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Zwei Rittner erfinden eine neue Lampe

Wenn Kieselsteine leuchten

Jonas Lobis und Andreas Schweigkofler waren schon immer Tüftler. Ihre neuste Erfindung: Lampen aus Kieselsteinen und Aluminium. Ihr wichtigstes Gerät: der 3D-Drucker.

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Jonas Lobis und Andreas Schweigkofler bei ihrem ersten Tag der offenen Tür.

Bild: brights OHG

Wenn für Jonas Lobis aus Unterinn und Andreas Schweigkofler aus Rotwand eigentlich der Feierabend beginnt, steht für die beiden bereits die nächste Arbeit an. In jeder freien Minute tüfteln sie zurzeit nämlich an ihrer Erfindung: an außergewöhnlichen Lampen, die es bisher so noch nicht gegeben hat.

Die quadratische Form ihrer Leuchten gießen Andreas und Jonas aus einem Naturkleber und Kieselstein-Granulat, das eigentlich für die Gartengestaltung verwendet wird. Die Basis wird zuerst mit einem 3D-Drucker gedruckt und anschließend aus Aluminium gegossen. Aktuell werden das junge Unternehmen und ihre „brights lights“ als Crowdfunding-Projekt der Plattform „Open Innovation Südtirol“ vorgestellt.

Selbst ist der Mann

Angefangen hat alles vor einem Jahr, als die Rittner gemeinsam für die neu umgebaute Wohnung von Andreas nach einer passenden Wandleuchte suchten – und keine fanden. „Qualität und Originalität fehlten uns einfach bei jeder Lampe“, sagt Andreas. Die meisten würden sich nach langem Suchen wohl irgendwann mit einer Alternative zufriedengeben, nicht aber Andreas und Jonas. Die zwei waren schon immer Bastler und Tüftler. Wenn etwas nicht passt oder gefällt, machen sie sich selbst an die Arbeit. So auch bei den Wandleuchten.

Andreas, 26 arbeitete früher als Mechaniker und ist heute Schlosser. Er hat Erfahrung mit Elektrotechnik und brachte so das nötige Know-how für die Produktion der Lampe mit. Jonas, 25, ist als Geometer geübt im Zeichnen und Entwerfen. Von seiner Seite kam der kreative und organisatorische Part.

Ohne einen genauen Plan oder eine Idee, wie die Lampe später aussehen soll, beginnen die beiden vor einem Jahr also ihre Idee von einer originellen Wandleuchte in die Tat umzusetzen. „Wir haben einfach mal gemacht“, sagt Jonas und grinst. Der erste Versuch – eine Lampe aus Beton – ging in die Hose. Die zweite Idee aber, eine Lampe aus Aluminium und Kieselsteinen, sollte sich als genau richtig erweisen.

Bild: brights OHG

Bei Arbeiten mit Kieselsteinen kamen die Rittner auf die Idee, dieses Material auch für ihre Leuchten zu verwenden. „Wir verfolgen beide ständig die technischen Entwicklungen und so kam uns die Idee, den 3D-Druck für die Wandleuchten zu verwenden“ erklärt Jonas. Den 3D-Drucker haben sie sich selbst angeschafft, keine kostengünstige Investition – aber, so hoffen die beiden, eine, die sich auszahlt. Durch den 3D-Drucker sind die beiden nicht an eine Form gebunden und können später jegliche Designs umsetzen, die sie möchten. Eine innovative Idee.

Momentan gibt es ein Grundmodell der Leuchten, auf dem zwei mobile Aufsätze aufgesteckt werden können. Aus hochwertigem Holz oder Kieselstein. „Man muss sich also nicht mehr entscheiden, ob man eine Leuchte aus Holz oder Stein auswählt, sondern kann sie mit einem Handgriff immer wieder neu an die Inneneinrichtung, Jahreszeit oder Stimmung anpassen“, erklärt Andreas. Die Lampen entstehen in seiner kleinen Werkstatt in Rotwand. Hier steht auch das Herzstück ihrer Arbeit: der 3D-Drucker. Ein quadratischer Kasten, der unscheinbar aussieht, aber einen großen Teil der Produktion ausmacht. Mithilfe des 3D-Druckers erstellen die Freunde die ersten Entwürfe für die Fassung der Wandleuchten. Sie dient als Negativform für den Aluminiumguss, aus dem der Kühlkörper für die LED-Leuchten entsteht.

Leuchtend der Zukunft entgegen

Als die Lampe für seine Wohnung fertig war, waren Andreas und Jonas selbst überrascht von ihrem Ergebnis. „Da kam uns zum ersten Mal die Idee, dass wir schauen könnten, ob es einen Markt dafür gibt“, erinnert sich Jonas. Die beiden gründen Ende Juli 2017 ihre Firma „brights OHG“ und feilen an der Ausführung ihrer Lampen. Ab sofort ist es keine bloße Idee mehr, kein Hobby, sondern eine Investition in die Zukunft. Die beiden haben viel vor. Irgendwann möchten sie von der Produktion der Lampen leben können. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. „Zuerst möchten wir mal schauen, wie sie bei den Leuten ankommen“, sagt Jonas und lacht.

Bis Anfang Dezember läuft das Crowdfunding noch. 6.000 Euro möchten sie bis dahin sammeln, so viel brauchen sie, um eine erste Kleinserie finanzieren zu können und weitere innovative Leuchten-Aufsätze zu entwickeln.

„Wichtig ist, etwas machen und nicht stehenbleiben.“

Neben den Hängelampen von „LAAB – Licht und Laub“ sind sie die zweiten Südtiroler, die beim Crowdfunding ihre Lampen vorstellen. Eine Konkurrenz sieht die brights OHG in Jasmin Castagnaro, der Gründerin von LAAB, aber nicht. „Im Gegenteil. Wir finden es gut, wenn Leute etwas Neues probieren“, sagt Jonas. „Wichtig ist, etwas machen und nicht stehenbleiben.“ 

Jonas und Andreas sehen ihre außergewönlichen Lampen mit indirektem Licht vor allem in Räumen, die eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlen sollen, wie zum Beispiel Schlaf- oder Wohnzimmer. Die viele Arbeit, die die beiden in den vergangenen Monaten in die Kreation der Lampen gesteckt haben, scheint sich auszuzahlen. Beim ersten Tag der offenen Tür ihres Unternehmens kamen die Lampen bereits gut an. „Wir waren überrascht von so viel positivem Feedback“, sagt Andreas. Jetzt heißt es für ihn und Jonas abwarten. Abwarten, wie die Lampen bei der Crowdfunding-Kampagne und möglichen Kunden ankommen.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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