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Seaside

Eindrücke aus Südafrika. Erinnerungen an Südtirol.

Ich bin gerade in Südafrika, und Südafrika ist Südtirol so im Groben nicht ganz unähnlich: Wunderschöne Landschaft, zwei Volksgruppen, die sich in den Haaren liegen, das Wörtchen „Süd-" zur besseren Bezeichnung der Ortsangabe. Die Diskriminierung der Vergangenheit versucht man hier heute mit Proporzen und Quoten auszugleichen, zu Gunsten der schwarzen Volksgruppe. Die Ungerechtigkeit der Geschichte soll ausgemerzt werden mit gutem Willen und staatlichen Maßnahmen – das passiert, wenn sich ein Land seiner Schuld bewusst wird. Die Apartheid scheint heute überwunden.


Es ist einfach, als Weiße, als Europäerin nach Kapstadt zu kommen und hier nur die Partys und die Landschaft und das Meer zu sehen. So gesehen ist es wohl eine tolle Stadt. Trotzdem fährt man auf dem Weg vom Flughafen an den Townships vorbei, den alten Baracken, wo Schwarze einst im Sinne der idealen Rassentrennung fern vom Stadtzentrum angesiedelt wurden. Die Hüttenviertel sind dicht bewohnt, es fehlt an Infrastrukturen, die Kriminalitätsrate ist hoch. (Für Elendstouristen gibt es geführte Besichtigungen durch den Stadtteil, damit die privilegierten Weißen auch mal sehen können, wie hart ein wahres Ghetto ist.)


Die Reichen dagegen wohnen in abgesperrten Häusern in der Stadt. Fast alle diese sind abgezäunt, mit Security-Männern vor dem Haus – die, ironischerweise, fast immer Schwarze sind. Auch die Arbeitsteilung scheint noch klar: Die „schlechteren“ Jobs, die einfachen, wie Müllmänner und Putzfrauen, scheinen nur von Schwarzen gemacht zu werden. Auch auf den Baustellen und an Tankstellen sah ich noch keinen einzigen Weißen arbeiten. Die arbeiten vermutlich in Büros. Die Hände schmutzig machen sie sich nicht. Beobachtet man die Freunde in der Gruppe, Leute in den Bars, mischen sich die Hautfarben nicht – Schwarze und Weiße sitzen zwar nebeneinander, aber nicht zusammen am gleichen Tisch.


Die offizielle Version der Überwindung der Apartheid ist eine andere als die, die man in der Stadt sieht. Die (relative) Armut in der Stadt zeigt sich an vielen Pennern, „Sandler“ oder wie man sie nennen will, gescheiterte Existenzen an jeder Ecke – auch sie schwarz, ohne Ausnahme. Natürlich sind die Männer, die an der Straße sitzen und in Mülltonnen wühlen, alte Männer, also in einer Zeit groß geworden, in der Leute mit ihrer Hautfarbe noch keinen Zugang zu Bildung und anderen Lebensversicherungen hatten. Es sind aber die Jungen, die immer noch an getrennten Tischen sitzen. Natürlich ist das nur ein erster Eindruck, was weiß ich von der Südafrikanischen Volksseele nach ein paar Tagen? – aber trotzdem hängt das Bild einer Integration in der Luft, die noch nicht vollkommen ist, von zwei Volksgruppen, die noch nicht ganz beieinander angekommen sind. Das hat man doch auch schon mal gehört.

Aber schön ist es hier, das ist doch auch schon was.

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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Geschichten liegen auf der Straße oder im Radio. One Song One Story – ein Liedtitel und viele Gedanken, die sich zur Geschichte zusammenfügen. 

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