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Huamwerts geats

Die Spitzenalm ist eine der ersten Almen, die es wieder heimwärts treibt. Alle sind froh, aber es geht auch eine wunderbare Sommerzeit zu Ende.

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Bild: Petra Schwienbacher
„Auf der Alm da ist gut lieben, denn im Herbst wird abgetrieben“ steht auf einer humorvollen Tafel, die an einer mit Blumen gezierten Krone befestigt ist. Auf einer anderen: „Den Hirten zur Ehre“. Und der Tag ist wirklich eine Ehre für die Hirten. Es sind den Sommer über „ihre“ Kühe, für die sie jeden Tag früh aus den Federn gekrochen sind und die sie natürlich alle wieder heil ins Tal bringen wollen.
 
Freude auf Daheim
 
Es geht früh los. Der Samstag beginnt stressig. Benny und Günther gehen schon um Viertel vor vier die Kühe holen und melken, denn heute ist der große Tag für die beiden Hirten gekommen. Der Lohn für die harte Arbeit auf dem Berg: der Almabtrieb.
Viele Helfer sind zur Unterstützung gekommen. Den 44 Kühen, die zu Fuß mit ins Tal gehen können, werden bald nach dem Melken schon nacheinander die Schellen angezogen und die selbst verzierten Kronen aufgesetzt. Einige werden abgeholt, weil für sie der weite Weg zu anstrengend wäre. Viele freiwillige Helfer passen auf, dass sich die Kühe nicht die mühevolle Zierde kaputt machen. Ja, das große Spektakel bedeutet sicher Stress – für Mensch und Tier. Aber auch wenn einige der Ansicht sind, es ist zu viel Aufregung für die Tiere, weiß Günther aus Erfahrung, dass die Kühe auch unruhig sind, weil sie schon wissen, dass es nach Hause geht. Schon nach einiger Zeit gewöhnen sich die Kühe an die Kronen und freuen sich wieder ins Tal zu kommen. 
 
Vorbereitung ist der halbe Abtrieb
 
Bereits Tage vor dem Almabtrieb beginnen wir gemeinsam mit dem Basteln der Kronen und Bauchgurte. Ein Haufen Arbeit, die Spaß macht, aber auch daran erinnert, dass bald alles vorbei ist. Drei Monate auf der Alm neigen sich langsam aber sicher dem Ende zu.
Es waren lustige, anstrengende, erlebnisreiche, manchmal extrem lange und manchmal viel zu kurze, aber immer einzigartige Tage. Ich muss sagen, ich war am Anfang ziemlich skeptisch, ob ein Sommer auf der Alm etwas für mich ist. Jetzt kann ich sagen Ja, ist es. Mir hat das Bedienen große Freude gemacht und das Leben auf der Alm ist trotz des Komforts, den wir hatten, anders als im Tal. Man denkt viel nach und zumindest mit unserer Truppe hatten wir immer eine riesige Gaudi. Ich kann nur jedem raten, es auch einmal zu probieren. Für mich war es ein Erlebnis, welches ich nicht missen möchte, auch wenn ich zugegebenermaßen an einigen Tagen am liebsten alles hingeschmissen hätte.
 
Großer Empfang 
 
Der Weg über den Staudamm in St. Walburg, den wir nach gut zwei Stunden Fußmarsch erreichen, ist besonders schön. Dutzende Schaulustige, Freunde und Bekannte sind gekommen, um sich das Spektakel anzusehen. Auch wenn die gezierten Kühe nur etwa eine Stunde bewundert werden können, weil sie dann von den Bauern abgeholt werden, wir sind uns sicher: Die Mühe hat sich gelohnt. Touristen winken uns zu, machen Fotos und die Bauern danken besonders den Hirten, dass alles gut geklappt hat. Der Tag ist super und der Empfang im Tal wohl die größte Entschädigung für so manche stressige Tage. 
Auch wenn die Kronen nach dem Marsch nicht mehr ganz so schön aussehen, ernten wir doch sehr viel Lob fürs Basteln. Mit Bier lassen wir den Abend ausklingen. Das haben wir uns nun alle verdient. Hansi für seine 1.200 (!) Laib Käse, die er allesamt von Hand gemacht hat und die ausgezeichnet ankommen, Michl für seine unzähligen Knödel und anderen Leckereien, die er immer mit viel Liebe zubereitet hat, Benny und Günther für die Pflege der Kühe und das Melken (8.064 Mal wurde die Melkmaschine an die Kühe angehängt) und ich für die Bewirtung der vielen Gäste. Abschließend kann ich nur eines sagen: Ich werde das Leben auf der Alm und die „Wohngemeinschaft“ mit den Jungs sicher vermissen. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir nächstes Jahr ja alle wieder?

Was bisher geschah

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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