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Sänger Lemo im Interview

„Hausgemachte Musik"

Er ist der aufstrebende Stern in der deutschsprachigen Pop-Szene und tritt am Freitag in Meran auf. Lemo über die Liebe, das Aufgeben und oldschool-Musik.

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Bild: Blankomusik

Oberpullendorf liegt im Burgenland und hat knapp 3.000 Einwohner. Einer davon wäre beinahe Clemens Kinigadner geworden. Der österreichische Singer-Songwriter, besser bekannt unter seinem Spitznamen Lemo, kam jedoch nur dort zur Welt, weil seine Mutter eine Wassergeburt wollte und das vor 32 Jahren nur im Burgenland möglich war. Aufgewachsen in Graz, wohnt Lemo mittlerweile in Wien. Weil seine ältere Schwester viel Nirvana gehört hat, hat Clemens irgendwann zwischen 14 und 15 begonnen, die Lieder auf seiner Gitarre zu covern. Aus hobbymäßigem Klimpern wurde schließlich der Wunsch, als Musiker Geld zu verdienen. Bevor es dazu kam, hat Clemens jedoch noch die Schule abgebrochen und ganz schön viele andere Jobs ausprobiert.

Bahnhofsreiniger, Pizzataxifahrer, Fließbandarbeiter, Vermögensberater, Gitarrenverkäufer und Tontechniker. Lauter Jobs, die du im Laufe deiner Karriere ausgeübt hast, Clemens. Welcher war dir denn am liebsten?
Den, den ich jetzt gerade mache. Musik machen ist der beste Job.

Ein Traum, den du dir verwirklicht hast?
Mit 14 Jahren habe ich beschlossen, dass ich Musik machen will, und wie es das Leben so will, kam es schließlich auch dazu. Durch die Ausbildung zum Tontechniker habe ich angefangen, in einem Studio zu arbeiten und habe dort meine jetzigen Produzenten kennengelernt. Als wir für eine Castingshow von ProSieben Songs geschrieben haben, musste ich die Demo-Versionen einsingen. Diese hat mein jetziger Produzent gehört und wollte daraufhin einige meiner eigenen Lieder mit mir im Studio aufnehmen. Kurz darauf haben wir „Vielleicht der Sommer“ bereits an die ersten Radiostationen geschickt.

2014 ist Lemo mit diesem Hit auf Platz 24 der österreichischen Charts gelandet und hat sich so einen Namen in der deutschsprachigen Pop-Szene gemacht. Ein Jahr später hat er mit „So leicht“ gleich einen Hit nachgelegt.

Vier Jahre lang hat Lemo mit seinen Produzenten Lukas Hillebrand und Alex Pohn an seinem Debütalbum „Stück für Stück“ gearbeitet, bis es im Mai 2016 schließlich erschienen ist. Anfang des Jahres wurde der Wiener bei den Amadeus Austrian Music Awards dann noch zum Songwriter des Jahres gekürt.

Deine Titel singst du alle auf Deutsch. Hat das einen Grund?
Als ich mit 15 mit dem Texten begonnen habe, waren alle meine Texte nur auf Englisch. Vor vier Jahren habe ich dann auf Deutsch gewechselt. Irgendwie habe ich mir nämlich gedacht, dass der deutsche Markt kleiner ist und man a bissl weniger Konkurrenz hat. Ein Markt und eine Schiene, die vielleicht noch nicht ganz überbesetzt sind. Außerdem kann ich viel besser Deutsch als Englisch. (lacht)

Denkst du, dass viele talentierte Musiker wegen dem Überangebot auf dem Markt auf der Strecke bleiben?
Ich denke, das liegt eher daran, dass man zu früh aufgibt, also noch bevor alles losgehen kann. Es dauert auch einfach ewig. Auch viele gute Bands in meinem Umkreis haben nach drei bis vier Jahren aufgegeben, vor allem wegen dem fehlenden Geld. Aber Qualität setzt sich auf Dauer sicherlich durch.

Hast du selbst auch ans Aufgeben gedacht?
Naja klar, schon oft. Aber irgendwie hat es mich dann doch immer wieder zur Musik zurückgezogen.

Mittlerweile lebt Lemo von seiner Musik. Seine Texte schreibt er am liebsten auf dem Klo, das so groß ist, dass er dort auch mit seiner Gitarre verweilen kann.

