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Try Rugby!

Fußball ist für Weicheier. Richtige Sportler spielen Rugby. BARFUSS hat mit den härtesten Mädels Südtirols trainiert.

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Bild: Andreas Obexer

Die Red Queens aus Bozen haben sich mit zwei weiteren Frauenmannschaften aus dem Trentino zu den Alp Queens zusammengeschlossen und sind zurzeit mitten in der Italienmeisterschaft. BARFUSS hat sich getraut und ein Training mitgemacht.

Jetzt geht's zur Sache!

Kurz vor dem Training. Mir kommen erste Zweifel. Es ist scheißkalt und das Training findet natürlich draußen statt. Dann fällt mir ein, dass ich eigentlich nicht wirklich sportlich bin und mir eventuell das nötige Durchsetzungsvermögen fehlt, um trainierte Rugbyfrauen in voller Fahrt niederzustoßen. Und die Kraft. Ich hoffe also auf Gnade, als ich aufs Rugbyfeld laufe.

Aufwärmphase: Ich schwitze trotz der eisigen Luft. Wir laufen das Feld auf und ab, immer wieder, und werfen uns die Bälle zu. Meine Lunge brennt, die Beine lassen sich kaum mehr heben, aber ich renne weiter. Der Trainer pfeift ab. Endlich. Wie auf Kommando liegen alle auf dem Boden und machen Liegestütze. „Uno, due, tre ...“, zählen sie mit. Laut und begeisternd. Wie beim Militär. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Liegestütze gemacht habe. Den Liegestützen folgen Sit-ups und nochmals Liegestütze. Das sei keine Strafe, betont der Trainer. Ich bin mir da nicht so sicher.

Dann wird Rugby gespielt. Wir stellen uns auf und der Trainer erklärt, wie wichtig es ist, mit Köpfchen zu spielen. Rugby ist ein Teamsport. Eine Person allein ist nichts, jede Mitstreiterin hat ihren Platz im Team und damit eine spezielle Aufgabe. Wir spielen uns den Ball zu, halten die Stellung. Mit Engagement werfen sich die Mädels ihren Kontrahentinnen entgegen, kämpfen, dass es eine Freude ist. „Ihr lauft zu viel und denkt zu wenig“, schreit der Trainer. „Warum gebt ihr Sunna (Name geändert) den Ball, wenn doch Valeria viel schneller ist?“ Arme Sunna.

Aufgeben ist nicht drin

Bald bekomme ich auch Mitleid mit mir selbst. Ich bin noch langsamer als Sunna und total fertig. Ich überlege, dass es vollkommen okay wäre, einfach aufzugeben. Aber ich bleibe. Ich bleibe auch noch, als ich auf dem Boden liege, nach Luft schnappend – gleichermaßen überrascht, den Ball in dieser kritischen Situation bekommen, und schockiert, ihn so schnell und kampflos aufgegeben zu haben. Ich bleibe selbst dann noch im Spiel, als ich zum zweiten Mal auf dem Boden liege und glaube, mir sämtliche Rippen gebrochen zu haben. Ich bleibe, weil ich hoffe, dass das Ende des Trainings nicht mehr weit ist und weil mir das Spiel – trotz allem – echt Spaß macht.

Chi siamo?

Die eineinhalb Stunden sind um. Wir stellen uns im Kreis auf und ich spüre den Teamgeist, der den Alp Queens ihre Stärke gibt. „Chi siamo?“, schreien alle und stampfen mit den Füßen auf den Boden: „Alp Queens!“ Wuhuu. Ein bisschen wie in einem amerikanischen Film. Und ganz ehrlich: Ich liebe es!

Ich fühle mich wie ein Star, als der Trainer mich fürs Durchhalten lobt. „Für eine, die keine Ahnung von Rugby hat, ist das echt eine Leistung“, meint er. Dann schimpft er noch ein bisschen mit der Gruppe, die Mädels blicken etwas betreten zu Boden, ich auch – weil ich mich schon als Teil der Mannschaft fühle – und das Training ist zu Ende.

Aus Red Queens wird Alp Queens

Ein paar Tage später – der Muskelkater tut nicht mehr so weh – treffe ich die Kapitänin der Red Queens, Julia Bittner. Julia und Rugby, das war Liebe auf den ersten Blick. „Du wirst selbstbewusster, stärker“, schwärmt sie. „Egal welcher Körperstatur, beim Rugby findet jeder seine Aufgabe.“

Taff war Julia gewiss immer schon. Als es noch keine Frauenmannschaft gab, trainierte sie mit den Männern in Bozen. Ob sie denen gewachsen war? Aber sicher doch! Dann spielte sie mit der Frauenmannschaft in Verona. Weil die nur Freundschaftsspiele mitmachte, schloss sie sich später der Frauenmannschaft Venedig an und gewann mit ihr den 1. Italienmeisterschaftstitel. Dazu fuhr sie bald regelmäßig zum Training in die Lagunenstadt. Um 16 Uhr startete sie in Bozen, um dann wieder um 2.30 Uhr am Bozner Zugbahnhof anzukommen. Und das jede Woche.

Irgendwann gründete sie mit ein paar Freundinnen die Red Queens in Bozen. Eine kleine Gruppe, die immer wieder neue Mitglieder gewonnen und alte verloren hat: an die Arbeit, an ein neues Studium. Trotz des regen Wechsels in der Gruppe: „Rugby hat mir geholfen, mit allen Situationen im Leben fertig zu werden“, ist Julia überzeugt.

Die Bozner Rugbyfrauen spielen nun zusammen mit den Cedroni (Val di Non) und der Gruppe Lagaria Rugby (Rovereto). Zusammen sind sie die Alp Queens. Sie nehmen heuer an der italienweiten 7er-Meisterschaft teil und vergessen dabei nie die sogenannte 3. Halbzeit, bei der zusammen mit der gegnerischen Mannschaft gegessen, getrunken und gefeiert wird. „Der Respekt gegenüber Gegnern und Schiedsrichtern ist beim Rugby groß. Viel größer als beispielsweise beim Fußball."

Wer mitmachen will, meldet sich am besten bei Julia unter: viva_il_rugby@gmx.net.

Maria Laura Ebensberger

wollte schon als kleines Mädchen Journalistin werden. Oder Schauspielerin. Wenn ersteres nicht klappt, seht ihr sie demnächst im Kino, an der Seite von Johnny Depp.
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