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Die schlimmsten Dates

Eure Dating-Albträume

Der Weg zur großen Liebe ist oft mit schlechten Dates gepflastert. Diese Beispiele unserer Leser zeigen, dass es immer noch schlimmer kommen kann.

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Lizenz: CC0
Bild: Photo by freestocks.org on Unsplash

Die Flucht nach vorn

Martin, 27. Angefangen hat es damit, dass sie kommentarlos 20 Minuten zu spät zum Date kam. Ihre erste Frage war, ob ich denn schon Geld dabeihätte, weil sie hätte nichts dabei. Anschließend erfolgte ein nicht enden wollender Monolog über ihr schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater (ich dachte mir: wen wundert’s...). Das Date lief also richtig schlimm. Irgendwann entwickelte ich einen inneren Reflex, der so richtig darauf aus war zu probieren, wie weit ich über die Stränge schlagen konnte. Und ich ertappte mich dabei, wie ich mir eine parallele Biographie erfand. So erzählte ich ihr schließlich sogar, dass ich erst vor Kurzem auf den Geschmack von Testosteron gekommen sei und nun das Gefühl hätte, mich stärker zu Männern als zu Frauen hingezogen zu fühlen. Komisch war, dass sie sich auch durch dieses „Geständnis“ nicht abwimmeln lassen wollte. Sie wollte einfach nicht verstehen, dass das Date nicht gerade ideal verläuft.

SUB vs. SUP

Karoline, 23. Zum ersten Date kam es gar nie – zum Glück! In der Beschreibung in seinem Tinder-Profil stand, er stehe auf SUB und suche Mädels, die auch darauf stehen. Wir hatten ein Match und schrieben miteinander. Irgendwann fragte er mich, ob ich wirklich auf SUB stehe. Ich antwortete, dass ich erst im Sommer damit angefangen habe, es aber ziemlich gerne mache. Er war überrascht – er meinte, ich würde von meinen Fotos her gar nicht so aussehen und fragte mich, was mir daran so gefällt. Erst dann bin ich drauf gekommen, dass ich von Stand-up Paddling spreche – und er auf Submissive Women beim Sex steht. Dann habe ich ihn blockiert.

„Just a normal party“

Susi, 33. Ich habe John beim Ausgehen kennengelernt und wir haben eine durchaus passable Nacht zusammen verbracht. Ein weiteres Treffen war eigentlich nicht geplant, doch wir schrieben eine Zeitlang SMS hin und her und verabredeten uns schließlich doch zu einem „ersten Date“, weil er einfach nicht lockerließ. Den Treffpunkt, ein Grilllokal, schlug er vor. Ich fand die Location zwar etwas merkwürdig, war aber trotzdem zum vereinbarten Zeitpunkt im völlig leeren Lokal. Ich bestellte mein Bier an der Bar, ärgerte mich 20 Minuten über seine Unpünktlichkeit und schrieb ihm dann, dass ich hier sei, er aber offensichtlich was Besseres vorhätte, und ich deshalb jetzt wieder heimgehen würde. Prompt seine Antwort: Er sei ja auch hier. Im ersten Stock, ich solle einfach raufkommen.
Im ersten Stock angekommen, erwartete mich eine große afrikanische Partygesellschaft, die an einer langen, gedeckten Tafel saß und offensichtlich etwas Großes zu feiern hatte. Ich fragte John, was denn hier los sei, was seine Verwandten und Freunde denn hier feierten und er meinte nur: „Just a normal party with some friends.“ Die „normale Party“ stellte sich nach kurze Zeit als die Verlobungsfeier seines besten Freundes raus, bei der John auch noch der für die Fotos Zuständige war. Ihm schien nicht klar zu sein, dass das nicht gerade die passende Gelegenheit für ein erstes Date war – ich (die allen in diesem Raum fremde und für eine solche Feier unpassend gekleidete Frau) schämte mich vor dem zukünftigen Hochzeitspaar in Grund und Boden und ergriff die nächste Gelegenheit, ihnen viel Glück für die Zukunft zu wünschen und mich möglichst unbemerkt aus dem Staub zu machen.

Lizenz: CC by (bearbeitet)
Bild: Flickr, Marco Verch

Ein Familienausflug zum Oktoberfest

Sebastian, 36. Als ich 18 war, wussten nur meine Mutter und meine Schwester, dass ich schwul bin. Meinem Bruder und meinem Vater hatte ich es noch nicht gesagt. Ich hab schon eine Weile mit einem Jungen aus München geschrieben und wir haben ausgemacht, dass wir uns beim Oktoberfest treffen wollen. Ich sag also meiner Familie, dass ich am Wochenende zwei Tage wegfahre und aufs Oktoberfest gehe – und meiner Familie fällt nichts Besseres ein, als zu sagen: gute Idee, da kommen wir doch gerne alle mit! Ich bin dann tatsächlich mit meiner ganzen Familie nach München gefahren und er hat beim ersten Date gleich alle kennengelernt. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt, aber immerhin hat alles noch ein gutes Ende genommen: Er wurde mein erster Freund und wir waren drei Jahre zusammen.

