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Alte Liebe rostet nicht

Peter und Johanna Kapaurer sind 50 Jahre verheiratet und immer noch glücklich. Wie haben sie es geschafft, so lange Zeit zusammenzubleiben?

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Bild: Petra Schwienbacher

„Sie war schon eine Hübsche, gell?“, sagt Peter Kapaurer und lacht. Er schaut auf ein altes Schwarzweißfoto seiner Frau. „Ich musste mich ranhalten“, grinst er seine Johanna an. Sie lächelt zurück. Am 25. Juli 1964 gaben sich die beiden in der Kirche in Niederlana das Jawort. Seitdem sind sie unzertrennlich, obwohl sie auf eine Zeit mit vielen Höhen aber auch Tiefen zurückblicken.

Heute wohnen sie in ihrem selbstgebauten Haus in Niederlana. Die Küche riecht nach Tomatensauce, die Johanna gerade einkocht. „Das war damals eine schwierige Zeit“, erzählt sie. Sie haben geschuftet, um mit viel Mühe das Eigenheim zu bauen. Peter arbeitete als Bagger- und Lastwagenfahrer. Nach der Arbeit hat er jeden Tag am Haus weitergemacht. Johanna half ihm dabei und hat das gesamte Haus gestrichen. Zweimal, erinnert sie sich und setzt sich gemeinsam mit ihrem Mann und zwei ihrer sieben Enkelkinder, die heute zu Besuch sind, an den Küchentisch am Fenster. Das Ehepaar blieb aber immer optimistisch und hat schließlich seinen Traum vom Haus verwirklicht. Bis heute sind die beiden glücklich und haben dieses Jahr ihren goldenen Hochzeitstag gefeiert. Zu diesem Anlass haben sie das Fotobuch geschenkt bekommen, das Johanna mir stolz zeigt: Die ersten Fotos mit ihrem Peter, natürlich die Hochzeitsfotos und ein Gruppenfoto ihrer Familie.

Tanzen und Bergsteigen

Statistisch gesehen, wird laut dem Landesinstitut für Statistik ASTAT eine von vier Ehen geschieden. Die gescheiterten Ehen hielten im Schnitt 16 Jahre. Es liegt nahe, ein 50 Jahre verheiratetes Pärchen nach dem Rezept der ewigen Liebe zu fragen. Was ist also das Geheimnis, damit man so lange Zeit zusammenbleibt? „Wir haben keines. Es ist einfach so“, sagt Johanna. Das Ehepaar weiß, dass sie auch Glück hatten und es nicht selbstverständlich ist, so lange zusammenzubleiben und gesund zu sein. „Man muss sich einfach gegenseitig unterstützen und sich helfen“, sagt Peter. „Und wenn einer Kummer hat, muss man ihm aufhelfen und Verständnis haben“, fügt Johanna hinzu. Beide sagen, es gebe oft schwierige Tage, aber das sei halt so im Leben. Es gehe immer mal bergauf und mal bergab, man müsse sich eben immer wieder zusammenraufen. „Und das haben wir geschafft“, sagt die 70-Jährige und blättert erneut eine Seite des Fotobuches um.

Bild: Privat

Auf dem leider etwas unscharfem Foto sieht man das Paar auf einer Vespa. Peter erzählt, er habe seine Angebetete damit immer abgeholt. Gesehen haben sie sich anfangs nur am Samstag oder am Sonntag. Unter der Woche haben sie immer gearbeitet. Peter führte Johanna zum Tanzen aus oder sie gingen gemeinsam wandern. „Wir waren immer auf dem Ball oder auf dem Berg“, sagt der 76-Jährige und lacht. Beim Wandern schenkte er Johanna immer mal wieder einen Strauß Alpenrosen oder ein Edelweiß. So wurde aus ihnen schließlich ein Paar. Auch heute noch unternehmen sie viel zusammen und gehen am liebsten auf den Berg. 
Wenn man sich früher getrennt habe, habe man das nächste Treffen bereits vereinbart, erklären die beiden. Handy gab es schließlich keines, man musste sich auf das Wort des anderen verlassen. Und Peter habe immer Wort gehalten. Johanna lächelt.  Als sie damals mit ihrer ersten Tochter schwanger war, hat das Paar geheiratet, ungefähr drei Jahre nachdem sie zusammengekommen sind. Sie war 20 Jahre alt, Peter 26. Stolz zeigt sie die wunderschönen Schwarzweißbilder ihrer Hochzeit.

Kompromisse müssen sein

Das Ehepaar kennt sich bereits von Kindesbeinen an. Sie waren Nachbarn. „Schon damals hatte sie ein Auge auf mich geworfen“, sagt Peter und lächelt. „Das sagst du“, entgegnet Johanna. „Doch, er hat mir immer schon gefallen“, fügt sie hinzu. Auch zwei ihrer Enkelkinder sitzen am Tisch und hören der Geschichte von Oma und Opa zu. „Wir mussten immer sparen, das Geld war knapp“, sagt die 70-Jährige, als sie die ersten Fotos ihrer Kinder zeigt. Mit vier Kindern hatten sie nur eine kleine Wohnung am Waldrand in Lana. „Aber sie waren alle glücklich und reden heute noch von dieser Zeit“, sagt Johanna zufrieden. 

Bild: Privat

Peter gefallen die alten Fotos, besonders weil er da noch jung sei, scherzt er. Heutzutage würden Paare bei den geringsten Schwierigkeiten auseinander rennen. „Das können wir nicht verstehen. Vielleicht sind wir auch altmodisch“, sagt Johanna. Früher konnte man sich nicht so leicht trennen, wo sollte man schließlich mit vier Kindern alleine hingehen? „Es muss immer weiter gehen“, sagt Peter. „Und man muss auch mal nachgeben.“ Das wichtigste in einer Beziehung sind also die vielen Kompromisse, die man finden muss, denn es funktioniere nicht, wenn einer immer recht haben will, sagen die beiden. Das Erfolgsrezept klingt einfach. Johanna zeigt zum Schluss noch ein aktuelles Gruppenfoto von Peter und Johanna zusammen mit ihren vier Kindern. „Hier sind sie nochmal. Karin, Manfred, Verena und Hanspeter“. Dann schließt sie das Buch, das fünfzig Jahre ihres Lebens in Bildern dokumentiert.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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super schöner Bericht, Danke an die Verfasserin!! :-D

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