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Ein Plädoyer für gute Musik

Die Pop-Kloake

Über Musikgeschmack lässt sich streiten: eine Kritik am Zirkus der Musikindustrie.

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Lady Gaga wie sie leibt und lebt.

Bild: Flickr/Peter Cruise

Letztens war es mal wieder so weit: Die musikalische Elite traf sich in Berlin zum gegenseitigen Schwanzvergleich. Die Rede ist von der Echo-Verleihung. Seit nunmehr 22 Jahren geht die Preisverleihung in Deutschland über die Bühne. Dabei werden aber nicht die musikalischen oder künstlerischen Leistungen der Musiker prämiert, sondern allein ihr kommerzieller Erfolg. Dass sich bei so einer Veranstaltung zwangsläufig die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser in den Raum stellt, muss hier wohl nicht erwähnt werden. Trotzdem fragt man sich, wo denn die Anerkennung für die Musik geblieben ist. Schließlich sollte man einer Jury wie der des Echos doch eine gewisse kulturelle Verantwortung zuschreiben können, oder etwa nicht? Es bräuchte doch auch eine Anerkennung für die „gute“ Musik, wenn man so will. Verkaufszahlen bestimmen schließlich nicht die Qualität der Musik. Entgegen der allgemeinen Meinung behaupte ich hier einmal, dass sich über Geschmack sehr wohl streiten lässt. Es gibt sie wirklich: die gute und die schlechte Musik. Doch leider verrinnen die Grenzen immer öfter.

Nur weil Frau Gaga die Charts anführt, macht es ihre Musik noch lange nicht weniger Brechreiz erregend. Apropos Brechreiz: Die Gute hat sich während eines Konzertes von ihrer Tänzerin ankotzen lassen. Das Ganze war kein unglücklicher Zufall, sondern eiskaltes Kalkül. Allein schon an diesem Beispiel sollten wir sehen, wie weit wir heutzutage von Musik entfernt sind, auch wenn Musik und Provokation nahe aneinander liegen.

Was fehlt ist gute, konstruktive Kritik. Kritik am Zirkus der Musikindustrie. Kritik gegen Chart- und Castingshows. Musik muss wieder an Bedeutung gewinnen.
Es darf nicht mehr alles nur als „ausgezeichnet“ oder „großartig“ rezensiert werden. Platten sollten auch wieder scheiße sein dürfen, auch die der großen Musiker.
Wo aber zieht man diese feine Linie, zwischen guter und schlechter Musik? In wie weit liegt es noch im Bereich des guten Geschmacks, wenn einem ein „Durch die Nacht“ im Frühstücksradio um die Ohren gehauen wird.

Das Problem liegt augenscheinlich in der kommerziellen Musik. Ich spreche hier nicht von Musik, mit den sich Musiker ihre Brötchen verdienen. Ich spreche von der Musik, die nur geschaffen wird, damit sich der Musikproduzent eine weiteren Bentley in die Garage stellen kann. Castingshows sind das beste Beispiel hierfür. Trash-Formate wie der RTL-Quotenrenner „Das Supertalent“ oder der Show-Titan „Deutschland sucht den Superstar“ (umgangssprachlich „DE-ES-DE-ES“) zeigen jedes Jahr dasselbe Spiel: Eine Freakshow zieht durchs Land und macht in jeder größeren Stadt halt. Gelockt von der Hoffnung auf eine Zukunft als Berufsmusiker pilgern immer wieder Tausende zu den Castings, um vor einer Jury an die Wand gestellt zu werden. Ihre Richter tragen dabei aber keine Gewehre, sondern Kameras. Profiteure der ganzen Sache sind nicht die Musiker, sondern die Produzenten der Show. Musik sollte doch das Leben schöner machen. Aber nicht nur das der Produzenten.

Thomas Tribus

Als Studierender schreibt, filmt und fotografiert er für mehrere Redaktionen dies- und jenseits der Alpen. Liebt gutes Essen und gute Musik.
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