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Lanas Tanzschuppen

Der Exclusiv Club in Lana genießt bei manchen Partygängern nicht den besten Ruf. Was ist wirklich am Gerücht dran? BARFUSS hat's getestet.

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Bild: www.sunshine.it

Eines vorweg: Ich bin nicht die große Disco-Gängerin. Lieber hänge ich mit meinen Freunden gemütlich in einer Bar rum und bin im Sommer auf Festivals unterwegs. Ab und zu verschlägt es mich dann aber doch in ein solches Lokal. Wie heute. Es ist Samstag und ich werde mich seit langem wieder in die Disco Exclusiv in Lana wagen. Ich werde das Lokal auf seine Feiertauglichkeit hin testen und möchte auch einigen Gerüchten auf den Grund gehen, die es rund um den Schuppen gibt.

Gefühlte 16

Heute hat die Vill Bar in Lana geschlossen, dort treffen sich anscheinend viele Feierwütige vorab. Deshalb glühen meine Freunde und ich zu Hause in Ulten vor. Schließlich bringt uns der Nightliner ja vom Tal nach Lana. Ist man in Meran, kann man sich auch bequem vom Exclusiv-Shuttle abholen lassen. Um dreiviertel Elf steigen wir in den Bus. Eine gute Dreiviertelstunde Fahrt müssen wir einplanen, zum Glück gibt es Quizduell, um die Fahrtzeit zu überbrücken. 
Der Bus hält an der Haltestelle gegenüber vom Club. Es gibt zwei Eingänge des Exclusiv, man steht vor der Wahl: Disco ab 16 Jahren und Lounge ab 21. Wir entscheiden uns für ersteres. Ich bin gespannt, ob die Türsteher das Alter der jungen Mädchen vor uns kontrollieren, schließlich soll es in dieser Hinsicht früher eher lasch zugegangen sein. Tatsächlich wird jeder Ausweis unter die Lupe genommen, auch meiner. Plötzlich fühle ich mich wieder wie 16, danke Türsteher. Die Mädchen bekommen alle ein rotes Band ums Handgelenk, bei uns wird scheinbar wahllos ausgewählt, wer eines bekommt und wer nicht, schließlich sind wir alle über 18 – drei von uns bekommen ein Band, die anderen nicht. Ich frage also nach dem Sinn. „Ihr könnt es im Club wieder abmachen”, so einer der zwei Türsteher. Er müsse sie verteilen. Aha.
Drinnen angekommen, hallt uns laute Musik entgegen. Einige Jugendliche tanzen bereits, ansonsten ist noch nicht viel los. Erst mal Jacke abgeben und etwas trinken. An der Garderobe zahlt man einen Euro, ein fairer Preis, um seine Jacke nicht die ganze Nacht herumschleppen zu müssen.

