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Prosit!

Warum Saufen mit Anfang 30 an die Substanz geht.

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Bild: Flickr, mac42

Was wir früher alles so weggesoffen haben. Ich traue mich gar nicht, mich daran zu erinnern. Wir waren noch nicht einmal richtige Männer, aber beim Saufen konnte uns keiner was. Wir haben nicht gesoffen, weil es uns schmeckte, wir haben gesoffen, um voll zu sein.
Unter der Woche haben wir nichts ausgegeben. Das konnten wir uns nicht leisten. Wir brauchten das Geld für das Wochenende. Für das Benzin für die Vespa. Und für die Biere, die Schnäpse und den Bacardi-Cola.

Wir haben am Freitag gesoffen, am Samstag und auch am Sonntag beim Frühschoppen oder nach dem Skifahren im Après-Ski-Zelt. Am Montag saßen wir mit glasigen Augen in der Klasse und haben Stoßgebete zum Himmel geschickt, dass uns die BWL-Lehrerin nicht prüfen möge. Der Kater? Der konnte uns mal. 

Heute schaffen wir das nicht mehr. Ich trinke nur noch selten. Ein Glas Wein zum Essen. Zum Genießen. Am Wochenende oft nichts. Aber manchmal dann halt doch eins zu viel. Wenn aus dem Feierabendbier zwei werden, und wenn dann noch einer vorbeikommt und der noch eine Runde bestellt. Und wenn man dann keine Lust mehr auf Bier hat, aber irgendwie auch nicht schon heimgehen will, und wenn man dann einen Negroni bestellt oder einen anderen Cocktail, der gerade angesagt ist.

Am Tag danach geht dann gar nichts mehr. Ganz früher, während der Schulzeit, hat man den Rausch nicht auszuschlafen brauchen. Es ging auch ohne Schlaf. Später, während des Studiums, hatte man genug Zeit ihn auszuschlafen und abends, wenn die normalen Leute schlafen gingen, hat man sich – als Frühstück sozusagen – eine Tiefkühlpizza in den Studenten-WG-Ofen geschoben. Heute kriege ich selbst das nicht mehr hin. Man möchte eigentlich schlafen, kann aber nicht. Der trockene Mund. Der Gin, der einem aufstößt. Der Kopf, der hämmert. Man ist sich ziemlich sicher, dass man den Tag nicht überleben wird. Man ist nicht einmal fähig, sich irgendeinen Bullshit im Fernsehen anzuschauen. Weil einem dabei schwindlig wird. Irgendetwas Fettes essen, dann geht es dir besser? Von wegen! Man kriegt keinen Happen runter. Am Tag darauf geht es einem immer noch schlecht. Man schwört sich, ganz, ganz, ganz sicher nie, nie, nie wieder auch nur einen Schluck zu trinken. Man stellt sich das sogar schön vor, so ein Leben ohne Alkohol. Das sei die Lösung, ist man überzeugt. Man kommt sich so alt vor, obwohl man gerade erst 30 geworden ist.

Früher haben wir nichts gespürt. Jetzt spüren wir jeden Schluck. Der Kater lacht einen aus. Früher haben wir ihn weggesteckt, jetzt zahlt er uns alles heim.

Lenz Koppelstätter

fühlt sich too old to young und too young to old. Außerdem lebt er in Berlin, wo er für Zeitungen und Magazine und an Buchprojekten arbeitet.
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Auch schon 30

Ab wann ist man eigentlich erwachsen? Wenn man mitternachts müde wird? Wenn einen 17-jährige Mädchen siezen? Wenn einen ständig die Sehnsucht packt, nach der Provinz, aus der man mal geflohen ist? Wenn alle um einen herum Kinder kriegen? Wenn man sich manchmal denkt: Scheiß doch auf alles, ich haue jetzt einfach ab! Unser Kolumnist Lenz Koppelstätter berichtet über die Tücken des Ü-30-Alltags.

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