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Puppen machen Kino

Ein junger Filmemacher erweckt seine selbst gebastelten Puppen zum Leben.

Die italienische Filmwelt feiert: Zum ersten Mal seit 15 Jahren hat wieder ein italienischer Streifen den Goldenen Löwen gewonnen. „Sacro Gra“ von Gianfranco Rosi hat das älteste Filmfestival der Welt, die Mostra von Venedig, erobert – und das mit einem Dokumentarfilm. Dabei hat es der Dokumentarfilm in Italien bisher alles andere als leicht gehabt – weder Produzenten noch Verleiher haben dieses Film-Genre unterstützt. Dokumentarfilmer galten als jene sfigati, die nur darauf warten, bald einen Spielfilm zu drehen. Bleibt zu hoffen, dass nun eine neue Phase für das Kino der Realität auch hierzulande beginnt.

Gianfranco Rosi führt uns mit seinem Film in die römische Peripherie, entlang der längsten Ringautobahn Italiens, dem GRA (Grande Raccordo Annulare) und stellt uns Einzelschicksale vor, die entlang dieser tristen, 70 Kilometer langen Asphaltbahn leben. Drei Jahre lang hat der Filmemacher entlang dieser Autobahn verbracht und in einem Camper gewohnt, um seinen Protagonisten so nahe wie möglich zu sein. Kamera und Ton hat er selbst besorgt. Dieses Ein-Mann-Kino hat Jury-Präsident Bernardo Bertolucci letztlich überzeugt.

Auf sich alleine gestellt war auch Edo Natoli, der in Venedig seinen ersten Kurzfilm vorgestellt hat. Edo hat im Rahmen der „Giornate degli autori“, den Autorentagen, keine Doku, sondern einen faszinierenden Animationsfilm vorgestellt. „Secchi“ ist die Geschichte von Gianenzo, Luigifausta und Pancraziomaria. Die selbstgebastelten Puppen sind allesamt drei Streber. Jeder will als Klassenbester die Grundschulprüfung bestehen – dabei sind ihnen alle Mittel recht.
Es ist weniger die Geschichte, die diesen Animationsfilm so besonders macht, als vielmehr die Liebe zum Detail, die der junge Regisseur an den Tag legt. Jedes Element hat er selbst kreiert: von den Haaren der Puppen bis zu den Tapeten der Kulisse. Das Wohnzimmer seiner Eltern hat er dabei in ein Animationsstudio verwandelt. Auf die Frage seiner Mutter, wie lange er denn vorhabe zu drehen, meinte Edo: „Zwei Monate, maximal.“ Dieses Versprechen konnte er nicht halten. In Stop-Motion-Technik, wie einst beim alten Trickfilm, hat er zwei Jahre damit verbracht, seinen bizarren Figuren Kinoleben einzuhauchen.

Mit 1.000 Euro Budget und der Unterstützung seiner Familie und vieler Freunde hat er einen Kurzfilm geschaffen, der auf der Mostra mit dem Kreativitätspreis ausgezeichnet wurde. Jetzt will Edo vorerst einmal Pause machen und sich wieder seiner eigentlichen Arbeit widmen – der Schauspielerei. Schon bald werden wir Edo Natoli im neuen Film von Mario Martone sehen – und vielleicht feiert das italienische Kino dann ja wieder einen großen Erfolg.



 

Gustav Hofer

lebt und arbeitet als Journalist und Filmemacher in Rom, doch ein Koffer steht immer abreisefertig. Was er dort mag: die Schönheit der Stadt, das Licht, die Menschen. Was er vermisst: die frische Bergluft, die Mehrsprachigkeit und den Apfelstrudel seiner Mutti.
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