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Gastkommentar

„Heimat gehört uns allen!"

Heimat ist Identität, Heimat zieht Grenzen. Anna Gius über ihr Verständnis von Heimat – ein Begriff, der vor einseitiger Vereinnahmung zu schützen sei.

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Bild: Flickr, Eva-Maria Vogtel

Wer das Wort Heimat hört, der denkt wahrscheinlich als erstes an den Ort, an dem er bzw. sie geboren wurde oder aufgewachsen ist. Das Nächste, was dann oft zur Sprache kommt, ist Heimat als das Gefühl, sich irgendwo mit Menschen, die einem wichtig sind, zu Hause zu fühlen. Tatsächlich beantwortet jede und jeder die Frage, was nun eigentlich Heimat ist, unterschiedlich. Heimat ist, denke ich, gerade in Südtirol ein allgegenwärtiger Begriff. Eine allgemeine Definition davon lässt sich aber anscheinend nicht so leicht finden. Genau deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, was Heimat bedeutet. Denn wie wir Heimat definieren und wie wir dieses Konzept leben, hat Auswirkungen auf unser persönliches Leben und das Zusammenleben in unserem Land. Ich denke, dass beim Nachdenken über Heimat vor allem drei Aspekte wichtig sind: 

Heimat und Identität

Heimat ist Teil unserer Identität und gleichzeitig beeinflusst unser Verständnis von Heimat auch das Bild von uns selbst. Wer wir sind, definieren wir ganz wesentlich über das Zugehörigkeitsgefühl, das durch den Heimatbegriff geschaffen wird. Da wo wir zu Hause sind, da sind wir ganz wir selbst. Identität wird meist als kulturelle Identität gedacht und so verstanden, dass man nur in einer Kultur zu Hause sein kann. In Südtirol bedeutet das meistens, dass wir dazu aufgefordert werden, uns für eine Sprach- und Kulturwelt zu entscheiden.

Heimat zieht Grenzen

Über den Heimatbegriff, der durch Identitätsstiftung Zugehörigkeit schafft, werden somit Grenzen gezogen. Heimat wird meistens durch die Abgrenzung davon definiert, was wir als „fremd“ empfinden. Vor allem im Verständnis der Schützen steckt darin ein Verteidigungsauftrag. So wird Heimat oft zum Argument, mit dem andere Menschen ausgeschlossen werden, weil sie angeblich eine Bedrohung für unsere kulturelle Identität und den Raum, in dem wir diese leben, sprich „unsere Heimat“ darstellen.

Heimat macht Politik. Politik macht Heimat

Gerade in Südtirol herrscht die offizielle politische Doktrin des Auseinanderhaltens. Entweder die deutsche Sprache und Kultur ist deine Heimat oder es ist die italienische deine Heimat, ein dazwischen scheint es auch politisch nicht zu geben. Heimat funktioniert hier aufgrund der Fähigkeit des Begriffs, Identität zu stiften und Grenzen zu ziehen, als Einheitskonzept, das eine bestimmte Gruppe definiert und zusammenhält. Die Politik macht sich so Heimat als Herrschaftsinstrument zunutze. Eine sich einheitlich aufgrund von Kultur, Nationalität, Religion usw. identifizierende Bevölkerung ist nämlich leichter zu steuern, zu regieren und zu manipulieren als eine Gesellschaft, die Differenz als Wert der Emanzipation und Bewusstseinserweiterung begreift. (vgl. dazu Hans Karl Peterlini: Heimat zwischen Lebenswelt und Verteidigungspsychose.)

Gerade weil der Heimatbegriff derart vielschichtig ist, gilt es meiner Meinung nach, die Möglichkeit zu nutzen, uns eine eigene Meinung, ein eigenes Verständnis von Heimat zu bilden und Position zu beziehen. Wir sollten anderen nicht die Definitionsmacht überlassen, wenn es um Themen geht, die unser alltägliches Zusammenleben und unsere Zukunft bestimmen. Heimat gehört gerade in unserem Land zu jenen Begriffen, die verteidigt werden und vor einseitiger Vereinnahmung geschützt werden müssen. Heimat gehört uns allen!

von Anna Gius

Anna Gius hat gestern bei der Veranstaltung „Parliamo di HEIMAT Was ist das?“  im UFO Bruneck mitdiskutiert. Dabei standen auch die Fragen nach den Konsequenzen unterschiedlicher Sichtweisen auf Heimat und deren Bedeutung für unser Zusammenleben im Mittelpunkt. Diese Fragen wurden unter anderem auch mit Blick auf die Unabhängigkeitsfeier der Schützen am 14. Mai in Bruneck, bei deren Marsch „Heimat in Bewegung“ sein wird, zur offenen Diskussion gestellt.

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