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Die erste Hinfahrt

Der Agenturchef auf dem Weg ins Land der Blauschürzen. Sein Auftrag: Er soll es wieder richten für die Großpartei.

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Bild: suedtirolfoto.com, Grafik: BARFUSS

Irgendwie hat dieser Brenner was, dachte Harry Jungmayer über das Cockpit seines sportlichen SUVs hinweg. Normalerweise brachte er den Wagen in Südtirol ja nur zum Stehen, wenn er auf der Rückreise vom Segelweekend am Gardasee noch schnell vor der Grenze ein paar Kleinigkeiten brauchte: Mitbringsel für seine Agenturameisen. Kaum zu glauben, wie diese Touri-Pseudo-Gustostückchen, die es auf den Raststätten zu kaufen gab, die lieben Kreativsklaven zu beeindrucken vermochten. Alles war schnell und zu passablen Preisen zu besorgen und sie brachten wieder ein Stück mehr Loyalität dem Brötchengeber. Das ließ ihn immer wieder breit grinsen. Er hatte ein gutes Feeling mit diesem Südtirol und seinen so praktischen Raststätten mit Italienflair.

Diesmal war aber vieles, wenn nicht alles, anders.

Nach dem Anruf dieses Landessekretärs (mein Gott wie Retro das klang und war!) musste der mit allen Wassern gewaschene Agenturchef, erstmal die Basics zu diesem Land checken: Vor 90 Jahren an die Italiener abgetreten. Immer das bessere Wetter und die angenehmeren Temperaturen. Vollbärtige Bergsteiger, Gletscherleichen. Gute Skirennläufer, die eigentlich Ösis, weniger gute, die eigentlich Italiener sind. Ein Landeschef, dem im Vaterland niemand das Wasser reichen kann. Einer, der alles alleine regelte. Furchtbar komplizierte politische Konstellation. Irgendwie historisch verkorkst. Alles zweisprachig und trotzdem unglaublich viele auf Volkstum. Scheint hier so eine Art politischer Schnulzenfaktor zu sein. Der wiederum scheint irgendwie mit den natürlichen Botenstoffen in der Bergluft zusammenzuhängen. So sehr, dass es in der Gegend um Kastelruth zu Mutationen bei Singvögeln kam.

Das Allerwichtigste aber: Anscheinend gab es hier Geld wie Heu auf den fetten Wiesen. So ein Land schien auf das großgewachsene, für sein Alter noch unglaublich gutaussehende Agentur-Alfatier gewartet zu haben.

Nachdem die Leitung ein paar Mal unterbrochen wurde und er sich sicher war, dass die hier nicht einmal Telefonleitungen hinbekämen, klingelte sein Handy. Das letzte Briefing mit der neuen Praktikantin – die soll sogar ein Politikstudium intus haben. Aber egal, ihre Stimme klang trotzdem irgendwie sexy. So sehr, dass er beinahe die Navi-Ansage für Bozen Nord überhört hätte. Dann stand er vor dem Hotel. Schnell noch eine Kleinigkeit essen und hinein in die Falle, dachte er. Diese Verrückten hier setzen ein Erstmeeting auf 8 Uhr an. Als er beim Hotelinfokanal einzuschlafen begann, hatte er noch keine Ahnung, dass dies der Beginn eines halben Jahres voller Verstrickungen, unglaublicher Erlebnisse mit männlichen Dramaqueens und weiblicher Machtmänner werden würde. Dinge, die Jenseits des Brenners kaum einer glauben und schon gar nicht verstehen konnte. Aber das war in diesem Halbschlaf nicht sein primäres Problem. Zwei Fragen quälten ihn: Warum um Himmels Willen nannte man die Partei Schwammelpartei? Oder hatte er bei der schlechten Handyverbindung nur falsch verstanden? Außerdem versuchte er zu verstehen, wie in dieser Schwammelpartei Sozis und Stock-Konservative, also Rote und Schwarze gemeinsam Wahlkampf machen sollen. Erfolgreich. Dafür hatten sie ihn ja geholt. 

 

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Hat keinen Bock mehr auf Tagesjournalismus. Nachdem er die Umtriebe der Schwammelpartei im Wahlkampfjahr beschrieben hat, widmet er sich jetzt dem neuen Chef im Land der Blauschürzen.
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Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hier um reine Fantasie des Autors. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig. Beim Entstehen dieser Fortsetzungsgeschichte wurden keine Tiere verletzt.

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