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Portrait einer jungen Mutter

Rastas weg, Babybauch her

Mit 16 wurde sie schwanger, der Vater ihres Kindes stammt ursprünglich aus Chile: „Wir haben so gar nicht in die Vorstellung mancher Südtiroler gepasst“, erzählt Silvia Abetini heute.

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Bild: Thomas Tribus

Silvia ist 16 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie bald nicht mehr alleine durchs Leben gehen wird. Damals gingen Silvia und ich auf dieselbe Schule. Jeder kannte die extrovertierte, ein wenig verrückte Rastaträgerin, die sich öfter einmal beim Direktor melden musste. Wenn sie durch die Hallen des Pädagogischen Gymnasiums in Meran ging, erntete sie nicht nur wohlwollende Blicke. Aber das war ihr damals schon egal. Wir sind manchmal zusammen mit Freunden um die Häuser gezogen. Schließlich wurde sie schwanger und wir sahen uns immer seltener.

Noelle und Silvia

Ich treffe Silvia und ihre mittlerweile vierjährige Tochter in Lana, ihrem Heimatdorf. Was wird mich wohl erwarten? Eine gestresste, unruhige Frau, die mit ihrem Balg nicht zurechtkommt? Auf der Terrasse des Cafés werde ich vom Gegenteil überrascht. Silvia empfängt mich mit einem breiten Lächeln, das mir noch von damals gut in Erinnerung geblieben ist. Das junge, dunkelhaarige Mädchen auf dem Stuhl neben ihr macht es ihr nach und beweist direkt, zu wem sie gehört. Ich setze mich zu den beiden. Wie es ihrer Tochter denn gehe? Es geht ihr gut, meint Silvia und Noelle bestätigt das mit einem verschmitzten Lächeln.

„Die Leute haben schon oft blöd geschaut. Eine 17-Jährige, die mit einem Kinderwagen durch die Gegend tuckert, sieht man schließlich nicht alle Tage.”

„Es war eine stressige Zeit damals”, beginnt Silvia gleich. „Meine Mutter hatte schon eine Ahnung gehabt, bevor ich es ihr überhaupt erzählen konnte. Mütter haben einen sechsten Sinn für so etwas”, erzählt sie. Anfangs seien alle von der Nachricht erst einmal geschockt gewesen. Eine Schwangerschaft in diesem Alter bedeutete für Silvia damals, dass nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Liebsten auf den Kopf gestellt würde. „Meine Eltern haben mir aber von Anfang an gesagt, dass sie mich unterstützen werden. Nicht zuletzt deshalb habe ich mich auch dafür entschieden, Noelle zu bekommen”, meint sie heute. Matteo, der Vater des Kindes, reagierte genauso. Er hatte der jungen Mutter damals sofort seine Unterstützung zugesagt. Egal, wie sie sich entschieden hätte.

„Die Leute haben sich das Maul zerrissen.“

Die junge, „wilde” Silvia.

Bild: Silvia Abetini
„Die Leute haben schon oft blöd geschaut. Eine 17-Jährige, die mit einem Kinderwagen durch die Gegend tuckert, sieht man schließlich nicht alle Tage. Und eine 17-Jährige, die noch dazu von einem Italiener, der ursprünglich aus Chile stammt, geschwängert wurde, passt so gar nicht in die Vorstellung mancher Südtiroler”, scherzt sie. 
Matteo wurde in Chile geboren und adoptiert, als er drei Jahre alt war. Seine italienischen Adoptiveltern hatten sich viel anhören müssen. Dasselbe galt für Matteo selbst und schließlich auch für Silvia. „Die Leute zerrissen sich hinter unserem Rücken das Maul über uns. Menschen können schrecklich sein. Es wurde nicht nur über Matteo gelästert. Meine Rastas und mein lockerer Lebensstil trugen auch dazu bei, dass blöd geredet wurde. Es wurde uns aber relativ schnell egal, was die Leute über uns dachten. Uns kommt es nur auf unsere Kleine an”, erzählt Silvia. Noelle turnt derweil auf der Terrasse des Cafés herum. Silvia hält immer wieder besorgt Ausschau nach ihr.

Getrennt, aber glücklich

Silvia und Matteo haben sich vor Jahren getrennt. Sie seien aber beide glücklich mit der Situation. Am Anfang war es schwierig, erklärt Silvia, nicht zuletzt wegen ihrer oftmals verschiedenen Ansichten. „Wir haben uns nach der Trennung sehr oft gestritten. Es galt, Kompromisse einzugehen und uns zugleich gegenseitig auch einen gewissen Freiraum zuzugestehen. Mit der Zeit haben wir dazugelernt. Ich schreibe mir jetzt immer Pläne, wie alles ablaufen soll. Das funktioniert ganz gut”, lächelt Silvia. 
„Wenn wir beispielsweise neue Partner haben, dann stellen wir sie uns gegenseitig auch vor. Sie werden schließlich früher oder später einmal mit Noelle zu tun haben”, erklärt sie. Die Feiertage würden sie getrennt verbringen. Noelles Geburtstag feierten aber alle zusammen, das sei den jungen Eltern sehr wichtig.

„Ich will es nie mehr anders haben.”

Was sie denn wohl gemacht hätte, wenn sie nicht schwanger geworden wäre, möchte ich wissen. „Natürlich habe ich mir die Frage öfters gestellt. Es hätte mich schon gereizt, länger ins Ausland zu gehen. Nicht um zu studieren, das wollte ich eigentlich nie, nur um die Welt zu sehen”, erzählt die junge Mutter. „Das kann ich aber schließlich immer noch machen, später, wenn Noelle auf eigenen Beinen steht.“ 
Sie könne sich eigentlich nicht beklagen, meint Silvia. Schließlich habe sie von allen Seiten Unterstützung erfahren, von ihrer Familie und auch vom Land. Das einzige, womit sie sich schwer tut, ist einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden. Unternehmen kalkulierten die Tatsache, dass sie Mutter ist, bei einer möglichen Anstellung immer auch mit ein. Mit der Schwangerschaft brach Silvia damals die Schule ab. Jetzt ist sie gerade dabei, die Abendschule fertig zu machen, besucht Sprach- und Wirtschaftskurse. Denn bei ihrer Arbeitssuche will sie flexibel sein, sich nicht einschränken müssen: „Mir gehört schließlich die Welt“, sagt sie und lacht ihr typisches Lächeln.

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Mein „kleiner Skandal“

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Thomas Tribus

Als Studierender schreibt, filmt und fotografiert er für mehrere Redaktionen dies- und jenseits der Alpen. Liebt gutes Essen und gute Musik.
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