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The No No Song

Wie man stilvoll damit umgeht, nicht immer der Größte und Beste zu sein.

Weil ich kurz mein Karma pimpen muss, hier ein kleiner Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit: Ein Lied des Beatles, der immer am wenigsten Aufmerksamkeit bekam - damit das hier alles auch schön ausgeglichen ist, und damit die unterrepräsentierten Schattenwesen auch mal eine Plattform bekommen. So sind wir, minderheitenaffin bis zum Anschlag, und ganz uneigennützig ist das natürlich trotzdem nicht. Es soll uns hier nur nicht so ergehen wie Harald Martenstein (der Vergleich hinkt, aber trotzdem). Der Zeit"-Kolumnist erntete vor einigen Wochen einen Shitstorm, weil er nicht ganz verstand, warum es neben Frauen- und Männerklos auch Unisex-Klos für Leute geben soll, die sich ihres Geschlechts nicht ganz sicher sind, und die man nicht vor die Wahl Mann oder Frau stellen wollte; vor die Qual, eine öffentliche Toilette betreten zu müssen, deren Schild nicht eindeutig Ausdruck ihrer gendertreuen Gesinnung war. Ignorant sei das, wurde Martenstein vorgeworfen, und mangelnder Respekt gegenüber den Individuen, die nicht in die Norm passen.

Mit Minderheiten muss man also vorsichtig umgehen, das wissen wir Südtiroler ja. Der unterrepräsentierte Teil eines Ganzen zu sein brennt ein paar Wunden in eine Volks- oder Menschenseele, die bei jedem Tröpfchen wieder aufreißen und höllisch brennen kann, und dann schreit man rum und weckt die wohlgepamperte Mehrheit aus ihrem Herrschaftsschlaf.  Weil die den armen Leuten kein Elend mehr antun, oder auch einfach nur ihre Ruhe haben will, entstehen Proporze und Frauenquoten und Unisex-Toiletten.
Dass die kleinen Hunde die ungemütlichsten sind, ist bekannt. Da muss mit Lautstärke kompensiert werden, was an Größe fehlt. Der berühmte Napoleonkomplex: Silvio Berlusconi misst 1,65 Meter; Nicolas Sarkozy kratzt von unten an der 1,70-Marke, Putin kommt auch nicht höher hinaus. Dass das Triumvirat an Präpotenz körpergrößentechnisch unter dem männlichen Durchschnitt bleibt, kann kein Zufall sein. (Ein Zitat von Karl Lagerfeld über kleine Männer: „Die sind gemein und wollen dich töten.“)
Wie man dagegen stilvoll damit umgehen kann, nicht immer der Größte und Beste zu sein, zeigt uns Ringo Starr. Der blieb auch als (relativ) kleine Nummer stets entspannt und glücklich. Seine Bandkollegen haben zu Lebzeiten und darüber hinaus weit mehr abgesahnt an Ruhm und Anerkennung – heute sind zwei von ihnen tot, der andere bringt Alben heraus, die „Kisses on the Bottom“ heißen. Und Ringo sagt, gefragt nach seinem Befinden: „Well, I´m getting happier all the time, which is very nice.“ Wer zuletzt lacht.

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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