Partymucke und Schlagerhits

Der Kellner im Raucherraum beim betitelten Eisacktaler-Pusterer budl ist nett und bringt gleich die bestellten Getränke – auch meinen Vodka Bull. Red Bull bekommt man mittlerweile in Dosen, das werte ich schon mal als Pluspunkt. Ich bin auf den Geschmack gespannt, denn die Getränke waren in der Anfangszeit eher wässrig. Jetzt kann ich nicht klagen, auch der Preis ist fair. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass analkoholische Getränke gleich viel kosten wie alkoholische. Doch ein bisschen ungerecht für alle Fahrer oder Leute, die keinen Alkohol mögen. Mit meinem Getränk in der Hand beobachte ich einige leichtbekleidete Mädels in Miniröcken. Zwei DJ`s heizen mit aktuellen Hits von Timberland, Macklemore und wie sie alle heißen, der Menge ein. „Ich bin hier, um zu tanzen, die Musik ist super. Hier kann man abgehen”, so eine 26-Jährige. Auch ein weiterer Gast sagt mir, er sei ganz klar wegen der Musik hier. Ich kann sie verstehen, der Sound ist wirklich gut und die Musik für eine Disco absolut hörenswert – auch für solche, die Discomusik privat nicht hören. Langsam steigt die Stimmung (und der Alkoholpegel) und neben dem Überetscher-Unterlandl budl tanzen unter einer riesigen Discokugel immer mehr Leute. 
Da das Durchschnittsalter in der Disco zurzeit bei gefühlten 18 Jahren liegt, beschließe ich, einen Abstecher in die Lounge zu machen. „Exclusiv ist super. Hier hat man Platz, Apres ist mir immer zu überfüllt”, erzählt mir meine Freundin Romana auf dem Weg in die Lounge. Man könnte sie als Stammgast des Lokals bezeichnen. Sie erzählt mir, wie nett die Angestellten seien und dass man hier immer Spaß haben könne. Der Chef höchstpersönlich frage sogar regelmäßig seine Gäste, ob alles passt. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und macht den Club sympathisch, wie ich finde.
Leider kommt man nicht mehr wie früher durch eine Tür in der Disco in die Lounge, sondern muss raus in die Kälte und den Haupteingang nehmen. Die Lounge ist für Schlagerfans und die etwas ältere Generation genau das richtige. Neben dem Ultner budl gibt es hier die Abu-Dabi-Lounge, in welcher eine Vorreservierung nötig ist, einen Stock tiefer findet man die Palmenlounge und den Vinschger budl. Ein großer Pluspunkt sind hier die Ganzkörperspiegel in den Toiletten. Super Sache für uns Mädels. Ein Ultner gesteht mir hier in der Lounge seine Meinung zum Exclusiv: ˶Es ist nicht das Wahre, aber wenn man mit den Kollegen etwas unternehmen will, geht man hierhin. Die anderen Bars haben um diese Zeit meist schon zu." 

Vorurteile

Freunde haben mir berichtet, dass hier des Öfteren Vertreter der braunen Szene als Gäste anwesend seien. Dies bestätigt sich leider heute. Wieder zurück im Raucherraum, kommt eine solche Gruppe. Die jungen Männer trinken etwas, sind aber nicht sehr auffällig (sonst laufe es nicht immer friedlich ab, wie mir erzählt wird). Als einer sein T-Shirt auszieht und stolz seine tätowierten Nazi-Parolen präsentiert, eilt ein Security herbei. Das Shirt muss wieder angezogen werden, Nazi darf sitzenbleiben und hinterlässt dem Exclusiv einen faden Beigeschmack.
Gegen ein Uhr füllt sich die Disco immer mehr, auch mit älteren Feierlustigen. Ich komme mit einem 34-jährigen Lananer ins Gespräch, der den Club gut findet, weil er einfach zu Fuß nach Hause gehen könne. Der Gast neben ihm verrät mir, dass er ˶den Schuppen gar nicht mag”, aber hier sei, weil es sonst nichts gibt. Ich muss ihm im zweiten Punkt recht geben. Entweder geht man nach dem Abhängen in einer Bar nach Hause oder hierher. Viele andere Möglichkeiten hat man nicht. 
Trotz einiger negativen Äußerungen über den Club, scheinen sich dennoch alle zu amüsieren. Ich habe das Gefühl, Exclusiv hat bei einigen Discogängern keinen besonders guten Ruf mehr, deswegen trauen sich viele nicht zu sagen: Ja, mir gefällt es hier. Ich finde, mit den richtigen Leuten kann man hier Spaß haben ohne Ende und zwar ohne lästiges Gedränge am Tresen. Das wäre eigentlich ein guter Schlusssatz, aber etwas muss ich noch loswerden. Der Nightliner, der um Viertel nach drei angeschrieben war, ist zu früh abgefahren und wir mussten stundenlang Autostopp im Regen warten – aber dafür kann Exclusiv ja nichts.

Meine Bewertung (von 1 bis 5 Sterne):

Leute: ***
Drinks: ****
Erreichbarkeit: *****
Musik: *****
Flirt- und Funfaktor: ****

 

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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