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Der Chef ist da

In der vierten Folge der Satire trifft unser Agenturchef endlich auf den Vorsitzenden der Großpartei.

Der smarte Agenturwunderwuzzi, der die Großpartei wieder auf die Siegerstraße führen sollte, saß noch eine Weile mit dem Jungpolitiker in der Bar unter der Parteizentrale zusammen. Während der Sekretär versuchte, ihm die Philosophie der Partei zu erklären, beobachtete der Werber das Geschehen vor dem Lokal.
Dort spielte sich Interessantes ab: Nicht mehr ganz sportliche Männer parkten ihre kubikstarken Wagen mit aktivierter Warnblinkanlage entlang der Fahrspur, an der ohnehin schon schmalen Straße und dem nur zaghaft angedeuteten Gehsteig. Dann schlenderten die Herren in die Bar und bestellten sich an der Theke einen Schwarzen. Dem Agenturchef fiel auf, dass der Barmann sie alle mit demselben Namen ansprach: Alle schienen „Hoiler“ oder so ähnlich zu heißen.

Dann plötzlich liefen sie alle zu Tür und reckten ihre Köpfe in Richtung Straße. Jungmayer war zunächst verblüfft, weil er das Ganze nicht verstand. Als ein Wagen der Staatspolizei die Straße entlang kam, ging ihm ein Licht auf. Doch nichts passierte, denn die Staatsbeamten, die in der Hierarchie der Ordnungsdienste relativ hoch angesiedelt waren, fuhren ohne Augenzwinkern vorbei. Die Herren mit ihren Boliden hatten das anscheinend erwartet, sie widmeten sich wieder dem Kaffee und machten der Kellnerin zweifelhafte Komplimente. Die Angestellte lächelte, amüsierte sich aber über etwas ganz Anderes, das sich hinter dem Rücken der Männer abspielte. Sie beobachtete nämlich eine Fußstreife der Stadtpolizei, die einem Wagen nach dem anderen etwas unter den Scheibenwischer klemmte. Erst als beim letzten Scheibenwischer das typische „Plong“ ertönte, reckte die Kellnerin den Hals, inszenierte kurz einen Augenaufschlag, um sich der Aufmerksamkeit der vier Herren gewiss zu sein, und hauchte ein fast schon stöhnendes „Oh ooohhh!" in die Runde. Drei Sekunden später war die Politesse von den Männern umzingelt. Für einen nicht Ortsansässigen hörte es sich an, als würden alle vier Herren ihr irgendeinen Reim aufsagen, der immer wieder mit „Madei“ endete.

Im dem ganzen Trubel ging das Parkmanöver einer weiteren Limousine, hinter dessen Windschutzscheibe ein roter Adler angebracht war, unter. Als die Politesse das Auto sah, verließ sie umgehend den Ort des Geschehens.
„Oschtia, nit augipasst! Der Obmann schun do“, meldete sich der Parteisekretär plötzlich zu Wort. Jungmayer versuchte auszumachen, welcher der unscheinbar durch die Szenerie geschlürften Passanten jetzt wohl der Führer der Schwammelpartei gewesen sein soll. Er kam nicht drauf. Er folgte also brav dem Sekretär in das Büro des „großen Vorsitzenden“. Der Agenturchef versuchte sich gerade zu erinnern, wo unter welchen Umständen er diese Bezeichnung schon mal gehört hatte. Als er es auf seinem Smartphone fast schon googeln wollte, kamen sie im Besprechungszimmer an.

Ein sehr schlanker Mittfünfziger begrüßte ihn mit einem Lächeln, das aufgrund seiner bleichen Zähne von einem zischenden Atem begleitet wurde. Das irritierte den abgebrühten Werber weniger, als vielmehr die Enge des Raumes. Als er sich setzte und dabei den ebenfalls platznehmenden Sekretär beinahe berührte, war er kurz vor einer Panikattacke. Und das schon beim ersten Treffen mit dem Vorsitzenden.
Groß ist hier aber gar nichts, dachte Jungmayer und musterte den dreieinhalb Quadratmeter großen Büroraum. Der Vorsitzende auf der anderen Seite des Schreibtisches bemerkte das Unbehagen seines Gastes und erklärte, dass er dieses Büro eigentlich nur für kurze Gespräche im kleinen Kreis oder für Telefonate nutze. Ansonsten habe er ja auch sein Mandat und müsse von dort aus viel managen.

Ein klarer Fall von einem Rechtfertigungsyndrom, dachte der Agenturchef, das muss raschest abgebaut werden. Sonst wird das nichts mit dem Leadership.
Jetzt wollte der Vorsitzende auch einiges wissen. Und zwar, ob er denn schon in Kenntnis gesetzt worden sei, wie der Tag geplant sei und ob er ihm vor der großen Runde nicht die Kernpunkte seiner Analyse verraten könne? Bei diesen an und für sich schlichten Fragen, verstieg sich der Vorsitzende in unendlich vielen Schachtelsätzen und verhedderte sich bei den Lauten und Vorsilben. Hoffentlich geht der Mensch nie in die Berge hier, dachte sich der Agenturchef. Sein zweiter Gedanken bereitete ihm aber mehr Sorgen: Und gehen's bloß nie in die Politik! Aber da steckten sie alle nun mal zu tief drinnen. Diese Erkenntnis hinderte ihn auch daran, zu antworten. Jungmayer blieb stumm.

Weitere Folgen

Hansi Klein

Hat keinen Bock mehr auf Tagesjournalismus. Nachdem er die Umtriebe der Schwammelpartei im Wahlkampfjahr beschrieben hat, widmet er sich jetzt dem neuen Chef im Land der Blauschürzen.
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Schicksalsjahr der Schwammelpartei

Es ist Wahljahr und die Prognosen sind alles andere als rosig für die Großpartei. Da muss Hilfe her, koste es was es wolle. Der beste Wahlkämpfer aus dem Norden soll die Kohle aus dem Feuer holen: Harry Jungmayer, smarter Agenturchef mit dem Blick aufs Wesentliche. Lest auf BARFUSS Woche für Woche, wie es ihm erging im Land der Blauschürzen.

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hier um reine Fantasie des Autors. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen wären rein zufällig. Beim Entstehen dieser Fortsetzungsgeschichte wurden keine Tiere verletzt.

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