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Die Streberin

Unsere Einserschülerin Brigitte würde im Landtag gerne ganz vorne sitzen.

Liebes, allerliebstes Tagebuch!

Ich hab dich doch soo  lieb! Und die vielen, vielen lieben Menschen, die an mich glauben! Nein, das mein ich wirklich ernst! Das liegt nicht am Restalkohol, der mir zugegeben grad furchtbare Kopfschmerzen bereitet! Das ganze Leben fühlt sich gerade wie ein Rausch an, als ob ich wieder 18 wär. Wobei, so eine richtige Partyqueen war ich da ja auch nicht. Eher die Einserschülerin, die mit der Brille in der ersten Reihe. Wenn wir schon dabei sind: Die möchte ich jetzt auch im Landtag sein. Glaubst du in der ersten Reihe ist noch Platz für mich? Ich würde wirklich gerne ganz vorne sitzen, auch um dem Arno immer ganz tief in die Augen schauen zu können. Am liebsten wär's mir, wenn ich links außen sitzen würde, zwischen dem Hans und dem Riccardo möchte ich nicht einquetscht werden. Und wer weiß, vielleicht will es der Zufall, dass die Ulli, meine neue Freundin, dann neben mir sitzt. Der würde ich auch gerne immer ganz tief in ihre blauen Stielaugen schauen. Nur schon wegen dem schlechten Gewissen, das ich ihr machen könnte. Wär das eine Hetz!

Wenn wir schon bei der Ulli sind: Die ist gestern auch nicht aufgetaucht bei unserer After-Wahl-Sause! Wer weiß warum ... Dabei hab ich sie ja so lieb eingeladen. Lag's an der nicht ganz so üppigen Fleischecke, oder doch an der Musik? Es ist mir ein Rätsel. Wo sie wohl gesteckt hat den ganzen Abend lang? (Dorffeste gibt es ja gerade keine.) Ob sie heute wohl auch solche Kopfschmerzen hat wie ich?

Ach was solls: Scheiß auf die Ulli! Wir Grünen müssen jetzt schauen, dass der Arno uns als seine bessere Hälfte auswählt. Wie wir das machen? Noch keine Ahnung. Aber irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, der Typ ist eigentlich einer von uns. Der muss doch eine grüne Seele haben. Ich muss schon zugeben, ein bisschen fasziniert er mich schon, dieser sechsfache Vater, mit seinem jugendlichen Elan. Ja, genau! Jünger als ich ist er auch noch! Ob er sein ergrauendes Haupt auch irgendwann in den Hennatopf tauchen wird? Bitte schimpf mich, wenn ich in zwei Monaten drauf komme, dass dieses ganze Transparenzgerede doch nur Schaumschlägerei war und der „Neue" sich doch zur 6-Uhr-Sprechstunde hinreißen lässt. Oder wenn er die coglioni nicht hat, sich zu uns zu bekennen. Aber ein bisschen schwärmen wird man wohl noch dürfen! Jetzt braucht ich aber wirklich ein Aspirin, dieses Dröhnen halt selbst ich nicht mehr aus!

Magdalena Jöchler

lebt und werkelt in Wien. Sie erzählt gerne Geschichten, die hoffentlich auch gelesen werden. Nein, sie ist nicht mediengeil.
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Liebes Tagebuch

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