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Alles dreht sich

Martin Klotz ist Drechslermeister und betreibt Kunst am Holz. Der junge Tschermser gibt BARFUSS Einblicke in ein Handwerk mit langer Tradition.

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Bild: Petra Schwienbacher

Schalen, Holzdekoration, Handläufe und Treppensprossen sieht man hier. Große Maschinen stehen vor den Wänden. Es riecht nach Holz. Vor einer der vielen Drehbänke steht der 33-Jährige Martin Klotz. Er ist damit beschäftigt, eine Birne für einen Kunden zu drehen. Seine Handgriffe sind routiniert. „Man muss regelmäßig an der Maschine stehen, um so schnell zu arbeiten“, sagt Martin und bearbeitet an der ratternden Maschine das Holzstück. Während sich immer mehr Späne und Sägemehl auf dem hellen Holzboden der Drechslerei verteilen, nimmt es mehr und mehr die Form einer Birne an.

Kunst am Holz

Seit Jahren arbeitet der Drechslermeister bereits im Betrieb seines Vaters mit. „Das Größte, was ich bisher gemacht habe, ist ein Holzapfel mit 70 Zentimetern Durchmesser“, sagt der Tschermser. Zum Drechslerberuf gehören auch sehr filigrane Arbeiten. Da die Holzstücke oft sehr dünn werden, können sie beim Drehen leicht zerbrechen, so Martin, der dank seiner jahrelangen Erfahrung bei den vielfältigen Aufträgen immer wieder Fingerspitzengefühl beweist. „Bei mir zerbricht nichts mehr“, sagt Martin. Wichtig seien natürlich auch gutes Werkzeug und eine gekonnte Werkzeugführung. Das alles trägt dazu bei, dass auch Kunden aus Wien, Belgien oder Malta die Handarbeit des Vater-Sohn-Unternehmens schätzen. „Wir bekommen auch spezielle Aufträge von Designern, Künstlern und Architekten“, erzählt Martin, während er durch die übersichtliche Drechslerei führt. „Manche Designer möchten oftmals besonders außergewöhnliche Formen, die nicht immer genau so umsetzbar sind“, erklärt Martin, den bereits als Kind die Arbeit mit Holz faszinierte. „Ich sah meinem Vater gerne beim Werken zu und stand ihm dabei auch oft im Weg“, lacht er. Mittlerweile schaut ihm sein eigener Sohn immer öfter über die Finger. Im Laufe der Jahre hat sich die Drechslerei einen Namen gemacht. Durch Weiterempfehlungen wurden sie bei Holzhändlern, Tischlereien, Stiegenbauern aber auch in der Metallindustrie und bei Zimmermännern bekannt. 

Geschätzte Handarbeit

Nach der Tischlerlehre in der Berufsschule ging Martin nach der Gesellenprüfung im Jahr 2001 nach Bayern, wo er 2009 den Meisterbrief und den Meisterpreis der Bayrischen Staatsregierung erhielt. Stolz zeigt der Drechsler das kleine Dreirad – sein Meisterstück, im Ausstellungsraum der Werkstatt. „Damit ist meine Tochter lange Zeit gefahren“, sagt Martin und lächelt. Er hatte Erfolg in seiner schulischen Laufbahn. Aber würde er seinen Beruf weiterempfehlen? „Es ist immer noch mein Traumberuf.“ Aber es sei heutzutage schwierig im Drechslerberuf Fuß zu fassen, so Martin. Er konnte im Betrieb seines Vaters einsteigen, andere hätten es deutlich schwerer. Der Tschermser weiß, wie schwierig es sei, Lehrlinge einzustellen. „Es gibt strenge Auflagen und es entstehen hohe Kosten, deswegen muss man sehr viel Arbeit haben, damit es sich rentiert“, gibt er zu. Da der Trend ins Schlichte gehe, billige Ware aus dem Osten importiert werde und es immer mehr Hobbydrechsler gebe, werde die Arbeit für Berufsdrechsler immer schwerer. „Als ich angefangen habe, waren noch sechs Drechslereien hier in der Nähe, heute stehen wir alleine da“, erzählt Martins Vater Josef. Er gründete 1976 den Betrieb und spüre, dass es immer weniger Aufträge gebe.
„Die Arbeit ist aber toll. Sehr vielseitig. Manchmal ist es eine Herausforderung, wie man Ideen umsetzt“, sagt Martin, während er die großen und kleinen Drehmaschinen zeigt. Auch in Zukunft wird er in der Werkstatt in Tscherms Holz für Leute drehen, die die Handarbeit schätzen. Und wer weiß, vielleicht übernimmt irgendwann auch sein Sohn den Familienbetrieb und führt die uralte Tradition weiter.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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