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37 Grad und heißer

Johannes zog es in die Fremde und er entschied sich für eine Reise nach Indien. Kein Land für verwöhnte, europäische Sinne.

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Bild: Johannes Klapfer

Johannes Klapfer ist gerade in Indien und arbeitete dort drei Monate bei einem Sozialprojekt mit. Viel hat er schon erlebt, doch sein Abenteuer geht noch weiter. Er ist nun auf dem Weg nach Neu Delhi und wird dann nach Australien weiterziehen. 

Warum hast du dich für diese Reise und dieses Land entschieden?
Nachdem ich im Sommer dieses Jahres die Oberschule abgeschlossen hatte und nicht recht wusste, was nun mit mir geschehen sollte, entschied ich mich für einen Auslandsbesuch in Form eines Sozialprojekts. Es war eine spontane Entscheidung Indien zu wählen, die ich aber nicht bereuen sollte.

Wie lang möchtest du dort bleiben?
Ich wollte das Land nicht nur bereisend erleben, sondern eine Zeit lang an einem Ort bleiben, um Lebensweise und Kultur direkt zu erfahren und auch selbst etwas zu leisten. So kam es, dass ich, mein Cousin und eine Klassenkameradin im Süden Indiens, genauer in Tiruvannamalai, wo wir an einer katholischen Schule unterrichten und versuchen, den Kindern den Gebrauch der englischen Sprache spielend näher zu bringen, landeten. Das Ganze fand im Rahmen eines Projektes, das von der Organisation OEW unterstützt wird, statt. Wir waren die ersten Freiwilligen, die sich entschieden haben für drei Monate hierher zu kommen.

Wie hast du dir deine Reise finanziert?
Die Finanzierung habe ich zum Großteil meinen Eltern zu verdanken. Was ich zu Hause auch brauchen würde, schicken sie mir jetzt monatlich.

Was hast du dir für deine Reise vorgenommen?
Nach den drei Monaten im Süden werden wir an der Westküste in den Norden bis nach Delhi reisen und von dort geht unsere Reise weiter nach Australien, wo wir weitere zwei Monate bleiben werden. Mit dieser Reise wollte ich mal weg von zu Hause, um etwas vollkommen anderes zu erleben, aber auch mehr Zeit für mich selbst zu haben. Ich hoffe, nach diesem halben Jahr nicht nur um einmalige Abenteuer und unzählige Erlebnissen reicher zurückzukommen, sondern auch genauere Pläne für meine Zukunft zu haben.

Welches Gefühl hattest du ...

... beim Kofferpacken:
Endlich mal etwas Neues. Ein frischer Wind, der in den oft eintönigen Alltag eines Oberschülerlebens blasen wird.

... auf dem Flughafen:
Ich war gespannt auf die extremen Kontraste, die sich bei einem Land wie Indien wohl nicht bloß auf die Zeitverschiebung reduzieren würden.

... angekommen in der Ferne:
Die ersten Eindrücke nach einer 15-stündigen Reise, angekommen auf einem schwülen heruntergekommenen Flughafen einer indischen Metropole, waren getrübt durch Müdigkeit, ungewohnte tropische 37 Grad, Staub, Lärm und einer riesigen Menschenmasse. Ein Schock für unsere verwöhnten europäischen Sinne.

Die ersten Eindrücke:
Die Ungleichzeitigkeit des Seins, die extremen Gegensätze und die Vielfalt sind es, die man so stark wie nirgends sonst erfährt. Der Anblick eines Ochsenkarrens auf einem sechsspurigen Highway, oder der eines IT-Spezialisten bei einem Ritual in einem hinduistischen Tempel mag uns zwar irreal erscheinen, gehört hier aber gleichermaßen zur Realität, wie die buntgemischte harmonische Einheit dieser multikulturellen Gesellschaft. Die extremen Gegensätze, Klüfte und Kontraste, die im Gesamten doch eine Einheit bilden, machen Indien zu einem so besonderen und abenteuerlichen Land.

Musstest du erst lernen:
Mit der rechten Hand essen und von der Aussage, die linke Hand sei in Indien die schmutzige, auch in der Praxis Gebrauch zu machen.

Heimweh hatte du als ...
Mit der Zeitlosigkeit dieses Landes lernt man, den Moment zu genießen. Das Gefühl von Heimweh ist mir bis jetzt fern geblieben. Viel mehr als der Heimat nachzutrauern und unter ihrer Abwesenheit zu leiden, freue ich mich wieder zurückzukommen.

Schönstes Erlebnis und schlimmstes Erlebnis bisher:
Ich kann nicht sagen, was das schönste beziehungsweise schlimmste Erlebnis war, aber mit Sicherheit kann ich behaupten, dass die Zahl der schönen weitaus überwiegen. Der ganze Schmutz, der Dreck, das viele Plastik und das sich immer weiter von der Natur entfremdende, das eine Modernisierung so mit sich führt, hat mich aber sehr getroffen.

Das siehst du jetzt mit anderen Augen:
Meine Reise ist noch nicht zu Ende, aber ich kann mir denken, dass ich vieles sonst immer Gewohntes und Selbstverständliches wieder zurück zu Hause mit anderen Augen sehen werde.

Wenn du wieder daheim bist, wirst du ...
Weiß ich noch nicht! :))

Maria Laura Ebensberger

wollte schon als kleines Mädchen Journalistin werden. Oder Schauspielerin. Wenn ersteres nicht klappt, seht ihr sie demnächst im Kino, an der Seite von Johnny Depp.
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