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Save The Rave

Was braucht es für eine gute Party? Eine Idee, Musik und ein paar Verrückte. Das nennt man dann die Winklparade.

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Bild: Franz Griessmair

Das Winkl findet man bei Sand in Taufers. Dort gibt es Wald und Wiesen und meistens Ruhe. Normalerweise. Nur einmal im Jahr wird es laut, wenn die beste Party der großen weiten Gegend durch die eine Straße zieht.

Wenn man keine Ahnung hat und dort an einem schönen Juni-Samstag nur gemütlich spazieren gehen will, wird man sich vermutlich wundern: Da kommt einem eine Horde Menschen entgegen, alle bunt und leicht bekleidet, tanzend zu Musik im Stil schönster Techno-Nostalgie, die laut von einem Wagen schallt. Auf dem Wagen spielen DJs, und alle stampfen und feiern den Bässen hinterher. Da steht der ahnunglose Spaziergänger dann in einem Meer aus nackter Haut und Netzstrumpfhosen, und hat keine Ahnung, was denn hier so vor sich geht.

Wer mitmacht bei der Partyprozession, selbst inmitten des kollektiven Wahnsinns ein klein wenig den Verstand verliert, erinnert sich am nächsten Tag müde und schweißgebadet an ein Fest, das die reinste Freude war. Hier wird getanzt, wie man es sonst selten tut, in einem Rausch aus Tütüs und Endorphinen. Über der ganzen Geschichte hängt ein Hauch von Wahnsinn, der von der guten Sorte. Der Kopf ist leer, der Tag ist schön. Martha Stocker tanzt im Dirndl irgendwann auf dem DJ-Wagen, auch wenn das jetzt vermutlich keiner glaubt. Das Video dazu sollte sie als Wahlwerbung verwenden, da gibt es keine bessere.

Die Winklparade ist, reduziert auf das Wesentliche, eigentlich bloß ein Wagen, der einen Spazierweg entlang fährt. Da spielt ein DJ drauf, und ein paar Getränke sind auch mit im Gepäck. Das war die Idee von fünf Jungs aus der Gegend, und ist das Schöne am Ganzen: Dass kein Veranstalter mit Riesenbudget sich das ausgedacht und dann in großem Stil aufgezogen hat, mit Werbung Wochen im Voraus und Eintritt und Türstehern und dem Kommando, jetzt doch mal ordentlich Party zu machen – sondern dass alles klein angefangen hat und es am Ende doch der große Spaß des Jahres war.

Vergangenen Sommer fand das Ganze zum ersten Mal statt. Man hatte sagen hören, dass da was laufen soll an diesem einen Samstag, aber was das genau werden sollte, wusste niemand so genau. Es fanden sich dann doch alle ein am abgemachten Treffpunkt, und von da zog der Wagen mit den Tanzenden hinter sich zum ersten Mal durch das Winkl. Der Überraschungsfaktor war groß, die Erwartungshaltung noch klein. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, die alte Leier, ihr kennt sie ja. 

Die Route der mobilen Party ist ein Weg zwischen Wald und Wiese, für den man in normalem Schrittempo eine halbe Stunde braucht. Der Zug an Leuten brauchte an die vier Stunden für die Strecke. Oder fünf oder sechs oder sieben. Das weiß man nicht mehr so genau. Das war auch gar nicht wichtig. Die Winklparade ist keine von den Partys, wo man auf die Uhr guckt, oder man sich nach ein paar gepflegten Drinks (im Sitzen!) dann sagt, was das doch für ein netter Abend war. Die Winklparade ist ein Spielplatz für die Großen. Dem Alltag kurz Auf Wiedersehen.

In großer großer Vorfreude: Bis zum nächsten Jahr!

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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