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Der freche Kobold

„Hurra, hurra, der Kobold mit dem roten Haar! Hurra, hurra, der Pumuckl ist da!" Mit Schabernack dichtete sich der Klabautermann in unsere Herzen.

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Bild: Bayrischer Rundfunk

Einfach kultig, der krächzende Kobold mit dem roten Haar aus dem Geschlecht der Klaubautermänner. Ich habe die kleine Nervensäge und den Schreinermeister Eder geliebt! Wie der Pumuckl den Meister Eder regelmäßig zur Weißglut treibt, ist einfach herrlich: „Geh Herrschaftszeiten Pumuckl, was machst jetzt wieder für an Bledsinn!“. Und erst Pumuckls kreativer Gebrauch der deutschen Sprache: Wortwitz pur! Da lässt er sich vom Meister Eder gerne was verklären, weil die 12und20igste Hobelspäne verfeuer-verbrennen ist ganz schön viel wenig. Da hört er lieber Musikalität im Radio. Zudem ist er der Schiller unter den Kobolden, ein leidenschaftlicher Reimeschmieder: „Meister Eder holt im Nu, Pumuckl-Pulli mit viel Puh, und hab ich erst den grünen Janker, sag ich ihm recht viel Danker“, dichtet der Kobold zum Beispiel in der Folge „Der Wollpullover“.

Doch wie ist der alleinstehende Münchner Schreinermeister zu seinem Pumuckl gekommen? Der Kobold ist an seinem Leimtopf kleben geblieben – ein fataler Fehler. So eine Schreinerwerkstatt ist halt kein Spielplatz. Kobolde, die irgendwo hängen bleiben, werden nämlich sichtbar, und müssen für den Rest ihres Lebens bei dem Menschen bleiben, der sie gesehen hat. Meister Eder hat das große Los gezogen und kann Pumuckl ab nun immer sehen, wenn die beiden alleine sind. Haben wir uns nicht alle mal gewünscht, unsichtbar sein zu können? Dinge zu verstecken, Leute zu zwicken, auszuspionieren und in die Irre zu führen? Der kleine rebellische Pumuckl liebt es über alles, die Menschen so an der Nase rumzuführen. Genauso wie er Pudding liebt, alles was glitzert, und sein Traum ist es mit einem Segelboot übers Meer zu fahren. Käse, diese „feste, faule Milch“ und Heinzelmännchen hingegen kann er nicht ausstehen. Der Meister Eder übernimmt die Rolle des geduldigen Großvaters, der stets versucht, dem Pumuckl Manieren beizubringen und sich dabei regelmäßig über ihn schwarzärgert. Auch wenn er ein kleiner Flegel ist, hat er ihn sehr gerne, baut ihm ein kleines Bettchen, ein Schaukelboot und ein Pferdchen.

Der kleine Kobold, der uns als Kinder in der Fernsehserie „Meister Eder und sein Pumuckl“ so viel Freude bereitete, erblicke im Jahre 1961 in Form einer Hörspielserie von Ellis Kaut für den Bayrischen Rundfunk das Licht der Welt. Später gab es dann auch Hörspielkassetten, Bücher und anschließend die kultige Fernsehserie. Der ursprüngliche Entwurf für die Zeichentrickfigur Pumuckl stammte von Barbara von Johnson, die sich nach einigen Gerichtsprozessen mit der Pumuckl-Erfinderin Kaut die Anerkennung als solche zurückerkämpft hatte. Der endgültige Pumucklentwurf, so wie wir in alle aus der TV-Serie kennen, stammt von Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall.

52 Folgen in zwei Staffeln, abgedreht von 1982 bis 1989 in einem Münchner Hinterhaus, das schon zum Abriss vorgesehen war und extra wieder hergerichtet wurde – und nach Drehende dann definitiv das Zeitliche segnete. Viele bayrische Volksschauspieler kamen in der Serie zum Zug, allen voran Gustl Bayrhammer in der Rolle des Meister Eder und Hans Clarin, der dem Pumuckl seine Stimme lieh. Beide sind leider schon verstorben, aber bleiben uns dank der Serie in lieber Erinnerung. Beim Dreh gab es teilweise keine festen Drehbücher, die Darsteller haben viel improvisiert. Diese Tatsache haben Hans und Gustl voll ausgekostet und sehr viel von ihrem eigenen Schmäh in die Serie miteingebracht. Der Pumuckl wurde dann in Budapest animiert und in die Serie als Zeichentrick hineingeschnitten. Dann wurde alles vollständig nachsynchronisiert – und schon war eine der liebsten Serien aus unserer Kindheit sendebereit!

Julia Lanthaler

Hat ihre halbe Kindheit vor dem Fernseher verbracht, ist jetzt ständig online und würde ihre Zwergkaninchen gegen nichts auf der Welt eintauschen.
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