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Peter Enz im Interview

„Ich kandidiere!“

Der Religionslehrer Peter Enz möchte Merans nächster Bürgermeister werden. BARFUSS verrät er, was er anders als seine Konkurrenten machen will.

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Bild: Oliver Kainz

Wenn Peter Enz durch die Straßen von Untermais flaniert, dann winkt er den Leuten zu und die Menschen grüßen freundlich zurück. Ein Smalltalk hier, ein Plausch dort – Enz kennt die Leute und die Leute kennen Enz. Keine schlechte Voraussetzung als Kandidat für ein politisches Amt. Doch um eine realistische Chance auf den Bürgermeistersessel zu haben, muss der 50-Jährige auch die SVP-Basiswahlen am 31. Januar gewinnen. An der Vorwahl dürfen alle Bürger der Stadtgemeinde Meran teilnehmen. BARFUSS trifft den Mann mit dem runden Gesicht und dem weißen Bart in der Bar „Treffpunkt“. Enz bestellt einen Espresso und beginnt über seine politischen Ziele zu sprechen.

Warum kandidierst du für das Bürgermeisteramt?
Ich bin seit 20 Jahren für die SVP im Gemeinderat. Nun will ich endlich Verantwortung übernehmen. Ich will mehr Menschen in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen als das bisher der Fall ist. Es kann nicht sein, dass man die Stadt ständig in Deutsch und Italienisch unterteilt. Wir nutzen unsere Sprachvielfalt viel zu wenig. Außerdem: Schluss mit den Großbauprojekten, wie sie mein Konkurrent Gerhard Gruber anstrebt. Durch solche Wohn- und Bauprojekte würde die Stadt auf 50.000 Einwohner anwachsen. Dadurch bräuchten wir neue Kindergärten, Schulen und Straßen. Wer soll das bezahlen? Meran braucht dieses Wachstum nicht.

Senator Karl Zeller gilt als mächtiger Strippenzieher in der SVP und Gerhard Gruber als sein Weggefährte. Ist es ohne Zellers Segen möglich, Bürgermeister zu werden?
Ich brauche Karl Zellers Segen nicht. In einer Demokratie entscheidet das Volk. Wenn ich nicht Bürgermeister werde, dann geht die Welt nicht unter. Die Stadt würde aber die Möglichkeit verlieren, erstmals einen Bürgermeister aus dem sozialen Flügel zu bekommen.

Bei der Nominierung erhieltest du von der SVP-Fraktion und dem Stadtkomitee lediglich fünf Stimmen. Bist du in der Basiswahl deshalb ein Außenseiter?
Die entscheidende Frage ist: Kann ich Menschen motivieren an der Basiswahl teilzunehmen, obwohl sie nicht bei der SVP sind? Bei den Vorwahlen dürfen alle Bürger Merans hingehen, aber Nicht-SVP-Mitglieder müssen fünf Euro bezahlen. Ich finde diese 5-Euro-Klausel demokratiepolitisch äußerst bedenklich. Mein Aufruf deshalb: Alle Jugendlichen können gratis SVP-Schnuppermitglieder werden und müssen bei der Teilnahme an der Basiswahl keine fünf Euro bezahlen.

Was antwortest du einem Jugendlichen, der sagt: „Egal ob ich wählen gehe – es ändert sich ja doch nix“?
Es stimmt nicht, dass junge Leute kein Interesse an der öffentlichen Sache haben. Sie finden manchmal bloß die Verantwortlichen nicht, die ihnen zuhören. Jugendliche wollen kein Geld. Sie wollen Freiräume, um sich kreativ entfalten zu können. Ich würde mich dafür einsetzen aus dem aufgelassenen Schlachthof in Meran ein großes Jugend- und Kulturzentrum zu machen. Das Areal könnten wir für Theateraufführungen, Bandproben oder Konzerte nutzen.    

„Meran braucht mehr Liebe zum Detail.”

Was gilt es in Meran sonst noch zu verbessern?
Aufgrund der Nord-West-Umfahrung müssen wir die Buslinien neu regeln. Die Busse fahren an Stationen vorbei, die für die Menschen wichtig sind. Es gibt zum Beispiel keine Busverbindung vom Untermaiser Bahnhof nach Obermais. Gleichzeitig fahren durch den Rennweg 800 Busse am Tag, obwohl sie dort nichts zu suchen haben. Die Rad- und Fußgängerwege gilt es schöner zu gestalten. Meran braucht wieder mehr Liebe zum Detail.

Glaubst du als Religionslehrer an Gott und schicksalhafte Fügungen in der Politik?
Ich glaube an meine Chancen. Der Herrgott hat mir die Fähigkeit gegeben, Verantwortung zu übernehmen. Religion und Glaube haben nichts mit Zauberei zu tun, sondern mit der Bereitschaft seine Fähigkeiten zum Wohle der Menschen einzusetzen.

Wäre es für dich schlimm, wenn ein italienischsprachiger Kandidat Bürgermeister in Meran wird?
(Überlegt lange) Aus parteipolitischer Sicht ja, denn dann hätten wir als SVP versagt. Aus menschlicher Sicht wäre es nicht schlimm, denn ich unterstelle jedem Kandidaten, dass er das Beste für Meran will.

Ideologische Heimat – links oder rechts?
Mein Herz schlägt links.

Machtmensch oder Kumpeltyp?
Ich bin ein Konsensmensch.

„Wer einen Joint rauchen will, soll auch auf etwas verzichten.”

Kompatscher oder Durnwalder?
Beide waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Legalisierung von weichen Drogen – ja oder nein?
Ja, unter der Voraussetzung, dass man als Konsument von weichen Drogen den Führerschein abgibt.

Das ist doch unlogisch. Man trinkt auch Alkohol ohne den Führerschein abzugeben.
Wer einen Joint rauchen will, soll auch auf etwas verzichten. Warum? Nur ein kleines Kind will alles haben. Wir müssen wieder lernen erwachsen zu werden, Entscheidungen zu treffen und auf Dinge zu verzichten.

Einkaufszentrum oder Tante-Emma-Laden?
Discounter.

Meraner Nordwest-Umfahrung (mit Küchelberg-Untergrabung) – ja oder nein?
Ja. Wir haben 20 Jahre zu lange auf die Nordwest-Umfahrung gewartet.

Wer ist dein politisches Vorbild?
Willy Brandt.

Auf einer Skala von eins bis hundert: Wie groß schätzt du deine Chancen ein, der nächste Bürgermeister Merans zu werden?
Ich sehe meine Chancen bei 50 Prozent.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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