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Von Südtirol nach Madeira

Nachhaltiger Neuanfang

Sie haben kaum Kapital und keine Erfahrung in der Landwirtschaft, trotzdem wagen zwei Südtiroler den Neuanfang. In ihrer Bungalowanlage auf Madeira wollen sie sich und ihre Gäste selbst versorgen.

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Bild: Daniel Pföstl

Markus Hell und Daniel Pföstl haben keine Erfahrung in der Landwirtschaft. Trotzdem wagen die Freunde einen großen Schritt. Sie kaufen zwei Hektar Land in Madeira und bauen eine Bungalowanlage mit dem Ziel, sich und ihre Gäste weitestgehend selbst zu versorgen. Ein Herzensprojekt.

Ein Stück Land naturnah bewirtschaften und nachhaltiger leben als zuhause in Südtirol, zwischen Tourismus und Landwirtschaft: Das war schon immer der Traum von Daniel, 31 aus Naturns und Markus, 36 aus Meran. Ihr Wunsch wächst auf ihren Reisen durch die Welt. Doch ohne Startkapital und ein Stück eigenen Boden scheint ihr Traum unmöglich – zumindest in Südtirol. Also reift vor vier Jahren ihr Entschluss, auszuwandern. Die Suche nach einem geeigneten Land beginnt.

Die Blumeninsel

Markus ist Heilpraktiker, Pflanzenheilkundler und Klangschalentherapeut. Daniel hat Sport und Geschichte auf Lehramt studiert, zurzeit organisiert er Sportkurse und macht Sauna-Aufgüsse. Nach langer Suche stoßen die Beiden vor drei Jahren auf Madeira – eine Insel vor der Nordwestküste Afrikas, vier Flugstunden von München entfernt. Die autonome Region gehört zu Portugal und wird auch Blumeninsel genannt. Auf Madeira herrscht das ganze Jahr Frühling und ein besonderes Mikroklima. Waale, die sich über 13.000 Kilometer erstrecken, leiten das Regenwasser vom wasserreichen Norden in den Süden. Ideal für die beiden wärmeliebenden Südtiroler und gute Voraussetzungen, um eine Landwirtschaft aufzubauen.

Madeira besteht aus begrünten Klippen, die an Rosamunde Pilcher Filme erinnern, aus einem 15.000 Hektar großen Lorbeerwald, der zum UNESCO Welterbe gehört, aus Steppe und Regenwald und aus bis zu 2.000 Meter hohen Bergen und Steinstränden. Auf dieser grünen Insel kaufen die Südtiroler vor zwei Jahren ein zwei Hektar großes, biologisch bewirtschaftetes Grundstück in einem kleinen Tal mit alten Terrassen, Eukalyptuswald und eigener Wasserquelle.

Bild: Daniel Pföstl

Markus wandert sofort aus, um das gemeinsame Projekt „Arambha“ – „Anfang“ voranzubringen. Daniel pendelt derzeit noch zwischen Südtirol und Madeira. Zum einen, um weiter Geld zu verdienen, bis die Bungalowanlage in Madeira startklar ist, zum anderen wegen Freundin Barbara und dem gemeinsamen 17 Monate alten Sohn Alois.

Auswandern, um Südtirol zu verändern

Mit Freunden, Bekannten und freiwilligen Helfern aus der ganzen Welt bewirtschaften Markus und Daniel das Grundstück und pflanzen 150 Bäume – von Kirschen, Nüssen und Äpfeln bis hin zu tropischen Früchten. Sie organisieren Workshops zum Thema Bauen mit Lehm und Sand und errichten ihre Bungalows im sogenannten „Super Adobe Stil“. Dieser Baustil ist einfach, kostengünstig – und zu hundert Prozent natürlich. In unzähligen Arbeitsstunden entstehen die ersten vier runden Häuser aus Kalk, Erde und Sand. Das Licht dringt von oben in die Räume ein. Der Architekt der Häuser ist der Südtiroler Georg Ladurner. Die ersten beiden Häuser sollen noch in diesem Jahr bezugsbereit sein. Dann kann auch Daniel mit seiner kleinen Familie endlich nachkommen.

Zurzeit legt Markus einen Permakulturgarten mit Gemüse und Kräutern an. Die beiden Südtiroler wollen zeigen, dass es auch nachhaltige, ganzheitliche Formen der Landwirtschaft gibt. „Wir möchten fördern, dass der Mensch mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet“, erklärt Daniel.

Die Beiden haben sich viel vorgenommen: Die Bungalows müssen fertig ausgebaut werden, auch eine alte Steinhütte wollen sie renovieren. Eine Outdoor-Küche ist ebenfalls geplant. Mit ihrem Projekt möchten Markus und Daniel ihre eigene kleine Welt verändern, aber auch Inspiration für andere sein. Sie wollen sich ein nachhaltiges Leben in Madeira aufbauen und anderen damit zeigen, dass jeder nachhaltig leben kann.
 

„Wir wollen niemanden belehren, aber wir hoffen, dass uns der ein oder andere Südtiroler besucht und sieht, dass man Landwirtschaft auch anders betreiben kann.“

„Für viele Südtiroler gibt es nur die eine Art der Landwirtschaft, dabei gibt es so viel mehr“, sagt Daniel und fügt hinzu: „Wir wollen niemanden belehren, aber wir hoffen, dass der ein oder andere Südtiroler uns besucht und sieht, dass man Landwirtschaft auch anders betreiben kann.“ Daniel und Markus träumen davon, auf Madeira mit anderen Südtirolern zusammenzuarbeiten, die selbst Ideen mit nach Hause nehmen und dort umsetzen. Irgendwann, so ist sich Daniel sicher, könnte sich auch in Südtirol in puncto Landwirtschaft etwas verändern.

Bild: Daniel Pföstl

Gegen den „Übertourismus"

In Madeira sind die moderne Landwirtschaft und der „Overtourism", also der gesteigerte Massentourismus, noch nicht weit fortgeschritten. Hier treffen Daniel und Markus auf Menschen aus der ganzen Welt, die alternativen Lebensweisen gegenüber offen sind und diese unterstützen.
In einer Zeit, in der viele Menschen den Kontakt zur Natur verlieren, möchten auch immer mehr von ihnen zurück zur Natur. Diese Möglichkeit wollen ihnen Daniel und Markus mit ihrer Oase im Grünen bieten. Irgendwann sollen ihre Gäste in den selbst errichteten Bungalows wohnen, sich an Obst und Gemüse im Garten bedienen und beim Bewirtschaften der Anlagen mithelfen können. Wohnen, Essen und Lernen inmitten der Natur also – im gemeinsamen Austausch mit Gleichgesinnten.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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