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Ein Hauch von Freiheit

Als Nadja im Flugzeug über die riesige Stadt São Paulo blickte, bekam sie Magenkrämpfe. Angekommen wusste sie dann: Das ist es!

Nadja Lamonaca ging, um anderen zu helfen und kam reicher denn je zurück. Nun lebt sie spontaner und erinnert sich immer wieder gerne an die Streifzüge durch die Zuckerrohrfelder oder an den größten Mond, den sie je gesehen hatte. 

Warum hast du dich für diese Reise und dieses Land entschieden?

Vor sechs Jahren habe ich die Augen geschlossen, den Globus zum Drehen gebracht und mit dem Finger auf Brasilien gezielt. Seit dem Tag wusste ich, dass ich dieses Land besuchen wollte.

Wie lange bist du dort geblieben?

Ich war vier Monate in Brasilien. Unter anderem in den Regionen Mato Grosso do Sul, Paraná, São Paulo, Goiás, Tocantins und Maranhão und fast drei Wochen in Costa Rica an der karibischen Küste.

Was hast du dir für deine Reise vorgenommen?

Mein Hauptziel lag darin, meine Aufgabe als Solidaritätsbesucherin pflichtbewusst zu erfüllen. Ich habe mit Hilfe der OEW und Young Caritas in Brasilien in einer Tagesstätte für 250 Kinder im Alter von 0-17 Jahren als Freiwillige gearbeitet. Wichtig war mir natürlich auch, dass ich es schaffen würde, mich voll und ganz auf das Land Brasilien einzulassen. Ich wollte meinen Horizont erweitern, offen für Neues sein und die Sprache gut erlernen.

Welches Gefühl hattest du ...

... beim Kofferpacken:
Herzklopfen, Aufregung und große Vorfreude.

... auf dem Flughafen:
Keine Emotionen. Ich war weder glücklich, noch traurig. Ich hatte keine Angst und trotzdem fühlte ich keine Freude. Ich wusste nur was ich zu tun hatte: Mein Gate suchen, einsteigen, starten.

... angekommen in der Ferne:
Ich bin gegen 23.00 Uhr in São Paulo gelandet. Als ich diese gigantische Stadt vom Flugzeug aus gesehen habe, hatte ich kurz Magenkrämpfe. Diese Stadt erschien mir extrem groß und es war das erste Mal, dass ich alleine so weit weg von Zuhause war.
 Als ich am Flughafen ankam und zum ersten Mal brasilianische Luft einatmete, wusste ich plötzlich, dass ich genau da war, wo ich sein wollte. Ich hatte es trotz großer Hürden geschafft, einen meiner großen Träume zu verwirklichen und hatte Lust auf Abenteuer. Ich war für die restliche Zeit in Brasilien sehr glücklich.

Die ersten Eindrücke:
Die ersten Wochen waren ziemlich anstrengend. Brasilianer sprechen meistens in einem sehr lauten Ton. Sie lieben auch den Körperkontakt. Das war anfangs etwas mühsam, da wir Europäer das nicht so gewohnt sind. Dazu kommt eine fremde Sprache, eine neue Kultur und ein anderes Klima. Ich habe mich jedoch vom ersten Tag an in Brasilien verliebt. Die Natur ist atemberaubend, die Menschen sind fröhlich, offen und suchen den Kontakt. Je weniger sie besitzen, desto mehr geben sie dir. Es kommt kaum vor, dass man eine Minute für sich alleine hat und man kann vieles von ihnen lernen.

Musstest du erst lernen:
Portugiesisch. Dadurch, dass ich an Orten war, wo es keine Touristen gibt, war das Erlernen der Sprache kein großes Problem. Schwieriger war der Umgang mit verschiedenen Situationen. Europäer haben eben nicht dieselbe Mentalität wie Brasilianer. Andere Länder, andere Sitten. Genau diese Herausforderung gefiel mir an meiner Reise besonders gut.

