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Die Zentrale

Kaum ist der Agenturchef in Bozen angekommen, schon beginnen die Probleme. Er findet die Parteizentrale nicht. Folge 2 der Fortsetzungsgeschichte.

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Bild: suedtirolfoto.com, Grafik: BARFUSS

Die Distanz vom Hotel, dessen Name ihn an eine Salzburger Biermarke erinnerte, zur Parteizentrale empfand er als „niedlich“, wie übrigens das meiste hier. Jungmayer konnte diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken, schon stand er vor einem Gebäude mit brauner Fliesenfassade und war erst einmal baff. Er meinte ja, intim mit der Ästhetik von Architektur und Design zu sein, aber das hier sprengte alle ihm bekannten Kategorien. Richtig war er aber, prangte doch unübersehbar das Symbol der Schwammelpartei auf den Fliesen. Verwirrt betrat er das Gebäude durch eine Glastür. Er hoffte zwar, seine Verwirrung draußen, in der fast schon zu heißen Maisonne lassen zu können. Allerdings nahm das Durcheinander in seinem Kopf zu, denn im Inneren sah es aus wie in einem Schalterraum einer Bank oder Post.

Er näherte sich der Dame am Schalter Nummer zwei. „Grüß Ihnen Gott! Jungmayer Harry, ich habe einen Termin mit dem Vorsitzenden und dem Sekretär.“ Was jetzt kam, erstaunte ihn noch mehr. Die Partei schien es ja nicht so mit den Italienern zu haben, trotzdem antwortete ihm eine Frau im astreinen Italienisch. Jedenfalls verstand er kein Wort. Seinem Gegenüber schien es nicht anders zu gehen. Er war kurz davor, sich mit einem vulgären Seufzer Luft zu verschaffen, als ein Mann hinter ihm, nasal und in einer schwer nachvollziehbaren Dialektfärbung, zu schimpfen begann. Er war anscheinend verärgert über die falsche Antwort der Dame, obwohl er selbst das Wort „falsch“ mit einem falschen Anfangsbuchstaben aussprach , nämlich mit einem W.

Der Agenturchef wurde langsam nervös und war deshalb erleichtert, als er aus dem Beschwerdeschwall unmissverständlich die Worte „Sauerei“, „Post“ und „unterhalb der Partei“ heraushörte. Er verabschiedete sich mit einem kurzen Blick auf die blaue Küchenschürze, die der Schimpfende trug. Auf der Schürze las er einen aufgestickten Schriftzug: „Meine Alte versteht mich nicht.“

Wieder im Freien stieg er ein paar Stufen hoch und war endlich am Ziel. Am Eingang saß eine Holzfigur, dahinter drei Fahnen. Doch nirgends waren irgendwelche Pilze zu erkennen. Seine Stirn begann sich fragend in Falten zu legen, als er über den Rand seiner stylischen Brille eine blonde Dame hinter einer Empfangstheke entdeckte. Die Episode vorhin in der Post hatte ihn aber dermaßen verunsichert, dass er ihr ein „Buongiorno“ entgegenrief und damit weitere Verwirrung stiftete. Die Dame blickte verwundert auf und flüchtete sich in ein resolutes „Ja, bitte?“

Da seine Italienischkenntnise aufgebraucht waren, antwortete er kurz und knapp: „Jungmayer, Termin Vorsitzenden.“
„Vorsitzenden? Haben wir keinen. Einen Obmann aber.“ 
„Ja, den meine ich.“
„Der ist noch nicht da. Aber den Landessekretär ruf ich ihnen.“
Die verwendeten diese Bezeichnung tatsächlich, dachte er, und zückte zusammen, weil die Dame am Empfang das mit dem Rufen, stimmgewaltig wörtlich nahm: „Geah Tschennie, houl mearn or!“

Aus einem Büro, das hinter ihr lag, erschien eine Frau Anfang 20, die über eine Treppe kurz verschwand, nach 30 Sekunden wieder auftauchte und dem Agenturchef im Vorbeigehen ein knappes „Er kimp glei“ zurief. Seinen Dank quittierte sie sogar mit einer Art Lächeln.
 

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Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hier um reine Fantasie des Autors. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig. Beim Entstehen dieser Fortsetzungsgeschichte wurden keine Tiere verletzt.

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