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Ein Klick genügt

Viele glauben, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, doch auch wegen virtueller Vergehen können die Handschellen klicken – dann aber in der Realität.

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Bild: Flickr, Mike Schreifels
Elf Südtiroler sind im vergangenen Jahr wegen eines Vergehens auf Facebook angezeigt worden. Das sind zu viele, ist sich Ivo Plotegher von der Post- und Kommunikationspolizei sicher und setzt auf Aufklärung. Im Gespräch mit BARFUSS erklärt der Oberinspektor, wovon man besser seinen Mauszeiger lassen sollte.
 
Das Cybermobbing
 
Vor fast einem Jahr hat sich die kanadische Schülerin Amanda Todd mit 15 Jahren das Leben genommen. Grund dafür: Sie wurde bis aufs Härteste im Internet gemobbt. Dieser Fall hat die Welt erschüttert und zu unzähligen Diskussionen über Cybermobbing geführt. Wie so oft sind die meisten bald wieder verebbt. Doch das Thema ist wichtig, auch in Südtirol, weiß Ivo Plotegher. Da es sich um ein relativ junges Phänomen handle, könne man dessen Verbreitung nicht genau beziffern. Studien hätten aber gezeigt, dass 14- bis 15-Jährige vor allem übers Handy mobben und gemobbt werden. Bei den 16- bis 17-Jährigen finden Mobbingangriffe vor allem im Internet statt.
 
Was viele nicht wissen: Online-Mobbing hat rechtliche Folgen. Gelangt ein Mobbingfall bis zur Polizei, kann der Täter meist identifiziert werden. „Man ist im Internet nicht anonym, mittels IP-Adresse machen wir die Straftäter ausfindig“, so Plotegher. Die Strafen fürs Online-Mobbing sind dabei nicht ohne: Bei Verleumdung droht ein Freiheitsentzug von sechs Monaten bis zu drei Jahren, bei Bedrohung oder Stalking sogar bis zu vier Jahren. Zur Verantwortung wird derjenige gezogen, der das Material, das die Privatsphäre einer Person verletzt, ins Netz gestellt hat – aber auch jene, die es weiterverbreitet haben. 
 
Was tun im Ernstfall?
 
Opfern von Cybermobbing rät die Postpolizei, auf Beleidigungen nicht zu reagieren. Etwaige Posts, SMS und E-Mails sollten mit Datum und Uhrzeit versehen und abgespeichert werden, um sie der Polizei vorzeigen zu können, wenn die Beleidigungen andauern. Besonders wichtig sei es auch, dass die Opfer mit jemandem über die Vorfälle sprechen und nicht aus Scham darüber schweigen. Eltern und Lehrpersonen sind dabei zentrale Personen und müssten sensibilisiert werden. „Am wichtigsten ist aber die Präventionsarbeit mit den Jugendlichen“, so der Leiter der Postpolizei Bozen. „Insgesamt 77 Mal sind wir im vergangenen Jahr in Schulen gewesen, auch in kleinen Schulen in den Tälern, damit die Jugendlichen den Umgang mit dem Internet lernen und nicht straftätig werden.“
 
Sexting ist kein Spaß
 
Ein Phänomen, das auch immer häufiger unter den Jugendlichen in Südtirol auftritt, ist das Sexting. Dabei werden Amateurfotos und –videos mit eindeutig sexuellem Inhalt ausgetauscht. Die Jugendlichen fotografieren etwa ihren Intimbereich und geben diese Fotos meist per MMS weiter. Damit machen sie sich strafbar, denn Jugendpornografie und auch der Besitz von solchem Material ist strengstens verboten. Für Jugendliche ab 14 Jahren gibt es Haftstrafen von sechs bis 12 Jahren und Geldstrafen bis zu 258.228 Euro. 
 
„Ich lade dir dafür dein Handy auf“
 
Um die eigenen Kinder vor Pädophilen im Netz zu schützen, sind klärende Gespräche nötig. Man könne nie oft genug darauf hinweisen, bloß Freundschaftsanfragen von Bekannten zu beantworten. Die Realität zeige, dass dies leider immer noch nicht getan werde. Pädophile locken Kinder und Jugendliche auch im Internet oft mit Geschenken, laden zum Beispiel das Handy-Guthaben auf, wenn sie dafür Fotos bekommen. Solche Fallen decken Ivo Plotegher und sein Kollege Francesco Campisi in den Schulen auf, eine wichtige Präventionsmaßnahme. Aber dem Elternhaus kommt hier die bedeutendste Rolle der Aufklärung zu, unterstreicht der Leiter der Postpolizei. Insgesamt müssten die Menschen sensibler mit dem Internet umgehen: „Wenn die Leute im Internet genauso vorsichtig wären wie im realen Leben, würde es viel weniger Probleme geben.“
 
Wann mache ich mich strafbar? Ein Überblick
 
Bilder hochladen: Veröffentliche ich ein Foto ohne die Einwilligung der abgebildeten Personen, beschneide ich deren Recht auf Privatsphäre (Gesetzesbeschluss 196/2003) und mir droht eine Freiheitsstrafe von sechs bis 24 Monaten.
Beleidigung im Netz: Diese ist ebenso strafbar wie eine Beleidigung auf offener Straße. Die Anonymität im Internet ist nur eine scheinbare und schützt nicht vor Strafverfolgung. Dabei macht es keinen Unterschied, ob eine Meldung, in einer geschlossenen Gruppe oder auf einer offenen Profilseite gepostet wurde.
Profil mit anderen Daten: Erstelle ich ein Profil mit den Daten einer anderen Person, mache ich mich wegen Personenaustauschs strafbar (Haftstrafe bis zu einem Jahr). Fantasiedaten sind jedoch erlaubt und manchmal sogar sinnvoll, um nicht zu viel seiner eigenen Identität im Internet preiszugeben. 
Gruppen mit hetzerischem Inhalt: Als Mitglied einer virtuellen Gruppe, die zur Gewalt aufruft, verbotene politische Bewegungen verfolgt und ähnliches, mache ich mich selbstverständlich strafbar.

Julia Tapfer

mag Geschichte und Geschichten. Liebt gutes Essen und hasst es, für schlechten Kaffee auch noch Trinkgeld geben zu müssen.
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