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Tuningtreffen in Passeier

Gib Gummi!

Unsere BARFUSS-Redakteurin mischte sich unter die Tuner des Landes und machte sich mit dem Duft von verbranntem Gummi vertraut.

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Bild: Julia Tapfer

Heiße Rhythmen schallen aus den Boxen, die Sonne steht hoch am Himmel und selbst der Asphalt schreit nach Abkühlung. Zwei Mädels in Bikini-Oberteil und knappem Höschen räkeln sich auf einem blauen Audi, mit Schwamm und Schlauch bewaffnet stellen sie sich den Blicken hunderter Männer – und auch Frauen, mich inklusive. Ihr Blick ist bestimmt, ihre Mission klar: Dieses Auto muss richtig sauber werden. 

So idyllisch sich St. Martin in Passeier auch in touristischen Werbemagazinen gibt, jedes Jahr im August wird es hier einmal richtig laut. Grund dafür ist das Tuningtreffen des Passeirer Tuningclubs mit dem klingenden Namen Streetburner. Bereits die achte Ausgabe des mittlerweile größten Tuningtreffens Südtirol ging am vergangenen Samstag über die Bühne. Zugegeben, anfangs ist mir etwas unwohl, mit einem handelsüblichen Opel in St. Martin in Passeier vorzufahren – zum Glück kann dieser aber außerhalb des Geländes und somit auch außerhalb des Blickfelds der coolen Tuner geparkt werden.

Sinnfragen unerwünscht

Auf dem Festgelände gibt’s dann einiges zu bestaunen: Verchromte Felgen, monströse Hi-Fi-Anlagen, verdunkelte Scheiben, imposante Flügeltüren oder einfach höllisch laute Auspuffrohre. Den Tunern reicht es natürlich nicht, ihren ganzen Stolz bloß den Zuschauern vorzuführen. Es braucht Messungen, denn je breiter, tiefer, lauter, desto besser! In Reih und Glied fahren sie geordnet zu den einzelnen Messstationen. Was denn so toll daran sei, einen lauten Auspuff zu haben, frage ich einen jungen Tuner. „Es isch holt cool!“, sagt er und lacht. Ähnlich beantwortet wird etwas später meine Frage nach dem Sinn des Burn Outs, als ein Wagen auf dem Showplatz seine Reifen so lange zum Rauchen bringt, bis einer platzt. In diesem nach verbranntem Gummi duftenden Moment scheint es nicht angebracht, Sinnfragen zu stellen, denke ich mir und ziehe weiter.

Nicht immer ganz legal

Das Tunen ist für die meisten hier ein Hobby, in das sie nicht nur ihre Freizeit, sondern auch ihr ganzes Erspartes investieren. Wie viel insgesamt für das eigene Auto ausgegeben wurde, kann und will niemand so genau sagen. „Viel. Das auf jeden Fall“, sagt ein junger Passeirer. „Dann gibt’s auch die Sorte, die anstatt zu putzen einfach neu lackiert“, scherzt er. Dass sich die Tuner mit ihren frisierten Autos auch teilweise über die Legalitätsgrenze wagen, ist kein Geheimnis. Ein Golffahrer gesteht mir, dass ihm vor allem die Leistung seines Wagens wichtig sei. Seine Umbauten seien aber nicht sofort zu erkennen, was bei Polizeikontrollen vorteilhaft sei. Andere Tuner sehen diese Kontrollen nicht so eng, sie möchten ein Auto haben, das ins Auge springt. 

Ein besonders auffälliger Toyota mit Flügeltüren zieht viele Schaulustige an. Der gesamte Kofferraum ist mit einer Soundanlage und vier kleinen Bildschirmen ausgestattet. Zum X-Box-Spielen, wie mir der Besitzer schmunzelnd erklärt. Auf die Frage, warum er denn eigentlich so ein Auto habe, erhalte ich endlich eine klare Ansage: „Wegen den Frauen.“ Die Rechnung scheint aufzugehen, denn blickt man auf die Rückbänke der vorfahrenden Autos – sofern es die verdunkelten Fensterscheiben zulassen – lächeln aus fast jeder Karre mehrere Mädels. 

Wahrheitsgehalt des Mythos?

Besonders auffallend sind die vielen VW Golf, die sich den Zuschauern präsentieren. Nicht von ungefähr scheint die Redensart zu kommen „Je höher der Hof, desto tiefer der Golf“, mit der auf die Tuningliebe von Bergbewohnern angespielt wird. Leider konnte dieser Mythos trotz der hohen Dichte an VW nicht verifiziert werden. Zu unterschiedlich waren die Wohnortangaben der Golffahrer. Für eine umfassende und repräsentative Studie blieb nicht die Zeit, vielleicht kann dieser Redensart aber im kommenden Jahr nachgegangen werden. Ein Fünkchen Wahrheit steckt ja bekanntlich in jedem Mythos. Um die Wartezeit bis dahin zu überbrücken, gibt’s dieses Video der Streetburner, inklusive Sexy Car Wash und Burn Out.

Julia Tapfer

mag Geschichte und Geschichten. Liebt gutes Essen und hasst es, für schlechten Kaffee auch noch Trinkgeld geben zu müssen.
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