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Wickie, unser Held

Er hat uns gezeigt, dass wir alles schaffen können, auch wenn wir anders sind als die anderen. Anker los, Schiff ahoi!

Hey, jetzt kommt der kleine Wickie und rettet die Welt! Der Wikingerjunge reibt sich die Nase, schnippt mit den Fingern und die Sterne fliegen nur so durch die Gegend. „Ich hab‘s!“ ruft er. Gorm springt in die Luft, schlägt seine Fersen gegeneinander und jubiliert: „Ich bin entzückt, ich bin entzückt!“ Sogar die beiden Streithähne Tjure und Snorre sind einen Moment lang still und der dicke Faxe hört auf, an seiner Fleischkeule zu knabbern. Urobe singt ein Lobesliedchen auf seiner Harfe, das niemand hören will, und alle lauschen gespannt den Worten des cleveren Wicky. Er hat nämlich eine grandiose Idee! Na, wo sind wir jetzt wohl gelandet? Bei Wickie und die starken Männer natürlich, eine der ultimativen Kultzeichentrickserien aus unserer Kindheit mit einem unschlagbaren kleinen Helden.

Wickie lebt mit seinem Vater Halvar und seiner Mutter Ilva im Wikingerdorf Flake. Sein Vater ist nicht besonders stolz auf ihn, er ist einfach ganz anders, als es sich für einen Wikinger gehört – klein, schwach und ein Angsthase. Gewalt mag er gar nicht und er fürchtet sich unheimlich vor Wölfen. Aber unser Wickie hats trotzdem drauf! Schnell lernt er, dass man mit Köpfchen viel weiter kommt als mit purer Muskelkraft. So befreit er die dumm-doofe aber liebenswerte Schiffsmannschaft aus Flake mit seinem Vater an der Spitze immer wieder mit den cleversten Ideen aus brenzligen Situationen. Nicht mal der Schreckliche Sven kommt gegen den schlauen Naseweis an! Wickie haut die Dänen und die Isländer übers Ohr und darf, weil er so schlau ist, mit den Wikingern Schiffe erobern und fremde Dörfer stürmen. Manchmal sind seine Ideen herrlich futuristisch für die Wikingerzeit, aber gerade das macht die Serie so sympathisch. In einer Folge erfindet er zum Beispiel mal so aus dem Stehgreif den Heißluftballon, um seine Leute zu retten. Böse Zungen behaupten ja, dass er ein Mädchen ist – aber die sind nur eifersüchtig. Wickie ist in die kleine Ilvy verliebt und hängt gerne mit den Jungs aus dem Dorf rum. 

Und wieder steckt ein Schwede hinter einer der beliebtesten Serien aus unserer Kindheit. Diesmal ist es nicht Astrid Lindgren, sondern der weniger bekannte Journalist und Autor Runer Jonsson. Als Vorlage für die von 1972 bis 1974 produzierte Zeichentrickserie diente sein Kinderbuch „Vicke Viking“ aus dem Jahre 1963. Insgesamt 78 Folgen der deutsch-österreichisch-japanischen Zeichentrickserie wurden ausgestrahlt. Übrigens war Wickie und die starken Männer die zweite Anime-Serie, die jemals vollständig im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

Da bleibt mir nur noch eines zu sagen: Danke lieber Wickie! Du hast uns gezeigt, dass wir alle Helden sein können, wenn wir unsere grauen Zellen anstrengen. Dann dürfen wir auch mit den coolen Jungs durch die platten Weltmeere auf Plündertour gehen, so wie du. Anker los und auf geht’s – Wickie du bist einfach spitze!

Julia Lanthaler

Hat ihre halbe Kindheit vor dem Fernseher verbracht, ist jetzt ständig online und würde ihre Zwergkaninchen gegen nichts auf der Welt eintauschen.
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