arbeit. Da muss man halt auch „buggln“.

Willy: Wie bei allem gibt es aber auch vom Leben eines Musikers viele Klischees, die in Wirklichkeit nicht so sind.

Patrick: Naja, auf der ersten Tour haben wir wirklich jeden Tag getrunken und Gas gegeben. Das ist vier Jahre her und es war richtig geil, jeden Tag Party zu machen, in irgendeinem grausigen Bett zu schlafen, in dem vielleicht noch das gebrauchte Kondom vom Vorgänger lag, und so krasse Geschichten halt. Vom Gefühl her war das einfach geil. Doch irgendwann habe ich gesehen, dass ich wieder anfangen muss zu sporteln und mit meinen Kräften hauszuhalten.

Bei all dem Aufwand, konntet ihr denn von eurer Musik leben?
Patrick: Ja, alle vier.

Willy: Aber es ist schon ein hartes Business.

Patrick: Ich hasse den Spruch!

(Beide lachen)

Willy: Ja, entweder man macht es Vollgas oder es ist halt so Larifari.

Patrick: Aber das ist ja bei allem so. Ich kann ja auch nicht so Larifari ein Maler sein. Die Selbständigkeit ist immer ein hartes Business, deshalb lasse ich den Spruch nicht gelten. Ich denke aber, dass in der ganzen Gaudi manchmal die Ernsthaftigkeit zu kurz gekommen ist.

Hast du etwa bessere Bandmitglieder gefunden, Patrick?
Patrick: Nein, nein. Man entwickelt sich weiter und teilweise auch in verschiedene Richtungen. Für die anderen hat mittlerweile etwas anderes im Leben Priorität. Ich hingegen wollte mit der Musik immer schon weiterkommen und dann ist es eben relativ ernst geworden, oder ich habe Ernst gemacht. Und das war nicht für uns alle das, was wir uns vorgestellt haben. Noch dazu ist es nicht jedermanns Sache, aus dem Koffer zu leben und nie Gewissheit darüber zu haben, wie es genau weitergeht.

Weißt du denn schon, wie es jetzt weitergehen soll?
Patrick: Auf jeden Fall will ich Mainfelt noch einmal auf eine andere Ebene bringen. Natürlich musikalisch, aber auch von der Professionalität her. Ich möchte schauen, die Reichweite zu verbessern.

Geht es dafür über den deutschen Sprachraum hinaus?
Patrick: Das wird dann hoffentlich so kommen. Kontakte in die USA bestehen schon und auch England möchte ich mal abchecken. Es haben sich mittlerweile ein paar coole Türen geöffnet und wir werden sehen, wo diese hinführen und was dann wirklich realisierbar ist.

Willy: Du musst über die Grenzen hinaus, um ein breites Publikum bespielen zu können.

Patrick: Das sehe ich auch nicht so. Das kommt darauf an, was man macht und machen will mit seiner Musik. Natürlich muss man sich Ziele setzen und mit einem Plan an die ganze Sache rangehen. Aber an sich hat Südtirol einen geilen Markt für Musiker.

Der Abschied auf Facebook

Titel & Urheber des Bildes: 
Facebook/Mainfelt

Und warum behältst du dir auf dem neuen Weg die Verpackung Mainfelt und füllst sie einfach mit etwas Neuem?
Patrick: Mainfelt steht für die Lebensfreude und den Spirit, den wir auf Tour immer haben. Aber Mainfelt ist nicht an die Menschen gebunden. Unterm Strich habe immer ich die Lieder geschrieben und ich denke, dass es auch für die Fans wichtig ist, dass ich als Sänger erhalten bleibe.

Willy: Eine Band entwickelt sich ständig weiter. Manchmal mit der Musik und andere Mal eben mit den Menschen, die dahinter stehen.

Bleibst du weiterhin dabei, Willy?
Patrick: Das wollen wir eigentlich noch nicht sagen. (Beide grinsen sich an) Mainfelt geht weiter, ich schreibe neue Musik und es werden neue Musiker dabei sein. Es steht auch schon einiges in den Startlöchern.

Hast du die Musiker denn schon beieinander?
Patrick: Ja.

Und sind es wieder Südtiroler?
Patrick: Ja. Die Idee ist ja nicht, dass ich total etwas anderes mache, sondern dass Mainfelt weitergeht. Es haben sich zwei für einen anderen Weg entschieden, aber das macht nichts. Wir haben uns etwas Flottes aufgebaut. Das einfach wegzuschmeißen, wäre dumm. Das mache ich bestimmt nicht.

Da hat sich Patrick Strobl am Ende wohl doch noch verplappert. Was die neue Band Mainfelt aber wirklich zu bieten hat, zeigt sich spätestens Anfang Februar. Dann darf man sich nämlich auf die erste Single in neuer Besetzung freuen.
Bis es soweit ist, werden die Jungs noch zwei Konzerte spielen und uns auf ihrer Facebook-Seite mit bunten Schnappschüssen aus den vergangenen vier Jahren versorgen.

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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