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Neues Leben an Thailands Grenze

Flucht aus Burma

Alexander Indra begleitet als Volunteer die Projekte der Südtiroler NGO Helfen ohne Grenzen fotografisch. Im Gastbeitrag zeigt er seine Eindrücke aus Burma.

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Bild: Alexander Indra

Mae Sot. Eine Kleinstadt im Nordwesten Thailands, an kultureller Vielfalt kaum zu übertreffen. Die Stadt liegt an der Grenze zu Burma. Schätzungen zufolge leben an die 100.000 illegale MigrantInnen aus Burma in der Zone, größtenteils der Karen-Minderheit angehörig. Viele fliehen aufgrund von Konflikten zwischen verschiedenen Volksgruppen und der burmesischen Armee, andere aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage. Da es für Kinder aus Myanmar schwierig ist auf eine normale thailändische Schule zu gehen, gibt es in der Region Mae Sot rund 70 Migranten-Schulen. Unterstützt werden diese von vielen westlichen NGO’s und dem tatkräftigen Einsatz von thailändischen und burmesischen HilfsarbeiterInnen.

Seit einigen Wochen bin ich hier in Mae Sot und begleite die Projekte der Südtiroler NGO „Helfen ohne Grenzen(hier der Gründer der Hilfsorganisation im BARFUSS-Interview) fotografisch. Als „Volunteer“ ermöglicht man mir einen guten Einblick in die verschiedensten Bereiche und Aktivitäten der Organisation. Viele Familien leben ohne Papiere an der Thailändisch-Burmesischen Grenze. Einige arbeiten auf Märkten, in Restaurants oder bewirtschaften ein kleines Stück Land, das sie mit dem Nötigsten zum Leben versorgt. Trotz der einfachen und oft prekären Bedingungen sehe ich viele lachende Gesichter. Vor allem die Kinder sind froh, dass sie eine Schule besuchen können. Es gibt Thai- und Englisch-Kurse, lustigerweise grüßen mich viele Kinder mit „Hi Teacher“. 

Durch eine Schulbildung und Sprachkurse wird vielen das Tor zu einem Arbeitsplatz und einer friedlichen und sicheren Zukunft wenigstens ein bisschen geöffnet. Ein großer Wunsch von vielen ist es, gut Englisch zu lernen, um später vielleicht in internationalen Organisationen zu arbeiten. Andere wollen einen guten Job finden, um ihre Familie in Burma zu unterstützen.

Wenn ich meine Bilder nachher am Computer betrachte, fühle ich oft in die Situation zurück. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein asiatisches Kind, dazu noch ein Flüchtlingskind aus Burma, mit solchen atemberaubenden, tiefblauen Augen treffen?

Bild: Alexander Indra

Mein Besuch in diesem Schmelztiegel der Kulturen neigt sich dem Ende zu. Von traurigen Geschichten bis hin zu herzerwärmenden Momenten habe ich viel erlebt.
Mae Sot – Ich komme wieder. Bestimmt.
 

Der Gastbeitrag von Alexander Indra ist auf dem Blog Into the world der Familie Losso erschienen.

Alexander Indra, 26 Jahre alt und geboren in Meran, absolvierte sein Design Studium an der Universität Bozen. Alexander war 2013 bei den Aufständen in Istanbul mit dabei und hat das Ganze fotografisch festgehalten und anhand einiger Ausstellungen präsentiert. Ein Fotografieprojekt war auch Teil seiner Bachelorarbeit über Flüchtlinge im Jahre 2014. Momentan ist Alexander auf einem mehrmonatigen Südost-Asien-Trip und macht unter anderem Freiwilligen Arbeit bei einer Hilfsorganisation. Er interessiert sich besonders für soziale und politische Themen, die er am liebsten anhand von Bildern verarbeitet. Vor Kurzem hat Alexander gemeinsam mit einem Freund das „Way-Collective” gegründet. Eine Plattform für visuellen Journalismus, die Methoden des Grafik Designs, Illustration, Fotografie und Video als „Storytelling” benützt. Die Website wird in Kürze unter www.way-collective.com online gestellt.

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Tolle Arbeit, Alex. Danke!

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