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Leben auf 1.849 Metern

Die Kühe haben sich eingelebt, der Trubel auf der Alm geht los und Sonne, Schnee und Regen wechseln sich immer noch ständig ab.

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Bild: Anna Gruber
Jetzt wird es so langsam stressig hier auf der Alm: An den Wochenenden sind die Tische meistens voll. Die Hirtenmaccheroni und die ebenfalls hausgemachten Knödel gehen weg wie warme Semmel, und auch die ein oder andere Panne beim Servieren muss ich wohl oder übel zugeben. 
 
Unsere neue Spezialität sind Brennesselknödel mit Almkäsesauce. Aber auch trink-technisch toben wir uns hier oben aus. Benny und Günther setzen Melissen-Schnaps an, Michl und ich versuchen uns an Alpenrosensaft. Nach Stunden mühsamen Sammelns der Blüten und anschließendem Aussortieren, kochen wir die Blüten auf. Die große Enttäuschung kommt dann am nächsten Tag (zumindest für mich). Denn für meinen Gaumen ist dieser außergewöhnliche Geschmack der Alpenrosen nichts. Da bleibe ich doch lieber beim Rosmarinsaft. Dafür schmeckt der neue Sirup zumindest unseren Gästen.
 
Dank des großzügigen Trinkgelds  wird auch mein Sparschwein langsam aber sicher immer dicker. Das entschädigt für die langen, stressigen Wochenenden, an denen ich mich am Abend wenn die Radfahrer-Hausgäste einfach nicht schlafen gehen wollen, nur noch nach meinem knarrenden Bett sehne. 
 
Ansonsten ist es immer noch herrlich inmitten von Alpenrosen, Lärchen und Bergkräutern. Auch wenn es mal kalt ist, regnet oder wie vergangene Woche wieder schneit, der Himmel bietet fast immer ein atemberaubendes Naturschauspiel. An den weniger stressigen Tagen geht die Zeit hier oben langsam vorüber und was heute nicht mehr zu schaffen ist, das wird eben am nächsten Tag erledigt. Beim Klang der vielen Kuhschellen und dem beruhigenden Prasseln des Regens schlafe ich hier oben besonders gut. 
 
Hansi ist weiter fleißig beim Käsen und Buttern. Sehr zur Freude von Michl, der gern mal Figuren aus der frischen Butter formt und uns damit schon am frühen Morgen den Tag aufheitert. Unsere Hirten, Benny und Günther, kennen mittlerweile alle 52 (!) Kühe beim Namen und bringen an einem Tag 875 Liter Milch. In einer Woche wird der heurige Käse das erste Mal angeschnitten. Vorfreude kommt auf!

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Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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