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T.I.A. – This Is Africa

Der Abschied aus Uganda fällt schwer: Ein Rückblick auf fünf extreme und wunderschöne Wochen. Goodbye Africa!

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Bild: Elisa Reiterer
Wie verarbeitet man am besten fünf extreme Wochen? Die Gefühlsachterbahn, die ich hier Tag für Tag gefahren bin, ist rekordverdächtig. Doch jetzt otum tyé, jetzt ist Schluss, und morgen hebt mein Flieger in heimatliche Gefilde ab. Ich stöpsel mir also in einem Anflug von Heimweh meine bescheidene Sammlung von Acholi-Liedern in die Ohren und drifte zurück nach Norden.
 
Acholiland. Zu Hause habe ich diesen Begriff immer nur in direktem Zusammenhang mit Gewalt, Bürgerkrieg und unfassbarer Armut gehört. Tatsächlich musste ich feststellen, dass der Norden Ugandas um ein ganzes Stück ärmer ist als der Rest des Landes – Acholiland ist offiziell eine der ärmsten Regionen Afrikas, vor allem aufgrund des langen Bürgerkrieges. Doch genau die vielen schweren Zeiten haben in den verschiedenen afrikanischen Völkern ein ganz eigenes Verhalten gegenüber der Vergangenheit erzeugt: 
 
Vergessen, aber nicht vergeben 
 
Nicht darüber sprechen. Gras über die Sache wachsen lassen. Der Name Joseph Konys, eines brutalen Rebellenführers, wird in Acholiland nicht mehr ausgesprochen, es ist, als wäre er nie geboren. Dies führte zuweilen zu bizarren Situationen, Fettnäpfchen inklusive: Als ich in einer Bar mit einem Freund über die Geschichte des Landes diskutierte, fiel Konys Name. Mein Freund brachte mich daraufhin schnell zum Verstummen und warf einen entschuldigenden Blick zum Barkeeper, der bereits die Augenbrauen zusammengezogen hatte. Ich fühlte mich beinahe in Harry Potter hineinversetzt, als ich daraufhin nur mehr raunend von „ihm“, „er“ und „du-weißt-schon-wer“ sprach ... Es ist ein bisschen wie den Staub unter den Teppich zu kehren. Wenn man nicht mehr darüber redet, ist es, als wäre es nie passiert. Und das Leben geht weiter, wie es immer weiter gegangen ist. Die Kinder gehen immer noch zur Schule (die in Uganda übrigens Pflicht ist!), die Frauen tragen immer noch kiloschwere Fruchtkörbe auf den Köpfen ohne auch nur den leisesten Anflug von Anstrengung, und die Lastwagen bleiben nach einem Regenguss noch immer mitten auf der Straße stecken.
 
Das schöne Afrika
 
In den letzten vier Wochen habe ich mir vier große Themen, die mich besonders getroffen haben, herausgepickt, und die bei uns, trotz aller Medienpräsenz, einfach viel zu schnell unter den Tisch fallen. Was ich aber unter den Tisch fallen lassen habe, war all der Rest an Afrika, den ich fand. Der unglaubliche Lebenswille der Menschen und ihre Zufriedenheit inmitten ihrer Armut. Die Tatsache, dass die Frage „How are you?“ hier als Begrüßung gilt und zum guten Ton gehört. Dass man sich als Zeichen der Zuneigung und des Respekts während eines Gesprächs oder mitten auf der Straße einfach an der Hand nimmt. Die Physik scheint hier im Übrigen auch anderen Regeln zu folgen: Zumindest mein Fahrrad würde zusammenbrechen, wenn ich circa einen Zentner Bananen gut eineinhalb Meter hoch auf dem Gepäckträger auftürmte. Und fünf Personen haben natürlich auch gemütlich auf einem Motorrad Platz. Apropos Motorrad, wenn meine Eltern herausbekommen, wie oft ich hier ohne Helm mit einem solchen Bodaboda (ein Motorradtaxi, das Hauptnahverkehrsmittel in Uganda) ziemlich abenteuerliche Fahrten nach Gulu und wieder zurück unternommen habe, kriegen sie wahrscheinlich beide schlohweiße Haare. Aus offensichtlichen Gründen sind hier auch die Schönheitsideale um 180 Grad gedreht, oder um es mit den Worten meines Freundes Edmond auszudrücken: „You Westerners live to eat, we Africans eat to live.“ Ich möchte die Person kennenlernen (und auf den Mond schießen), die aus Afrika zurückkommt, ohne zumindest ein bisschen sensibler im Nahrungsmittelkonsum geworden zu sein.
 
Schweren Herzens habe ich mich von allen Kindern in der Pädiatrie verabschiedet, und viele sind mir um den Hals gefallen und haben „Goodbye muzungu!“ gerufen. Ich bin jetzt um ein paar Armbänder ärmer und ein paar der Kinder um eines reicher. An meinem letzten Tag auf der Station haben die Ärzte mich gemeinsam feierlich getauft: Mein neuer Name ist jetzt Elisa Atim Reiterer. Atim, die in der Ferne geborene. Atim, die so bald wie möglich wieder zurückkommt, an diesen wunderbaren Ort mit dem berüchtigten Namen. Acholiland.

Elisa Reiterer

Vagabundin durch alle Ecken und Enden des Planeten, liebt das Meer, Sonnenuntergänge und Vorweihnachtszeit mit Neuschnee. Wird hibbelig, wenn sie zu lange an einem Ort bleibt.
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Abenteuer Afrika

Da bin ich nun, Medizinstudentin am Ende des zweiten Jahres, bei meinem ersten richtigen Praktikum. Ins kalte Wasser springen tut gut, also packte ich die Gelegenheit beim Schopf und fuhr für einen Monat nach Gulu im Norden Ugandas. Vier Wochen Pädiatrie, vier Wochen Afrika.

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