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Schüttel deinen Speck

Karl Lagerfeld legt sich mit dicken (sorry - vollschlanken) Frauen an.

Karl Lagerfeld ist toll. Wollt ihr euch mal gut unterhalten, schaut euch ein Interview mit ihm an. Das ist stets Unterhaltung auf höchstem Niveau. 

Der Chanel-Designer wurde im Oktober von einer Gruppe französischer Aktivistinnen verklagt, weil er etwas sehr Unvorsichtiges gesagt hatte. Er meinte, niemand wolle dicke Frauen auf dem Laufsteg sehen. Das ist natürlich eine skandalöse Aussage - sofern man körperliche Voraussetzungen für gewisse Berufe als Diskriminierung sehen will. (Dass Flugbegleiterinnen groß genug sein müssen, um an die Stauräume an der Flugzeugdecke zu gelangen, ist dieser Logik zufolge natürlich auch sehr frech.)

„Das Loch in den Sozialkassen kommt auch von Krankheiten, die sich zu dicke Leute eingefangen haben", sagte Lagerfeld weiter. Die beiden Statements, wage ich mal zu behaupten, sind nicht totaler Schmarrn. Ich würde sogar so weit gehen und dem guten Herrn Lagerfeld Recht geben, aber so was ist gefährlich in einer politisch korrekten Welt, wo genau festgelegt ist, wen man für seinen ungesunden Lebensstil öffentlich ein wenig lynchen darf.

Rauchern etwa darf man ständig unter die Nase halten, wie ungesund ihr Laster ist, dass man davon Krebs und Falten kriegt, wie viel sie den Krankenkassen kosten und so weiter. Da schimpft der nichtrauchende Steuerzahler laut und innig. Sagt man aber einem Dicken, dass Übergewicht der eigenen Gesundheit nicht besonders zuträglich ist, dann drehen alle durch. Dass eine schlanke Frau auch schöner ist als dieselbe mit zwanzig Kilos mehr auf den Hüften, wird auch nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Man darf sagen, jede Zigarette ein Sargnagel – aber jeder Schokoriegel eine Cellulite-Delle? Das geht natürlich nicht.

Auf die Zigarettenschachteln will die EU nun riesengroß schwarze Lungen drucken und Raucherbeine und was weiß ich. 65 Prozent der Verpackungsoberfläche werden bald bedeckt sein mit den abschreckenden Bildern, damit auch kein Raucher darüber im Unklaren gelassen wird, welches Gift er sich da in die Atemwege pumpt. Wenn ich aber wissen will, wie viel Zucker der scheinbar so gesunde Fruchtsaft hat, der mir im Supermarkt aus dem Regal entgegenlacht, muss ich erst mal mit der Lupe nach der Nährwerttabelle suchen. Dann steht da was von Aromen und anderen Zutaten, die einem auch nicht weiterhelfen, und die meisten Begriffe klingen wie aus dem Chemie-Leistungskurs.

Man setzt auf den mündigen Konsumenten. Coca Cola muss keine Warnhinweise und Menschen mit Hang zu Adipositas auf seine Flaschen drucken und auch nicht schreiben, dass auf einen Liter 36 Stück Zuckerwürfel kommen – wem das bislang noch entgangen ist, kann auf der Rückseite ja auf dem Etikett nachsehen. Nur bei Zigaretten glaubt das EU-Parlament, das Elend muss von der Verpackung lachen.

Die französischen Aktivistinnen fühlen sich also sehr gekränkt von Karl Lagerfeld. Der hat Glück, dass russische Männer nicht genauso empfindlich sind. Über die zog er nämlich auch her: „Wenn ich Russin wäre, wäre ich lesbisch. Die russischen Männer sind nicht sehr attraktiv.“ Keine Vereinigung stolzer Russen hat ihn dafür angezeigt, weil sie sich in ihrer Eitelkeit gekränkt fühlten. Das ist ja nochmal gut gegangen.

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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Geschichten liegen auf der Straße oder im Radio. One Song One Story – ein Liedtitel und viele Gedanken, die sich zur Geschichte zusammenfügen. 