Heimweh hattest du als:
Nach vielen Abenteuern quer durch Brasilien bin ich gegen Ostern 2012 in der Tagesstätte „Lar São João Bosco“ in Taquaritinga angekommen, wo ich die nächsten Monate verbringen sollte, um mit Kinder aus armen Verhältnissen zu arbeiten. Die hohen Wände des Projektortes haben mich sehr eingeengt und „meine“ Kinder hatten gerade Ferien. Ich fühlte mich ziemlich alleine. Ich bin immer schon eine „ewige Pendlerin“, immer auf dem Weg nach irgendwohin. „Heimweh“ war für mich ein neues Gefühl, das ich zuvor noch nie verspürt hatte. Ich hatte drei Tage lang ein Tief und wollte nach Hause. Tagebuch schreiben hat mir geholfen, meine Gedanken zu ordnen und nicht aufzugeben. Am ersten Arbeitstag, als ich die Kinder zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich sehr schnell: Hier will ich bleiben.

Schönstes Erlebnis:
Schwer zu sagen. Die Zeit in Brasilien war für mich ein Abschnitt in meinem Leben mit ständiger Euphorie, Herzklopfen und Freudentränen. Ich verspürte in diesen vier Monaten einen Hauch von Freiheit, obwohl ich teilweise 9,5 Stunden am Tag mit den 250 Kindern der Tagesstätte gearbeitet habe. Es gibt aber ein Erlebnis, an das ich immer noch oft denke: Eines der Kinder am Projektort, Luíz, ist mir besonders ans Herz gewachsen. Es nannte mich „Mãe“ (dt. Mutter). Ich habe mit ihm einen langen Spaziergang unternommen, um mich von ihm zu verabschieden, bevor ich nach Costa Rica abreisen musste. Es war wunderschön mit dem kleinen Luíz durch Zuckerrohrfelder zu laufen. Ansonsten verbrachte ich einige der schönsten Momente zusammen mit brasilianischen Freunden mitten in der Natur, mit Musik und Sonnenuntergang. Einmal gab es auch den größten Mond des Jahres. Ich habe noch nie zuvor einen solchen großen Mond gesehen. War ein tolles Erlebnis.

Schlimmes Erlebnis:
Ein Bekannter wurde wegen Drogenhandel in den Favelas festgenommen. Ich stand daneben und konnte nichts unternehmen. Ich habe noch seinen Blick vor Augen, als er mich zum letzten Mal ansah, bevor er abgeführt wurde. Er wird jetzt noch drei weitere Jahre im Gefängnis sitzen.

Das siehst du jetzt mit anderen Augen:
Vieles. Ich habe vieles mit nach Hause genommen. Ich lebe spontaner. Ich lebe den Moment viel intensiver, wenngleich ich dabei auch auch an meine Zukunft denke. Ich habe einen gesunden Mittelweg gefunden, und bin glücklicher und zufriedener als vor meiner Reise nach Brasilien und Costa Rica. Ich habe mich selber neu kennengelernt, bin selbstbewusster und glaube an mich in jeder Hinsicht. Natürlich weiß ich mein kuscheliges Bett und warmes fließendes Wasser in der Dusche mehr zu schätzen, doch ich habe auch verstanden, dass die kleinen Dinge im Leben unser Glücklich-Sein ausmachen.

Was war schwerer, wegfahren oder zurückkehren?

In jeder Hinsicht eindeutig zurückkehren. Ich vermisse dieses Land und bin noch heute jeden Tag im Kontakt mit all den lieben Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.
 Stefanie Kofler, eine Freundin aus dem Passeiertal, und ich haben ein Projekt gegründet. Wir haben am 17. August 2013 ein Benefiz-Open Air namens „Sound of Maranhão“ für Kinder in Brasilien organisiert. Acht super, einheimische Bands standen auf der Bühne. Es verlief wunderbar und wir hatten alle zusammen einen tollen Abend. Es war schön, Menschen lachen und tanzen zu sehen. Mit dem eingenommenen Geld werden wir im Februar 2014 in Brasilien 20 Gitarren kaufen und einen Gitarrenlehrer ein Jahr lang dafür bezahlen, dass er Kindern aus armen Verhältnissen Gitarrenunterricht gibt. Es geht darum, Kindern im Nordosten Brasiliens durch Musik einen schöneren Alltag zu bieten und sie mindestens ein Mal in der Woche von der Straße wegzubringen. Ich freue mich, schon bald wieder in dieses wunderbare Land zurückzukehren.

Maria Laura Ebensberger

wollte schon als kleines Mädchen Journalistin werden. Oder Schauspielerin. Wenn ersteres nicht klappt, seht ihr sie demnächst im Kino, an der Seite von Johnny Depp.
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