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Junges Label Iolani

„Jedes Stück ist kostbar"

Aus der Idee, etwas Urlaubsfeeling mit nach Hause zu nehmen, entstand ein Label: Tom De Mira und Simone Tschöll fertigen Longboards in Handarbeit.

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Urlaubserinnerung aus Nicaragua.

Bild: Iolani

Einmal waren sie in Wales. Zum Surfen. Auf einer künstlichen Welle in einem See. „Es war interessant, aber das richtige Surf-Feeling kam nicht auf“, sagt Tom De Mira und lacht. Genau dieses Feeling ist dem Riffianer und seiner Freundin Simone Tschöll aus Auer aber so wichtig. Nicht nur weil sie leidenschaftliche Surfer sind und ihre Urlaubsziele meist danach aussuchen, wo gute Wellen sind, sondern auch weil ihre handgemachten Produkte genau von diesem Feeling leben.

Die Kleiderhaken aus Ahorn sehen aus wie Surfbrettfinnen.

Iolani
Das Paar sitzt in der Schwimmbadbar in Schenna. Hier im Eingangsbereich sind ihre Produkte ausgestellt, auf einer alten Kommode drapiert: Kleiderhaken, die aussehen wie Finnen von Surfbrettern, selbst gebaute Longboards, Cruiserboards und Miniboards, Shirts und Taschen mit dem Schriftzug „IOLANI“ – dem hawaiianischen Wort für kostbar. Danach haben sie ihr junges Label benannt, unter dem sie ihre selbstgemachten Produkte in limitierter Auflage verkaufen.

So viel wie möglich selbstgemacht

Produziert wird in der eigenen Garage in Auer. Im zehn Quadratmeter großen Raum arbeiten sie an ihren Kollektionen, wie an den Kleiderhaken aus Mahagoni, Ahorn- und Nussholz. Zuerst zeichnen sie die Finnenform aufs Holz, dann wird geschnitten, zugeschliffen und die Öffnung für die Schrauben eingefräst. Einige beschichten sie mit wetterbeständigem Bootslack. „Ein paar der Finnen haben wir bis nach Bali verkauft“, sagt Tom stolz. Genau dorthin, wo im Surfurlaub vor fünf Jahren die Idee zu den Kleiderhaken entstand.

In der Garage bedrucken sie auch ihre Shirts und Taschen. Alle von Hand im Siebdruck. Zuerst entsteht die Schablone – der größte Aufwand. „Die Vorbereitungen dauern am längsten. Danach kann man nur noch drucken“, erklärt Tom. Selbst das Nähen hat sich der Zahntechnische Produktentwickler selbst beigebracht. In die Iolani-Broschüren hat er eigenhändig Transparentpapier eingenäht. Eine zeitaufwändige Arbeit. Aber alles, was die beiden irgendwie selbst machen können, produzieren sie auch selbst. Dadurch, dass Simone das Studium Grafikdesign abgeschlossen hat und auch Tom zwei Jahre Grafikdesign studiert hat, hatten die beiden schon immer ein Gefühl fürs Schöne. 

Simone und Tom

Bild: Petra Schwienbacher

„Jedes einzelne Stück ist für uns kostbar, daher auch der Name“, erklärt Tom, der so sehr an manchem Produkt hängt, dass er es am liebsten selbst behalten möchte. Vor allem die Longboards. Jedes einzelne ist ein Unikat aus Ahornholz, versehen mit einer Spezialschicht, um das Holz stabiler zu machen und mit verschiedenen Lackierungen. „Tom bringt immer wieder etwas Neues ein, experimentiert mit Farben und Formen“, sagt Simone.

Angefangen die Boards zu entwickeln, hat Tom zusammen mit einem Freund, dem Freerider Wolfgang Geier. „Mit ihm zusammen habe ich die Form entworfen und getestet“, erinnert sich der Riffianer. Nach mehreren Fehlversuchen stand das erste Board, speziell fürs Downhillfahren. „Wir haben lange getüftelt, bis wir zufrieden waren“, sagt er. Heute sind sie fehlerfrei. Aus den ersten misslungenen Versuche wurden mittlerweile Beachschläger.

Die Leidenschaft für Boards kam früh. Schon als kleiner Bub war Tom regelmäßig auf einem „Brett“ unterwegs. „Mit dem ersten Geld, das ich zusammenkratzen konnte, kaufte ich mir ein Skateboard – obwohl meine Mutter dagegen war“, erinnert er sich.

„Natürlich wäre es schön, davon leben zu können, aber wir wollen nicht, dass es ein Zwang wird, zu entwerfen.“

Kennengelernt haben sich Simone und Tom 2010 beim Snowboarden im Sommer. „Ganz Südtirol hat sich zum Freestyle-Snowboarden und -Skifahren in Schnals getroffen“, erinnert sich Tom. „Es war wie eine große Familie.“ Vor fünf Jahren, auf ihrem ersten gemeinsamen Surftrip nach Portugal, entstand dann die Idee zu Iolani. „Wir wollten einfach etwas von diesem Urlaubsgefühl mit nach Hause nehmen“, sagt Simone. Mitbringsel kaufen könne jeder. Doch weil die beiden nicht immer die gleichen Souvenirs wie alle anderen haben wollten, bastelten sie sich selbst kleine Erinnerungen. „In erster Linie nur für uns“, sagen die beiden.

Nach jeder Reise führten sie ihre Urlaubsvideos ihren Freunden vor. Im Jahr ihrer Balireise verschenkten sie dann zum ersten Mal auch handgemachte Dinge an die Zuschauer: Lederhalsbänder mit kleinen Surfbrettern aus Holz daran. Und während ihrer dreimonatigen Reise nach Südostasien kamen den beiden beim Surfen wieder neue Ideen. „Jede Reise ist eben eine Inspiration“, sagt Simone. Sei es in Nicaragua, Portugal, Kuala Lumpur oder auf den Seychellen.

Urlaub auf den Seychellen. Immer mit dabei: eines der Iolani-Boards.

Bild: Iolani

Noch ist das Kreieren ihrer Produkte nur ein Hobby. „Natürlich wäre es schön, davon leben zu können, aber wir wollen nicht, dass es ein Zwang wird, zu entwerfen“, sagt Simone. „Dann würden wir vielleicht irgendwann die Lust daran verlieren.“ Die beiden sind zufrieden, wie es zurzeit läuft. Eine fixe Arbeit, im Urlaub surfen und nach Inspirationen für neue Produkte suchen. Ein Onlineshop ist in Arbeit – damit sie ihre Produkte leichter verkaufen können.

Nur manchmal, sagt Simone, bliebe neben dem Vollzeitjob zu wenig Zeit für Iolani. Aber die Reise für diesen Sommer ist bereits in Planung. Es soll nach Sri Lanka gehen. Natürlich zum Surfen. Und wie immer reist ihr Skizzenblock mit, um Ideen zu notieren und Entwürfe zu machen.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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