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Wir Ypsiloner

Generation Idee

Unsere Köpfe sind Ideen-Maschinerien. Für ihre Verwirklichung fehlt uns aber die Geduld.

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Bild: flickr/neilconway

Manchmal fühlt es sich so an, als würde mein Kopf explodieren. Tausende kleine Ideen würden dann aus ihm herausschießen. Wie gut fühlte sich das an, wenn dort, wo der Sitz meiner Ideen-Maschinerie ist, endlich Ruhe einkehren und es wieder etwas mehr Platz geben würde.

An sich ist es ja nichts Schlechtes, Ideen zu haben. Doch bei uns Ypsilonern wird dieses Entwickeln neuer schöpferischer Gedanken schon fast zur Krankheit. Im Gegensatz zu den Generationen vor uns mögen wir es nämlich nicht, über eine längere Zeitspanne hinweg das gleiche zu tun. Wahrscheinlich passiert es genau deshalb, dass unser Gehirn am laufenden Band neues Ideengut produziert und uns damit oft ganz schön überfordert. Einfälle, wie man diese Welt besser machen könnte. Konzepte, die unsere Lebensmuster revolutionieren. Dinge, die wir gerne lernen würden. Und Visionen, wie wir das alles verwirklichen können.
Ganz egal was, Hauptsache im Oberstübchen rattert's, dann kann das Ypsiloner-Herz auch beruhigt pochen. Denn dann sind Prozesse im Gange, Veränderung, unser Lebensmotor.

„Geduld haben, heißt nicht bloß, dazusitzen und abzuwarten bis etwas passiert, sondern auch und vor allem zu handeln.“

Doch manchmal da verweile ich kurz, irgendwo inmitten meiner Ideenflut und dann frage ich mich: Sind wir eigentlich zu feige, um diese Ideen irgendwann auch zur Realität werden zu lassen? Oder brauchen gute Ideen einfach nur Zeit?
Am Ideenreichtum scheitert es bei uns Ysis ja wohl nicht. Doch vielleicht müssen wir sie einfach wie die guten Weine in unserem Ideenkeller lagern und warten, bis sie mit einer dicken Staubschicht bedeckt sind, um diese danach genüsslich wegzupusten und den guten Tropfen zu genießen. Was uns zum erfolgreichen Umsetzen all dieser Einfälle also noch fehlt, ist jetzt klar: Es ist die Geduld.
Wenn es nach uns ginge, könnten wir nämlich ein Leben lang auf diesem schmalen Grat zwischen Träumern und Verwirklichern weiterwandern und uns genüsslich in unserem Ideen-Potpourri suhlen. Doch irgendwann kommt dann doch der Punkt, an dem man vor der Weggabelung steht und sich entscheiden muss, ob man im Alltagstakt geradeaus weiterwandert oder doch die Abzweigung in Richtung neuer Idee nimmt. Und genau um diesen Moment geht es. Geduld haben, heißt nämlich nicht bloß, dazusitzen und abzuwarten bis etwas passiert, sondern auch und vor allem zu handeln. Geduld heißt, Projekte durchzuziehen und dann nicht gleich nervös zu werden, wenn sie nicht auf die Minute fruchten. Geduld heißt, Beziehungen einzugehen und beim ersten Streit zu diskutieren anstatt sich zu trennen. Geduld heißt ein Start-Up gründen und bei der ersten Steuererklärung den Schweiß von der Stirn zu wischen, zu zahlen und weiterzukämpfen. Geduld heißt, Dingen Zeit zu geben. „Gut Ding braucht eben Weile“ würde meine Mama jetzt wohl sagen. Wenn es nach uns geht, dann sollte es aber immer genauso passieren wie alles andere in unserem Leben auch: schnell.

Träumer, Utopisten, Revolutionäre
Wissen wir etwas nicht, googlen wir und haben Minuten später die Antwort auf egal welche Frage. Wollen wir essen, bestellen wir uns was und Minuten später wird es geliefert. Wollen wir etwas kaufen, reichen ein paar Klicks und wenig später rollt der Paketdienst bei uns ein. Nicht einmal, wenn es darum geht, eine Woche auf die Ausstrahlung der nächsten Folge unserer Lieblingsserie zu warten, haben wir Geduld. Wir streamen lieber.
Und so ist es eben auch mit unseren Ideen. Um sie zu wirklichen Projekten und schließlich zu erreichten Zielen werden zu lassen, sind wir einfach zu ungeduldig. Nichtsdestotrotz sollten wir unseren Motor nicht abstellen und die Ideenmanufaktur weiterlaufen lassen. Ohne Träume wird es nämlich nie Veränderung geben und schließlich sind wir die Generation der Revolutionäre und genau das ist unsere Aufgabe.

Lisa Maria Kager

ist ein Plappermaul. Hat immer eine Antwort parat und schweigt eigentlich nur beim Schreiben. Verbraucht durchschnittlich mehr Wolle und Kaffeepulver als Luft und trinkt lieber ein kühles Bierchen als schicken Prosecco.
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Wir Ypsiloner

Die Generation Y ist jung, gebildet, arbeitsscheu und ihr stehen alle Türen offen. Sagt man zumindest. Aber stimmt das wirklich? Wie ticken wir wirklich? Was ist uns wichtig? Sind wir die heimlichen Revolutionäre? Eine Kolumne gibt den Ypsilonern eine Stimme.

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