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Für immer immer

Da haben wir wieder mal was gelernt. Wir bedanken uns beim Dschungelcamp.

Ich muss gleich vorausschicken, dass das Lied mit dem Text heute nichts zu tun hat, und das tut mir leid.

Eigentlich soll es hier um das Dschungelcamp gehen, und das muss ja nicht schon die Überschrift verraten. Das ist ungefähr dasselbe, wie wenn man aus dem Zeitungsladen kommt und die InTouch klammheimlich in der ZEIT versteckt, um das semi-intellektuelle Gesicht zu wahren. Die RTL-Sendung will auch nie jemand jemals gesehen haben, und trotzdem guckten acht Millionen zu. Wo sind diese acht Millionen denn? Wir sind es nicht, wir zappen alle ja nur bei arte rein. Das bestätigen die Einschaltquoten zwar nicht, aber die erfassen eh nur die gemeine Mitte, und haben keinen Blick für die gebildete Elite oben und den Underground ganz unten. Wenn aber 90 Prozent gemeinsam und enthusiastisch auf den Mainstream scheißen, wird der kollektive Klogang so alternativ wie die Ö3-Wochencharts. Sehr gewöhnlich also.

Deshalb legen wir mal alles ab, was wir gelernt haben über Trash-TV und Ekelfernsehen, und stimmen ungeniert eine Ode an auf das RTL-Meisterwerk, das seinen Hauptcast Känguruhoden essen und sich gegenseitig an den Rand des Wahnsinns bringen lässt. Der gesellschaftlich voll anerkannte Film „Das Experiment“ macht ungefähr dasselbe auf höherem Niveau – beide Formate zeigen einfach was passiert, wenn Menschen sich nur lang genug auf engstem Raum auf die Nerven gehen. Wir haben es also mit einer Sozialstudie in Echtzeit und Orginalton zu tun, mit einer psychologischen Lehrstunde zur Prime-Time – und da sage noch einer, das deutsche Privatfernsehen nehme seinen Bildungsauftrag nicht ernst. Quotengeil war gestern.

Man kann einer Sendung nicht böse sein, die sich selbst so wenig ernst nimmt. Die Moderatoren kichern belustigt in sich rein, wenn die C-Promis sich in ihrem Dschungel mal wieder anständig zum Deppen machen, und irgendwie ging das eh alles mit der Intention los, den Zuschauern ordentlich was zum Lachen zu kredenzen. Wer gewinnt, ist also RTL und das breite Publikum – allein die drinnen können nur verlieren, weil es ja gar nichts zu gewinnen gibt. Eine Gestrüppkrone am Ende, das winkt dem Sieger. Ein unfairer Deal, möchte man glauben.

Dann aber hat Larissa (wer denn sonst) dem Ganzen ein Schnippchen geschlagen, weil sie diesen Gulag-Thron so unbedingt und wirklich wollte. Plötzlich hatte da jemand was zu gewinnen, einfach deshalb, weil sie für sich beschlossen hatte, dass es sich um diese Krone zu kämpfen lohnt. Am unglücklichsten im Camp dagegen sahen die aus, die der Sieg nicht interessierte. Für die ging ein Tag nach dem anderen vorbei, und sie sehnten sich nur danach, dass die Geschichte endlich ein Ende fände.

Man hat nur Freude am Spielen, wenn man gewinnen will: Das hebt den Spaßfaktor, der eigentliche Preis ist dabei egal. Will man bei Mensch Ärgere Dich Nicht nicht wirklich diese verdammten vier Männchen sicher in sein Häuschen bringen, würfelt man nur und schiebt Holzfiguren rum – eine selten sinnlose Tätigkeit, wenn man mal so darüber nachdenkt. Nur wenn man sich trotzdem ärgert, wird das Ganze lustig.

Vielleicht ist das so im Leben, dachte ich (so nachdenklich wird man bei RTL), vielleicht muss man sich bloß was suchen, was einem am Laufen hält, einen Grund, warum man, im übertragenen Sinn, Fischaugen und Truthahnanus und Schweineschnauze isst und eklige Dinge tut und sich mal langweilt und mal verausgibt und sich überhaupt den ganzen Dreck gefallen lässt, der einen wohl oder übel mal passieren wird – weil man daran glaubt, dass es doch was zu gewinnen gibt, und wenn es nur ein zusammengebasteltes Krönchen ist. Wer dagegen nur hofft, dass das Elend schnell vorübergeht und man endlich wieder traut vereint mit dem Mann am Pool liegen kann, hat ganz offensichtlich keinen Spaß an gar nichts. Das kann doch mal eine Lehre sein. Da haben wir ja wieder was gelernt.

Danke, liebes Dschungelcamp.

Vera Mair am Tinkhof

mag die deutsche Sprache, kämpft daher unermüdlich gegen notorische "besser als wie"-Sager. Barfüsslerin der ersten Stunde.
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