Der Fetischist

Sarah, 31. Es war ein Blind Date, das eine Freundin organisiert hatte. Sie ist Scheidungsanwältin, der Auserwählte war einer ihrer Mandanten. Sie kennt meine Vorlieben: Ich suche einen intelligenten, beruflich erfolgreichen Mann. Die Chemie passte und irgendwann landeten wir bei ihm in der Wohnung. Es kam zum ersten Kuss – alles lief super. Bis er plötzlich das Interesse am Küssen verlor und sich stattdessen in Richtung meiner Füße bewegte. Er fing wie verrückt an, meine Füße zu küssen und sie in den Mund zu nehmen – der Mann hatte einen absoluten Fußfetisch! Ich verlor mein ganzes Interesse und flüchtete.

Erinnerung: Sei selbstbewusst!

Lisa, 28. Ich hatte ihn am Abend in einer Bar kennengelernt. Er war nicht außergewöhnlich hübsch, aber gut gebaut und selbstbewusst. Er fragte mich nach meiner Nummer und wartete drei Tage ab, bevor er ein Date vorschlug. Wir trafen uns in einer Bar und unterhielten uns ganz gut, doch dann klingelte sein Handy. Er schaut aufs Display, drückte darauf und legte das Handy weg. Zehn Minuten später wiederholte sich das Ganze. Und dann wieder. Und wieder. Irgendwann war es mir zu blöd und ich fragte ihn, was los sei. Zuerst wollte er nicht antworten. Dann meinte er ganz stolz: Wenn du es wirklich wissen willst … Er erzählte mir, dass das Erinnerungen am Handy seien mit Fragen wie „Worauf bin ich heute besonders stolz?“ oder „Wo konnte ich meine Stärken gut einsetzen“. Damit stärkte er sein Selbstbewusstsein am Ende jedes Tages noch einmal. Und dass er davon genug hatte, bewies er wenig später. Wir saßen in seinem Auto, mir war inzwischen klar, dass das mit uns nichts wird. Ihm scheinbar nicht. An der nächsten roten Ampel drehte er sich zu mir und steuerte meine Lippen an. Ich drehte mich weg und war froh, als das Date beendet war. Mein selbstbewusstes Date schien allerdings immer noch an uns zu glauben. Drei Tage später meldete er sich wieder und bot mir ein zweites Date an. Ich lehnte dankend ab.

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Bild: Photo by James Barker on Unsplash

Der Zungenakrobat

Thomas, 30. Ich gebe zu, ein nicht so klassischer Ort für eine erste Verabredung: Es war ein Clubbing, ich hatte aber ehrlichwerweise auch nicht viel am Hut mit romantischen Candlelight-Dinners. Mich hat dann aber doch erschrocken, wie „zügig“ meine Bekanntschaft vorging. An der Tanzfläche war relativ bald klar, dass der erste Kuss kurz bevorsteht. Dann ging alles ganz schnell. Er drückte mich gegen die Wand (noch war ich nicht abgeneigt) und schob mir seine Zunge regelrecht in den Rachen, um sie dann wie das Rotorblatt eines Hubschraubers in kreisenden Bewegungen an meiner Mundhöhle entlang zu rotieren. Ich war so perplex von dieser „Art“ zu küssen (inklusive der mitgebrachten Selbstverständlichkeit), dass ich ihn vorerst gewähren ließ. Meine Versuche, seiner Zungenakrobatik Einhalt zu gebieten, schlugen alle fehl. Also stieß ich mich abrupt von ihm los, schob vor, aufs WC zu müssen und kam nie wieder zurück. Bei Dornröschen war’s wohl sinnlicher.

Tinder, Tinder, Tinder…

Kristin, 29. Schon beim Reinkommen in die Bar ist klar: Diesen Mann werde ich wohl nicht heiraten. Weißes tailliertes Hemd mit irgendeinem Markenlogo drauf, das ich nicht kenne, gestriegelte Frisur, Manager-Handschlag. Ihm wird Ähnliches durch den Kopf gehen, als er mich mit meinen bunten Haaren, Piercings und verschiedenfarbigen Schuhen sieht. Das Gespräch, eine Qual: Er redet von seinem Auto, dem letzten Urlaub in keine Ahnung wo und der Firma seines Vaters. Dann erzähle ich von meinem Job im Sozialbereich, von freiwilligem Engagement und der Bar, die ich so gemütlich finde.
Uns ist beiden klar, dass wir alles andere als zusammenpassen und sagen uns das auch. Hier hätte das Date enden können. Aber es kommt anders: Wenn wir schon in einer Bar sitzen, können wir ja auch noch ganz ungezwungen ein Bier trinken. Der ganze „Date-Druck“ ist plötzlich raus, wir wollen dem anderen nicht gefallen, wir haben einfach Spaß und machen uns sogar hin und wieder über unsere unterschiedlichen Lebensstile lustig. So ziehen wir noch einige Stunden durch die Stadt.
Auch wenn das Date nicht erfolgreich war und ich keinen Traummann kennengelernt habe, so wurde doch zumindest noch ein recht lustiger Abend draus.

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