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Sandboarden in Chile

Durch die Wüste brettern

Wie fühlt es sich an, mit einem Snowboard durch den Wüstensand zu gleiten? BARFUSS hat sich im chilenischen „Tal des Todes“ am Sandboarden versucht.

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Bild: Oliver Kainz

Der Name ist furchteinflößend. Valle de la Muerte. Auf Deutsch: Tal des Todes. Wo das liegt? Im hohen Norden Chiles. Was mich dorthin treibt? Die Gelegenheit, Sandboarding auszuprobieren, also mit einem Snowboard durch den Sand der Atacamawüste zu gleiten. Gemeinsam mit drei Kumpels leihe ich mir in der Touristenhochburg San Pedro für umgerechnet vier Euro ein Brett aus. Anschließend geht es mit einem Jeep durch den wild zerklüfteten Canyon. Die Fahrt ist abenteuerlich. Immer wieder umschiffen wir Schlaglöcher und kleinere Felsbrocken. Neben der Strecke ziehen sich tiefe Schluchten durch die Landschaft. Erster Gang, Allradantrieb – so holpern wir dahin. Die Sorge, im Sand stecken zu bleiben, reist mit uns.

Dann thront sie plötzlich vor uns: eine Sanddüne, wie wir sie nur als Windows-Desktophintergrund kennen. Unzählige Sandkörner haben sich zu einer unberührten Schönheit aufgetürmt. Lediglich der Wind hat feine Linien in den Sand gezeichnet. Wir springen aus unserem Pick-up, schnappen uns die Bretter und stapfen die etwa 70 Meter hohe Düne hoch. Der Aufstieg ist anstrengend. Die Sonne brennt ohne Erbarmen auf uns nieder und unsere Schuhe füllen sich immer wieder mit Sand. Atacama zählt zu den trockensten Wüsten der Welt. Um nicht selbst auszutrocknen, sind hier drei Dinge unerlässlich: Sonnencreme mit UV-Schutz 50, Lippenbalsam und jede Menge Wasser. Ich kann nicht einschätzen, wie lange der Aufstieg dauert. Vielleicht sind es zehn Minuten, vielleicht ist es eine knappe halbe Stunde. In der Wüste verliert man nicht nur schnell die Orientierung, sondern auch jegliches Zeitgefühl.

Als wir die Spitze der Düne erreichen, werden wir mit einem traumhaften Farbenspiel der Natur belohnt. Die Felswände leuchten in allen möglichen Rot- und Brauntönen. Im Hintergrund strahlt der wolkenlose, tiefblaue Himmel. Voller Vorfreude fixieren wir die Bindung und starten los.

Die ersten Versuche sind etwas zaghaft. Anders als im Schnee nimmt das Brett auf dem Sand nur langsam Geschwindigkeit auf. Sobald man bei den steilen Passagen aber ein höheres Tempo erreicht, macht Sandboarden richtig Spaß. Der Sand peitscht gegen die Beine und der Fahrtwind erweist sich als wohltuende Erfrischung. Wenn das Brett durch die Düne gleitet, ist außer dem Fauchen der Sandkörner nichts zu hören. Ein irres Gefühl!

Wer als Snowboarder schon Schneepisten runtergefahren ist, hat den Dreh schnell raus. Eingeleitet wird der Schwung durch die unterschiedliche Belastung der Füße sowie durch eine Drehung des Oberkörpers. Die Arme helfen, das Gleichgewicht zu halten. Auch für Anfänger ist es kein Problem, Sandboarding auszuprobieren. Notfalls lässt man sich einfach auf sein Hinterteil fallen. Der Wüstensand federt den Sturz relativ gut ab. Einziger Wermutstropfen: bereits nach dem ersten Hinfallen dringen die feinen Sandpartikel in jede Körperöffnung vor. Und: für wenige Sekunden Fahrtspaß muss man einen kräftezehrenden Aufstieg in Kauf nehmen. Nach fünf Stunden Sandboarden sind meine Oberschenkel butterweich. Auch unsere Wasservorräte sind aufgebraucht. Noch vor Sonnenuntergang laden wir unsere Bretter auf den Jeep und kehren in das Wüstendorf San Pedro zurück. 

Fazit: Egal ob Profi-Rider oder blutiger Anfänger – Sandboarden macht jede Menge Spaß und lohnt sich im Valle de la Muerte allein schon wegen der atemberaubenden Landschaft.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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