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Tanz Bozen

Afrikanische Rhythmen

Das Festival Tanz Bozen wartet nicht nur mit Klassikern wie Ballett, Modern, Hip Hop und Jazz auf, sondern bietet auch Außergewöhnliches: Afro im Selbstversuch.

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Die Teilnehmerinnen des Afro-Tanzworkshops.

Bild: Tanz Bozen

Halle vier. 12 Frauen, zwei Trommeln und ich – wohl die eine, mit dem schlechtesten Rhythmusgefühl der ganzen Gruppe. Am Ende des hallenden Raumes sitzt ein Perkussionist und schlägt monoton auf zwei Trommeln, schüttelt die Rassel im Takt und läutet zwei kleine flache Schellen. Wir tanzen durch den Raum. Barfuß und stampfend. Schlangenbewegungen mit dem Körper – Brust raus, Rücken krümmen, Rücken zurück und Becken nach vorne. Immer im Takt der afrikanischen Klänge.

Im Rahmen des Tanzfestivals Tanz Bozen werden auch diesen Sommer wieder zwei Wochen lang vom 17. bis 29. Juli täglich Workshops und Performances organisiert. Bozen tanzt dieses Jahr bereits zum 33. Mal und lockt wieder zahlreiche Tänzerinnen aus der ganzen Welt an. Von Hip Hop bis Jazz, Ballett bis Modern, Contemporary bis Flamenco sucht man bei Tanz Bozen nichts vergebens. Auch Afro ist vertreten, ein Tanzstil, der kraftvolle Sprünge und weiche, erdverbundene Bewegungen vermischt.

Tanzen für Ahnen und Götter

Achille Acakpo

Bild: Tanz Bozen
Zum ersten Mal tanze ich Afro, den Tanz, der auf den traditionellen Tänzen aus dem Benin basiert, einem Staat in Westafrika. Der Lehrer ist Achille Acakpo, ebenfalls aus dem Benin. Muskulös, mit kurzen Dreadlocks, die vom Kopf abstehen, und einem Hüftschwung, bei dem selbst die kolumbianische Pop-Ikone Shakira neidisch erblassen würde.

Acakpo lebt und arbeitet seit 1998 als Tänzer, Musiker und Choreograph in Wien. Schon als Kind lernt er die Rhythmen seiner Kultur, der Fon und Yoruba, kennen und beginnt für seine Ahnen und Götter zu spielen und zu tanzen. Heute nimmt der Künstler immer wieder an internationalen Festivals und Veranstaltungen teil und bringt nicht nur in Österreich, sondern europaweit Frauen und Männer den afrikanischen Tanz und die Perkussion näher. Wie den Teilnehmern von Tanz Bozen, inklusive mir.

Sich mit der Erde verbinden

Wir stellen uns im Kreis auf. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt. „Jede Bewegung im Tanz hat eine Geschichte und eine Bedeutung“, erklärt Acakpo. Wir schließen die Augen zum afrikanischen Gebet, das mich ein bisschen an Yoga erinnert: Arme strecken, tief einatmen, Arme fallen lassen, tief ausatmen.

„Wir verbinden uns mit der Erde“, sagt Acakpo nach dem Gebet. Das ist sozusagen die Grundregel bei Afrikanischen Tänzen. Weitere zentrale Aspekte sind die Wirbelsäule als zentrale Linie des Körpers und das Brustbein im wiederkehrenden Kreislauf der Energie. Mehr gibt es nicht. Die Tanzenden sollen einfach eins mit dem Universum werden, sich mit dem Boden verbinden. Acakpo erklärt auf Deutsch mit einigen Wörtern auf Französisch – und mit Hilfe seiner Hände – die wichtigsten Dinge, so dass alle Frauen im Kurs es verstehen. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 20 und Mitte 40. Darunter auch zwei Spanierinnen. Sie sind erfahrene und leidenschaftliche Tänzerinnen, eigens angereist für das Festival Tanz Bozen. Ebenso erfahren ist die Balletttänzerin, die mit ihren eleganten Bewegungen aus der Masse sticht. Alle drei belegen mehrere Workshops während Tanz Bozen. Sie „wollen so viel wie möglich mitnehmen.“

„Tanzt, wir ihr euch fühlt“

Dann sollen wir drauflos tanzen. Natürlich zeigt Acakpo die Bewegungen vor, aber einfach nur nachmachen sollen wir nicht. „Es gibt kein richtig oder falsch. Schaltet den Kopf aus und tanzt, wie ihr euch fühlt“, macht uns Acakpo Mut. Und so tanzen wir von einer Seite der Halle zur anderen, variieren unsere Moves und werden eins mit der Erde. Zumindest versuchen wir es. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es nämlich doch nicht, merke ich und wünsche mir selbst ein bisschen mehr Rhythmusgefühl. Nach eineinhalb Stunden schließen wir die Tanzeinheit wieder mit einem Gebet. Acakpo bedankt sich, alle schwitzen. Einige gehen jetzt noch in andere Workshops. Eine Boznerin resümiert: „Es war wie in eine andere Welt einzutauchen.“

Mehr Informationen zu Tanz Bozen findet ihr hier.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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