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Euregio Kulturzentrum Toblach

Dialekt im Park

Am 25. Juni fand im Kulturzentrum Grand Hotel in Toblach die erste Ausgabe der „Dialekt-Edition“ von Musik im Park statt. Mit auf der Bühne: Tumulti, Jimi Henndreck und Jesse.

Die Zeit, in der Dialekt-Lieder automatisch aus dem Repertoire der Volksmusik stammen mussten, ist längst vorbei. Ob Rock, Hip Hop, Reggae oder Blues, es spielt keine Rolle. Die junge Musikszene in Südtirol hat die Mundart für sich entdeckt und das Ergebnis sind Songs, die einerseits modern und frisch, andererseits authentisch und echt klingen, sozusagen „von Herzen“. Vor allem bringen sie aber eine ganze Reihe neuer Ausdrucksmöglichkeiten mit sich. Dialekt bereichert die Musik.

Um das zu zelebrieren, hat das Kulturzentrum Grand Hotel in Toblach heuer zum ersten Mal eine Dialekt-Edition der Veranstaltung „Musik im Park“ ausgerichtet. Das Format „Musik im Park“ geht auf den Höhepunkt der Corona-Pandemie im Mai 2020 Zurück. Schon zwei Monate stand alles still, als die Betreiber des Kulturzentrums Grand Hotel in Toblach wehmütig auf das große, blühende Areal blickten, das den prächtigen Hotelbau, wo einst Prominente und Betuchte ihre Sommerfrische verbrachten, umgibt und dachten: Hier muss was getan werden! „Die Leute hatten ungemein Lust zu feiern“, erinnert sich die Veranstalterin  Marion Mair.  „Wir wollten diesen riesigen Platz, der uns zur Verfügung stand, bestmöglich nutzen.“

„Wenn’s mog, floicht’s anfoch dovun, das Vegele.“

Im Gegensatz zu den zwei ersten Ausgaben von „Musik im Park“, die kein spezifisches Thema hatten, widmet sich die dritte Ausgabe nun dem Dialekt. Aber es ist nicht nur Mundart: „Durch den Einsatz typischer Instrumente der Region wie Ziehorgel, Akkordeon und Teufelsgeige wird ein eigener Flair geschaffen“, hält Mair fest. Schon im Februar hat das Kulturzentrum Grand Hotel ein „Liedermacher-Festival“ organisiert, wo lokale Künstler aufgefordert waren, auf Dialekt zu performen. Ein Konzept, das von Anfang an auf großen Anklang gestoßen ist.

Jimi Henndreck

Bild: Ulrike Rehmann

Die Kulisse rund ums Grand Hotel Toblach könnte zu dieser Art von Vorhaben eigentlich gar nicht besser passen. Die riesige Parkwiese ist umrahmt von der unwirklich wirkenden, im Abendlicht rot leuchtenden „Skyline“ der Dolomitengipfel. Eine alpine Südtirol-Atmosphäre wie nach Drehbuch, fast schon kitschig, wenn die dialektalen Ausdrücke, die während dieser Edition von Musik im Park am 25. Juni perfekt zur Umgebung passen, nicht von rockigen Klängen und frischen Bässen getragen würden.

Zwei Bühnen sind für die Auftritte der drei Bands, die an diesem Abend spielen sollen,  errichtet worden. Die Indie-Band Tumulti aus dem Dreiländereck Süd-, Nord- und Osttitol startet den musikalischen Abend mit Songs, die die große weite Welt und ihren Zauber aus ländlicher Sicht besingen. Am besten kommt dieses Gefühl der Freiheit und Weite im Lied „Vegele“ zum Ausdruck: „Wenn’s mog, floicht’s anfoch dovun, das Vegele.“ Der Pustertaler Dialekt steht für Heimatverbundenheit, der leichte Akkordeon- und Gitarrensound für die Sehnsucht nach der weiten Welt.

Deutlich mehr Volksmusik im Blut trägt die Band Jimi Henndreck. Doch das, was sie daraus macht, ist neu und amüsant. Wie der komödiantische Name schon erahnen lässt, steht der Spaß im Vordergrund. Die Band, die sich selbst im „alternativen Rock“ verortet, nennt ihren Musikstil eine „progressiv-psychedelische Stubnmusig“. Es ist eine Bezeichnung, die die Kombination aus Steirischer Harmonika, Gitarre, Bass und humorvollen Dialekt-Texten, die auch vor politischen Themen wie dem Klimawandel nicht zurückschrecken, perfekt beschreibt. Die weite Welt findet sich zwar ebenfalls in den Titeln wieder, beispielsweise „Nairobi”, “Djakarta” oder “Mongolei“, doch bei Jimi Henndreck klingen diese Namen eher wie das exotische Dekorstück für die alpinen Vibes dieser eigensinnigen Volksmusik-Variation. Der größte Erfolg der Band in letzter Zeit war der vierte Platz beim „Liet-International“, einem Contest für europäische Sprachminderheiten.

Jesse: die etwas andere Band

Bild: Ulrike Rehmann/Kulturzentrum Toblach

Zum Abschluss liefert die Band Jesse eine „futuristische Mischung aus Weltraumblues und Dialekt-Pop“, wie ihr Musikstil neulich beschrieben wurde. Ziachorgel, Gitarre, Tuba, Schlagzeug und skurrile Texte sorgen für einen Mix, der bei den Zuschauern  für Staunen sorgt und der Band 2020 den Hubert von Goisern-Kulturpreis sicherte. Dass auch Jesse ein gutes Gespür für Humor hat, beweist die Band mit einer dezent höhnischen Bemerkung zum Durchschnittsalter der Gäste: „Mir kommt die riesige Wiese ein bisschen wie Woodstock vor – einige von Ihnen waren vermutlich auch dort.“

Wenn an diesem Abend weniger getanzt wurde und viele Zuschauer die Musik lieber im Sitzen genossen, lag das also sicher weder am Sound und noch am Ambiente, die für eine ausgelassene Stimmung sorgten. Aber auch nicht unbedingt am Alter. Die Mischung aus Dialekt und zeitgenössischen Musikrichtungen, das ist eben doch etwas Neues, etwas, was den musikalischen Wahrnehmungssinn ganz für sich beansprucht. Ein dazu passender Tanzstil, der genauso innovativ und zugleich traditionsbewusst ist, wird sich irgendwann womöglich auch noch finden.

Text: Thomas Vonmetz & Teseo La Marca

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