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Superpapst Franziskus

Der coole Vatikanchef als Superheld: Ein Graffiti und seine Geschichte.

Wann immer Mauro Pallotta durch die Straßen des Borgo Pio zieht, dem Viertel, das direkt an den Vatikan grenzt, schafft er kaum zehn Meter, ohne dass er von einem Passanten oder Besitzer eines der vielen Souvenirläden oder Restaurants freudig begrüßt wird. Mauro ist in diesen von San Pietrini gepflasterten Gassen aufgewachsen. Papst Johannes Paul II, Benedikt XVI und jetzt auch Papa Francesco hat er gesehen. Man erzählt sich hier im Borgo, dass die Schwester oder Tante von Ratzinger – so genau weiß Mauro das nicht mehr – in dessen Lieblingstrattoria beim Essen immer eingeschlafen ist. Aber Benedikt ist passé und wie in ganz Rom gehört auch hier nur mehr dem argentinischen Papst die gesamte Aufmerksamkeit. Selbst der nicht besonders gläubige Mauro hat sich von ihm begeistern lassen. Bisher hat der 40-jährige Kahlkopf die antiken Mauern des Viertels mit ironischen Graffitis von römischen Ikonen belebt – der Erfolg blieb lokal – doch mit dem Papst wurde sein Name nun weltweit bekannt.

Bild: Gustav Hofer

Eine Nacht- und Nebelaktion reichte aus, um Mauros Telefon tagelang heißlaufen zu lassen. Die Idee für sein Papstgraffiti kam ihm in seinem Studio. Als er in einem Marvel-Superhelden-Heft blätterte und währenddessen im Fernseher ein Bericht über das Kirchenoberhaupt lief, kam ihm die Erleuchtung: Der Papst als Superheld als großer Graffiti-Sticker auf einer Mauer im Borgo Pio. Der an der römischen Akademie gelernte Maler zeichnete Bergoglio als wäre er Superman, mit seiner schwarzen Tasche in der Hand und seiner runden Brille, vergrößerte das Bild und klebte es auf. Als tags darauf ein wohl kommunikationssensibler Kopf das Graffiti fotografierte und es dann dem Pressebüro des Heiligen Stuhls vorlegte, läutete die Glocke von Sankt Peter und bald darauf verkündete der Papst das Wort Gottes per Twitter und hängte – anstatt eines klassischen Heiligenbildchens – ein Foto von Mauros Graffiti an. Der Superpapst als Pop-Ikone erfreute Millionen Christen rund um den Globus – der coole Vatikanchef hatte endlich ein dementsprechend cooles Abbild.

Seine fünfzehn Minuten Bekanntheit hatte Mauro seitdem. Interviews und Einladungen in Fernsehshows folgten, die Umarmungen und Grüße im Borgo sind seitdem noch zahlreicher geworden. Vor dem Papstgraffiti bildeten sich bald Schlangen von Bergoglio-Fans, die sich mit ihrem Idol fotografieren wollten: Junge Pilger, die ihr Selfie knipsten, Nonnen und Pfaffen, die sich ihren Ordensbrüdern und -schwestern Franziskus-gemäß präsentieren und Römer, die sich das Ganze nicht entgehen lassen wollten.

Nur kam der schönen Geschichte die römische Reinigungseinheit für „urbane Sauberkeit“ in die Quere. Ehrlich gesagt, gibt es in der heiligen Stadt kaum eine Mauer, die nicht von irgendwelchen Schmierereien gereinigt werden müsste, aber komischerweise bleiben diese immer an den Wand. Nur mit dem Superpapstgraffiti ging alles superschnell: Nicht einmal drei Tage – also kürzer als Christus im Grabe lag – lachte Bergoglio von den Mauern des Borgo Pio, bis er runtergeputzt wurde. Selbst dem Bürgermeister war dieses Vorgehen dann aber peinlich. Er entschuldigte sich für die unsensible Effizienz der Reinigungsbehörde und versprach Mauro, dass er bald im Auftrag der Stadt einen neuen fliegenden Argentinier sprayen könnte – dann, wer weiß, vielleicht sogar für die Ewigkeit.

Gustav Hofer

lebt und arbeitet als Journalist und Filmemacher in Rom, doch ein Koffer steht immer abreisefertig. Was er dort mag: die Schönheit der Stadt, das Licht, die Menschen. Was er vermisst: die frische Bergluft, die Mehrsprachigkeit und den Apfelstrudel seiner Mutti.
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