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Der Restaurator

Giuseppe Mantella bewahrt echte Kulturschätze. Oft leider vergebens.

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Bild: Gustav Hofer

Jedes Mal, wenn die Kuppel des Petersdoms mein Blickfeld kreuzt, muss ich an mein Zusammentreffen mit Giuseppe Mantella denken. Denn die goldene Kugel, auf der das Kruzifix der Kuppel thront, hat der fast 50-jährige Kalabrier restauriert. Auf 119 Metern Höhe, dem Himmel so nah wie wohl an keinem anderen Ort der Stadt, hat er dem verblassten Gold wieder zu Glanz verholfen. Giuseppe Mantella ist einer der gefragtesten Restauratoren des Landes und sein Unternehmen hat mittlerweile Dutzende Aufträge am Laufen, verstreut über ganz Italien bis nach Malta.

Den leidenschaftlichen Mann könnte man als Spätberufenen beschreiben. Liest man sein Curriculum, bekommt man den Eindruck, dass ein Leben oft nicht genug sein kann. Als er als junger Student von Isca sullo Ionio Richtung Rom aufbrach, begann er, dem Willen des Elternhauses Rechnung tragend, ein Wirtschaftsstudium. Doch sein Traum war ein anderer. Er begann, Gesang zu studieren und bewarb sich am Konservatorium von Santa Cecilia. So nahm seine Musikerkarriere seinen Lauf. Er gab das Wirtschaftsstudium auf, für dessen Abschluss ihm nur eine einzige Prüfung fehlte, tourte als Tenor von Opernbühne zu Opernbühne und wurde festes Mitglied im Ensemble des Chores des Orchesters von Santa Cecilia.

Doch auch dieses Leben hatte er irgendwann satt und so begann jenes Abenteuer, das ihn bis auf die Kuppel des Petersdoms brachte. Mittlerweile ist die Liste der Kulturschätze, die er vor dem Untergang gerettet hat, lang. Einige Meisterwerke der Kunstgeschichte sind darunter, wie die Büste der Medusa von Bernini, die Statue von Urban VIII oder die Gemälde von Mattia Preti. Diesen Maler aus dem 17. Jahrhundert hat er während seiner Tätigkeit für den Malteser Orden auf Malta für sich entdeckt und lieben gelernt.

Vor einigen Jahren hat er schließlich beschlossen, die Zelte wieder in seiner alten Heimat aufzuschlagen. Kalabrien ist immerhin die Wiege der „Magna Grecia“ und bietet altgriechische und römische Ausgrabungsstätten, die Pompeji oder Ostia Antica locker das Wasser reichen könnten.

Wären da nicht die altbekannten Probleme wie Vetternwirtschaft, Mafia und fehlende Visionen. Kaulonia etwa, an der ionischen Küste, war einst eine reiche Handelsstadt. Die erste urkundliche Erwähnung geht zurück ins siebte Jahrhundert vor Christus. Eine ganze Stadt liegt hier direkt am azurblauen Meer begraben, aber nur kleine Teile davon wurden freigelegt. Das dahinter liegende Nationalmuseum ist eine Schande und ähnelt eher einem Provinzflughafen als einem Museum. Besucher finden kaum den Weg in das hässliche Gebäude. Der Großteil der immensen Kollektion verstaubt lieber im Lager, anstatt sich einem theoretisch möglichen Touristenstrom zu öffnen.

Giuseppe hat hier bei seinen Ausgrabungen gerade ein beeindruckendes Mosaik entdeckt, das Delfine und andere Meeresbewohner darstellt. Mehr als 2.500 Jahre ist es alt, in wunderbarem Zustand. Aber nach der Restaurierung wird es wieder unter Sand und Erde enden. Das Geld, ein einfaches Glasdach zum Schutz des Mosaiks zu errichten, fehlt. Und so endet auch die Arbeit Giuseppes wieder begraben unter Schutt und Erinnerungen.

Gustav Hofer

lebt und arbeitet als Journalist und Filmemacher in Rom, doch ein Koffer steht immer abreisefertig. Was er dort mag: die Schönheit der Stadt, das Licht, die Menschen. Was er vermisst: die frische Bergluft, die Mehrsprachigkeit und den Apfelstrudel seiner Mutti.
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