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Dass Karl Lagerfeld ein Fan dünner – um nicht zu sagen dürrer – Models ist, ist inzwischen wohl jedem klar, der sich mit dem Designer auch nur ein bisschen auseinandergesetzt hat. Egal, ob jemandem seine Designs, die Marke Chanel, der Hype um sein neues Haustier oder was auch immer gefällt oder nicht, eines ist klar: Er wird nicht umsonst oft als „Modegott“ betitelt. Seine Meinung zählt im Modebusiness und auf dem Laufsteg.
Eines scheint ihm jedoch häufig egal zu sein: dass mit Bekanntheit auch eine gewisse Verantwortung einhergeht. Eine Verantwortung gegenüber jungen Mädchen (und Jungen), die vielleicht davon träumen, irgendwann seine Kreationen auf den Laufstegen dieser Welt zu präsentieren. Junge Menschen, die sich teilweise nahezu zu Tode hungern, um den Ansprüchen eines Modeschöpfers zu genügen, der seine Meinung als unverrückbare Tatsache darstellt „NIEMAND möchte dicke Frauen auf dem Laufsteg sehen…“
Über die Sinnhaftigkeit von abschreckenden Bildern auf Zigarettenpackungen lässt sich streiten. Allerdings ist das erhöhte Risiko durch Tabakkonsum an verschiedenen Krankheiten eine Tatsache – während die Aussage Karl Lagerfelds nur seine eigene Meinung widerspiegelt, die als Tatsache verkauft wird.

PS.: Übrigens ist leichtes Übergewicht gesünder als Untergewicht…nur um das mal kurz erwähnt zu haben…

Bravo Julia Psenner, du bist die erste die kritisch Lagerfeld's Meinung hinterfragt und dazu noch weiss dass Untergewicht gefàhrlich sein kann. Gratuliere. Deine Behauptung ist richtig und nicht einfach aus der Luft gegriffen.

...je nachdem wer die Studie bezahlt, ist Frühstück auch die wichtigste Mahlzeit des Tages.

Jeder soll machen was er will, solange es nicht andere aktiv stört. Du bist dick und fühlst dich wohl? Ok, dein gutes Recht. Hautenge Leggings bei 123kg in der Fußgängerzone? Aua...aber ok, dein gutes Recht, ich kann ja auch weg gucken..

Aber Fakt ist, dass ungesunder Lebenswandel - egal in welcher Form - natürlich grundsätzlich mehr Behandlung bedarf, als ein gesunder...nur wo zieht man die Grenze? Muss dann auch Skateboardfahren verboten werden, weil die sich ständig was brechen und damit das soziale Gefüge in Schieflage bringen?

Dänemark hat übrigens soweit ich weiß inzwischen eine Fett-Steuer eingeführt. Nicht für Menschen, sondern für Lebensmittel...

Wo ziehen Sie dann bitte die Grenze? Oder wer? Ist dieselbe Frau mit 40 kg auch schöner als die mit ihren 20 kilo mehr? Wo heutzutage der BMI der Models immer im Untergewicht sind und genau diese Branche soll mir dann vorschreiben wie ich auszusehen habe? Oh und keine Angst Vera, Frauen wird oft genug mitgeteilt das sie zu fett, zu häßlich, zu unwichtig, .... sind. Da kann sich ein Modedesigner seine Kommentare auch mal sparen, auch in der ach so politisch "korrekten" Welt.

Ich glaube ihr habt den wahren Inhalt des Textes, aufgrund des provokanten Lagerfeld Zitats, etwas überlesen. Meiner Meinung nach geht es hier nicht um schön oder unschön, sondern vielmehr um die Doppelmoral mit der die Gesellschaft versucht den Tabakkonsum durch offensives eingreifen zu verringern. (dies absolut zurecht wie ich finde...) Aber bei ungesunden Lebensmitteln, welche zu Fettleibigkeit und dadurch auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, passiert hingegen gar nichts. Was dadurch passieren kann sieht man in den USA, wo krankhafte Fettleibigkeit fast verharmlost wird. Dort kauft man sich als Person im mittleren Alter, seine Kalorienbomben im Senioren Sitz-Scooter, der natürlich vom Supermarkt zur Verfügung gestellt wird, denn draußen steht ja das Auto für die 200m Heimfahrt :)

Nachdem ich meinen Kommentar verfasst hatte,habe ich mir ehrlich gesagt auch gedacht,dass ich etwas am Inhalt vorbeigegriffen habe....aber da war er schon gepostet... ;)
Also nur noch kurz eine Bemerkung: ich glaube das Tabak ein weit höheres Suchtpotenzial hat als Schokolade bzw. fetthaltige Nahrungsmittel...

Genau; unabhängig von der Frage, was schön oder dick oder schlank ist, ist es halt ärgerlich, dass für Produkte wie etwa Nimm 2 mit dem Slogan "Vitamine und Naschen" geworben werden darf, mit glücklichen Kindern und heiler Welt im Werbespot - und gutgläubige Mütter kaufen das Zeug dann und wissen nicht, dass sie ihrem Nachwuchs da mehr an Zucker und Nahrungsmittelfarbe füttern denn an "Vitaminen". Solchen Lügen der Lebensmittelindustrie wird nicht Einhalt geboten, und im Vergleich zur emsigen Stigmatisierung von Tabakwaren scheint das ein wenig inkonsequent.

@ julia
naja, das mit dem Suchtpotential ist nicht so sicher ; )

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1473643/OreoKekse-machen-such...

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