Textest du über dein Leben?
Ja, meistens schon. Ich suche mir aber nicht aus, worüber ich schreibe. Ich fange einfach an, Gitarre zu spielen und singe dann intuitiv dazu. Meistens geht es um Dinge, die in meinem Leben passiert sind oder die mich beschäftigen. Was dabei so rauskommt, schreibe ich nieder und das wird dann zu einem Text verarbeitet.

Du singst relativ oft über die Liebe. Hat das einen bestimmten Grund?
Naja. (überlegt)

Oder kommt das einfach gut in der Musikwelt?
Ja, ich denke mir immer, das kann gar nicht so verkehrt sein. (lacht) Scherz beiseite; die Liebe ist vor allem etwas, das jeder kennt und das jeden irgendwo auch antreibt. Es ist einfach ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann. So in etwa wie das Wetter. Nur darüber schreibt sichs nicht so gut. 

Und Clemens, wie ist die Liebe grad so bei dir?
Na, ich red jetzt nicht so viel drüber. (lacht) Guter Versuch!

Eigentlich ist Lemo Langschläfer, doch für das heutige Interview hat es Clemens bereits um kurz vor 12 aus den Federn geschafft.

In einem deiner Texte singst du „Ich lass die Scheiß Stadt hinter mir“. Hast du das Stadtleben als Wahlwiener manchmal satt?
Ich lebe total gerne in Wien, auch wenn ich mir irgendwann vorstellen kann, wieder aufs Land zu ziehen. Wenn ich Kinder habe vielleicht. Momentan mag ichs aber, dass viel los ist und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung groß sind.

Jetzt gehts erstmal nach Meran. Ist das auch Stadtflucht?
Es ist immer super rauszukommen und immer wenns nicht Alltag ist, ist es lässig. In Meran bin ich das erste Mal und ich freu mich schon.

Was dürfen sich die Zuschauer denn erwarten?
Auf jeden Fall eine extrem gute Band, in der unter anderem auch meine beiden Produzenten spielen. Natürlich auch viele coole Songs und schon eine kleine Vorschau aufs nächste Album. Einfach hausgemachte Musik würde ich sagen: Keine Playbackeinspieler, sondern fünf Leute, die mit einem Instrument auf der Bühne stehen und musizieren.

Macht das deine Musik aus?
Ich würde sagen, dass wir einfach unmodern, oldschool und handgemacht sind. Ich möchte einfach, dass meine Musik auf echten Instrumenten gemacht ist und nicht am Computer. Es ist wichtig, dass Musik einen emotionalen Background hat.

Hat sich deine Musik verändert, seit du 14 warst?
Ja natürlich, aber dass ich organische Musik mache und höre, war eigentlich immer schon so. Mittlerweile beeinflussen mich vor allem Leute wie Jamie Cullum oder John Mayer, so Singer-Songwriter hauptsächlich.

Du arbeitest also bereits an einem nächsten Album. Hört sich das ähnlich an wie das aktuelle?
Da es live immer rockiger wird und wir das auf CD bringen, wird es bestimmt bissl mehr edge geben. Kanten reinkriegen ist das Ziel.

Kannst du dir denn vorstellen, Musik bis an dein Lebensende weiterzumachen oder wirst du irgendwann wieder Pizzataxifahrer?
Pizzataxifahrer muss ich vielleicht nicht unbedingt nochmal machen, ich glaube das reicht. Ich kann mir aber gut vorstellen, bis ans Ende meiner Tage Musik zu machen. Ob ich es als Job mache, weiß ich nicht ganz genau. Ich kann mir einfach vorstellen, dass man Pausen braucht zwischendurch. Vor allem, weil man viel unterwegs ist, wenn es gut läuft. Zum Runterkommen ist es sicherlich gut, was anderes zu machen, ein Buch schreiben oder so.

Ein versteckter Schreiberling also?
Ich schreib ja eh schon Texte. Aber ein Buch stelle ich mir als schöne Beschäftigung vor. Da sitzt man dann ein Jahr und schreibt einen Roman oder so. Das kann ich mir gut vorstellen.

Das Konzert von Lemo findet am Freitag, 28. Juli 2017 am Thermenplatz in Meran statt. Weitere Infos gibts hier.

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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