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Der andere Christ

Vojin Sekerovic ist orthodoxer Christ. Der Glaube ist für ihn die Verbindung zu seiner Heimat, die er abrupt verlassen musste.

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Bild: Vojin Sekerovic

Vojin Sekerovic lebt in Meran, ist Bademeister und Christ. Der gebürtige Serbe ist allerdings kein Anhänger der römisch-katholischen Kirche, die mit 97 Prozent die größte Konfession in Südtirol ausmacht. Er gehört der orthodoxen Kirche an und ist Mitglied einer kleinen, aber traditionsreichen Gemeinschaft im Meraner Stadtteil Obermais. Er bezeichnet sich selbst als gläubig, auch wenn er kein fleißiger Kirchgänger ist. Auf das kommt es für ihn aber nicht an. Seine Verbindung „mit dem Mann da oben“ trägt er in seinem Herzen und muss sie nicht erst in der Kirche suchen. Seit er mit seiner Familie während des Jugoslawienkrieges nach Italien geflüchtet ist, ist die Orthodoxie für ihn eine Möglichkeit, die Sitten und Bräuche seiner Kultur und Familie aufrechtzuerhalten.

Bild: ManfredK

Feiertage mal zwei

Südtirol kann sehr aufgeschlossen sein, wenn es will. Vojin hat nie Ablehnung aufgrund seines Glaubens erfahren. Für ihn hat es noch nie eine Rolle gespielt, welcher Religion sein Gegenüber angehört. Durch diese Einstellung, so glaubt er, ist man ihm bis heute auch so begegnet. Nur an Feiertagen spürt er, dass er „anders“ ist als die meisten Südtiroler. Seine Feiertage sind anders angeordnet als im katholischen Glauben. Silvester darf er praktisch zweimal feiern: Einmal mit seinen Freunden am 31. Dezember und einmal am 14. Januar. Und auch Weihnachten feiert Vojin verspätet. Das hat durchaus Vorteile: „Zu Heiligabend gibt es trotzdem Geschenke“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Was ist also anders?

Die orthodoxe ist nach der katholischen Kirche und der evangelischen Lehre die drittgrößte christliche Glaubensrichtung. Theologische Unterschiede zur katholischen Kirche besitzt die Orthodoxie nur kleine, denn die Kirchenväter beider Konfessionen sind dieselben. Was unterscheidet Vojin also von den 97 Prozent der Katholiken in Südtirol? Wenn der gebürtige Serbe beispielsweise die Kirche betritt, geht er nicht zuerst zum Weihwasserbecken, um einen Finger einzutunken. Er zündet eine Kerze an. Sie symbolisiert die Anwesenheit des Gläubigen in der Kirche. Und: Es ist Brauch, beim Besuch der Kirche eine oder mehrere Ikonen zu küssen. Ikonen, also Heiligenbilder, sind im orthodoxen Glauben allgegenwärtig.

Bild: Wikipedia

Die hauseigene Ikone

Sveti Nikola (Heiliger Nikolaus) nennt sich der Schutzheilige der Familie Sekerovic. Jede orthodoxe Familie besitzt so einen Heiligen, der als Ikone an der Wand über die Familie wacht. Einmal im Jahr feiert Vojins Familie ihm zu Ehren ein Fest. Slava nennt sich diese Feier, bei der komplett auf tierische Produkte verzichtet wird. Vojin wird den Schutzheiligen seiner Familie eines Tages weitertragen. Es ist Brauch, dass er über Generationen vom Vater zum Sohn weitervererbt wird. Die Tochter erhält den Schutzheiligen nur vom Vater, wenn sie unverheiratet bleibt, ansonsten übernimmt sie den Heiligen ihres Bräutigams bei ihrer Hochzeit.

Liberal statt konservativ

Vojin hält es mit dem Glauben wie viele andere in seinem Alter. Der Kirchengang am Sonntag ist auch in seiner Konfession wichtig, aber Vojin geht hin, wenn es für ihn infrage kommt. Sein Glauben gibt ihm Kraft und Halt. Eine konservative Einstellung würde ihm aber nur unnötig Kraft rauben. Er ist deshalb dankbar, dass ihn seine Eltern so liberal erzogen haben. An bestimmten Anlässen wie der Slava, die wichtig für die Familie sind, nimmt auch Vojin aktiv teil. Insgesamt, so sagt er, will er sich aber weniger auf den Glauben und mehr auf das Leben im Hier und Jetzt konzentrieren.

 

Thomas Tribus

Als Studierender schreibt, filmt und fotografiert er für mehrere Redaktionen dies- und jenseits der Alpen. Liebt gutes Essen und gute Musik.
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