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Politikerin wie jede andere?

Brigitte mausert sich zur Vollblutpolitikerin – verwegene Ideen sind Vergangenheit.

Liebes Tagebuch,

habe heute den ganzen Tag mit Nichi Vendola verbracht. Nein, nicht was du meinst, rein beruflich natürlich. Was? Du kennst den nicht? Das ist wieder mal typisch: Nach Berlusconi, Durnwalder und Kompatscher ist bei dir Schluss mit politischer Bildung. Vendola ist Präsident der Region Apulien und ein Linker durch und durch: Hat sich als Schwuler geoutet, gegen die Mafia gekämpft und Philosophie studiert. Ein Held, wenn du mich fragst! Und ausschauen tut er auch nicht schlecht. Das graumelierte Haar, die verträumten Äuglein und dazu diese putzigen Pausbäckchen, zum Reinbeißen!

Aber typisch, schon wieder mal typisch: Ab Listenplatz drei kennt ein Durchschnittssüdtiroler unsere Kandidaten nicht mehr, wenn überhaupt. Verwunderlich ist das ja nicht: Hätten wir nicht salto.bz die uns im Auge behalten, würde wohl niemandem einfallen, dass es uns ja auch noch gibt. Na, ich darf mich nicht beklagen. Ganz so schlimm wie es war, ist es jetzt ja nicht mehr. Ich habe ja auch hart an mir gearbeitet, nicht nur äußerlich. Seit ich Spitzenkandidatin bin, spüre ich diese Amtswürden durch und durch. Das muss man ausprobiert haben, sonst kann mans nicht nachfühlen. Ich probiers trotzdem: Es fühlt sich so an, als ob man den Boden immer wieder kurz verlassen würde, ein bisschen wie schweben oder kiffen. Und dann das Gefühl im Bauch: Immer ein leichtes Kribbeln, wie wenn man sich gerade frisch verlieben würde. Das Ganze zeigt sich natürlich in meinem Gesicht: Die Mundwinkel immer leicht nach oben – selbst wenn mir Ulli Mair gegenübersteht und über muslimische Riten referiert.

Ja und inhaltlich gabs auch einen Rundumschlag: Wörter wie Telefonzellen oder Veggie-Day hat man mir quasi verboten, die dürfen mir gar nicht mehr über die Lippen kommen. Dafür gehts jetzt um Allerweltsthemen wie Umwelt oder Demokratie. Ein bisschen fad find ich das schon. Früher, als ich die verkorksten Südtiroler noch mit meinen Vorschlägen so richtig vor den Kopf stoßen konnte, hats doch noch ein bisschen mehr Spaß gemacht. Da haben sie alle geschrien, gepostet und gelacht. Und ich? Hab mir da doch hin und wieder schelmisch ins Fäustchen gelacht. Aber was solls: Wenns dem Großen Ganzen nutzt, bitteschön! Mach ich eben auf stinknormale, ernst zu nehmende – gäääähn – Politikerin.

Magdalena Jöchler

lebt und werkelt in Wien. Sie erzählt gerne Geschichten, die hoffentlich auch gelesen werden. Nein, sie ist nicht mediengeil.
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Liebes Tagebuch

Die geheimen Gedanken unserer Politikerinnen. BARFUSS sind die Tagebücher von Ulli Mair und Brigitte Foppa zugespielt worden. Über die Echtheit besteht kein Zweifel ;-)

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