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Alles muss raus

Dunkle Zeiten für das Paradies? Droht der Ausverkauf der Heimat? Ein Blick in die Zukunft Südtirols, den auch Durnwalder und Co. gewagt haben.

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Bild: Irina Ladurner
Skandal in der Obstgenossenschaft Lanafruit: Durnwalder, Stocker, Januth und Co. haben am Freitagabend beim Verkauf Südtirols zugesehen. Am Ende gab man per Akklamation die Zustimmung zum unmoralischen Spektakel. Sorgen bereitete der Politikergarde höchstens der Regen.
 
Zukunftsreise
 
In „Der Kaiser aus Indien“ werfen Autor Ulrich Ladurner und Regisseur Thomas Hochkofler einen Blick in die Südtiroler Zukunft. Die brachte auch Wettergott Petrus in Rage, als ob er geahnt hätte, dass er im Himmel über Südtirol bald göttliche Gesellschaft aus Indien bekommt. Es blitzte und donnerte, die Premiere der Freilichtspiele Lana wurde um eine Stunde verschoben. Beim zweiten Anlauf tröpfelte es nur mehr. Auch die Ehrengäste in ihren Regenmänteln gaben sich nicht die Blöße und nahmen Platz. Das Drama nahm seinen Lauf.
 
Spielen könnte das Stück überall: Die Bühne liegt eingebettet zwischen Apfelwiesen und Bergen, satten Wiesen und urigen Almen. Südtirol eben. In Ladurners Stückvorlage „Südtiroler Zeitreisen“ bestimmt das Martell von 2025 das Setting, bei den Freilichtspielen vielleicht das Lana der Zukunft – was macht das schon. Die Realität ist jedenfalls bitter: Hohe Arbeitslosigkeit und ein einziges Unternehmen im Ort, viele Weggezogene und kein Geld. Es krankt im einstigen Paradies. Die passenden Antikörper tragen die Südtiroler glücklicherweise in ihren Erbanlagen: unermüdlicher Kampfgeist. Und solange Andreas Hofer von den häuslichen Schreinen der Südtiroler lacht, gibt es Hoffnung. 
 
Südtirol goes Bollywood
 
Die winkt in Gestalt eines reichen Bollywood-Produzenten. „Wir haben, was er will und er hat, was wir wollen“, kalkulieren die Dorfbewohner kühl. Berge, Seen, Almen und ein strahlend blauer Himmel – Kitschkulisse gegen Geld. Damit auch der Gast aus Indien mitspielt, krempelt das Dorf die Ärmel hoch und inszeniert heile Welt. Ritterspiele, Apfelkuchen-Weltrekord und Schuahplattler: Man verbiegt sich da und dort, vermarktet sich für den guten Zweck und dem Inder gefällt’s. Beim Blick über die Apfelwiesen muss er dann grinsen. Bäume mit so kleinen Stämmen, die gibt es in Indien nicht. „Das sind moderne Bäume“, erklärt Franz Prettlhuber und damit ist gut. Modern lässt sich bestens verkaufen und verkaufen konnte sich Südtirol schon immer gut. 
 
Los von Rom
 
„Ich will das alles“, sagt der Inder und das meint er so. Geld, Jobs und Perspektiven gegen den Ausverkauf der Heimat, gegen den Verrat an Andreas Hofer, der zur Marke werden soll. Es ist wie der Pakt mit dem Teufel, der nach dem Unverkäuflichen greift. Doch in schlechten Zeiten hat auch die Heimatliebe ihren Preis. Die Antikörper haben den Kampf gegen das kranke System verloren. 
Der Ausverkauf der Heimat ist besiegelt. Die Tiroler Landeshymne bekommt einen modernen Rock-Anstrich und dann muss der Freiheitskämpfer von einst auch noch Bart lassen. „Der schaut aus wie ein Taliban“, sagt der Inder und ein Taliban im beschwingten Bollywood-Movie, das kommt nicht gut. Also reißt man Hofer den Bart ab. 
 
Lieber Indien als Rom, rechtfertigen die Südtiroler ihren Ausverkauf der Heimat. Da dürften sogar Klotz, Mair und Co. nur die Köpfe schütteln. 

Irina Ladurner

lebt in Wien. Ausgezogen, um die Welt kennen zu lernen. In Wien die (Südtiroler) Heimat gefunden. Mag den Südtiroler Exotenbonus, das Wiener Dorf und die Rückkehr in die eine oder andere Heimat.
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