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Unter den Wolken

Berlin und seine Flughäfen – eine Lovestory. Und in Südtirol?

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Bild: Flickr/kreuzberg49

Berlin hat ein Flughafen-Problem. Das ist ganz offensichtlich. Es gibt einen historischen Flughafen mitten in der Stadt, der kein Flughafen mehr ist. Es gibt einen architektonisch beeindruckenden Flughafen im Nordwesten der Stadt, der sollte kein Flughafen mehr sein, ist aber nun doch etwas länger noch einer. Es gibt einen kleinen Flughafen im Südosten der Stadt, neben dem sich eine große Baustelle befindet. Die Baustelle sollte längst der neue, große, einzige Flughafen der Hauptstadt sein, doch ob daraus jemals etwas wird, weiß kein Mensch. Ich erinnere mich, wie, als ich noch in Südtirol lebte, vor dem Landtag in Bozen gegen den Ausbau des Flughäfenchens in Pfatten demonstriert wurde. Für Südtiroler Verhältnisse kochten die Wogen damals ganz schön hoch. Mit den Emotionen, die die Berliner bezüglich ihrer Flughäfen an den Tag legen, ist das aber bei Weitem nicht vergleichbar – das ist historisch bedingt.

Ein Blick zurück in die Wirren der Nachkriegszeit, in die eisigste Phase des Kalten Kriegs: Als West-Berlin in den Jahren 1948 und 1949 von der sowjetischen Besatzung blockiert wurde, versorgten die Westalliierten ihren Teil der Stadt aus der Luft und landeten mit Kohle, Benzin, Medikamenten, Getreide, Milch, Kartoffeln, Mehl und Süßigkeiten auf dem innerstädtischen Flughafen in Tempelhof. Die Flugzeuge gingen als Rosinenbomber in die Geschichte ein.
Auch das Flugfeld in Tegel, im Nordwesten der Stadt, wurde damals angeflogen. Allerdings sollte dort erst im Jahr 1974 der heute legendäre Flughafen entstehen, entworfen von Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg, die damit den Grundstein für ihren internationalen Durchbruch als Architekten legten. Ein sechseckiger Ring führt zu den Terminals. Während man heute in München oder London Heathrow an unzähligen Shops vorbeigelotst wird, sind die Wege in Tegel kurz wie sonst nirgends. „Von der Taxivorfahrt bis zum Check-in-Schalter waren es 20 Meter, vom Counter durch den Warteraum bis zur Flugzeugtür noch 15 Meter. Das ist für einen Vielflieger der einzig wahre Komfort“, schreibt Gerkan in seinem aktuellen Buch „Black Box BER“.

„Waren“, schreibt er. Dabei ist das ja immer noch so. Das hat mit dem dritten Berliner Flughafen zu tun, dem im Süden der Stadt. Vor über einem Jahr hätte der neue Flughafen „Berlin Brandenburg BER“ in der Nähe des kleinen Flughafens Schönefeld eröffnet werden sollen. Wie es kam, weiß die ganze Welt, die wochenlang über Berlin lachte. Wenige Woche vor dem Eröffnungstermin mussten Sicherheitslücken eingeräumt werden, inzwischen sind so viele Mängel entdeckt worden, dass man damit Bücher füllen kann. Bücher, wie das von Architekt Gerkan, der auch diesen Flughafen einst mitgeplant hatte – was dann während der Bauphase geschah, kritisiert er nun heftig.

Und die Berliner? Auch sie lachen über das Desaster. Sie haben den Flughafen in Tegel einfach viel zu gern, als dass sie sich darüber ärgern würden, dass der jetzt als Notnagel länger geöffnet haben muss.
Auf dem ehemaligen Flugfeld in Tempelhof dagegen, ist inzwischen eine innerstädtische grüne Oase entstanden. Liegt man mittendrin auf der Wiese, hört man kein einziges Stadtgeräusch, nur das Rattern und Zischen der Windsurfer auf Rädern, die über die ehemalige Flugbahn segeln. An den Rändern des Areals haben sich Anwohner kleine Gemeinschaftsgärten angelegt. An lauen Sommerabenden finden auf dem Flugfeld Konzerte statt. So wie vergangene Woche. Auf der Bühne: die Pet Shop Boys. Sie singen „Go West“, dazu eine Lasershow, alles sehr neunzigerjahremäßig. Ganz hinten im Dunkeln, hinter der Warsteiner-Theke, hinter dem Dönerstand, hinter den Dixi-Klos steht ein silberner Riese – ein originaler Rosinenbomber.

Berlin, Stadt der ständigen Veränderung, wo bewegte Vergangenheit und Zukunft aufeinander treffen. Und Südtirol? Ich google den Pfattner Flughafen. Alles beim Alten. Ein paar Privatflieger. Ein Direktflug nach Rom, nicht mehr mit Air Alps oder Tyrolean Airlines, sondern jetzt mit Darwin Airline. Alles beim Alten. Beruhigend, irgendwie.

Lenz Koppelstätter

fühlt sich too old to young und too young to old. Außerdem lebt er in Berlin, wo er für Zeitungen und Magazine und an Buchprojekten arbeitet.
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865 Kilometer

Rund 865 Kilometer sind es von Bozen nach Berlin. Lenz Koppelstätter, Südtiroler in Deutschlands Hauptstadt, geht dorthin, wo was los ist und schreibt dort davon, was kurios ist. Kurz: Er berichtet über den ganz normalen Wahnsinn der Großstadt.

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