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... sonst holt dich der Zingerle

Über einen Südtiroler Sexualverbrecher und Frauenmörder, der als „Ungeheuer von Tirol“ in die Geschichte einging.

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Nach einer aufsehenerregenden Verfolgungsjagd wurde das „Ungeheuer vom Patscherkofel” verurteilt.

Bild: Edition Raetia

„Sei brav, sonst holt dich der Zingerle“ – diese Drohung kennen viele Südtiroler noch aus Kindertagen. Wer der Zingerle war, daran erinnert sich vor allem die ältere Generation, die diesen Südtirol-Krimi sozusagen live miterlebt hat.

Am 23. Mai 1946 will eine 20-jährige Volksschullehrerin zu Fuß zu ihrer Schule nach Glaning oberhalb von Bozen – der Maiausflug soll an diesem Tag stattfinden. Doch in der Schule kommt sie nie an. Zehn Monate später wird ihre Leiche im Wald entdeckt. Gefesselt und nackt war sie von ihrem Mörder unter etwa 50 Kilogramm schweren Steinen lebendig begraben worden: Fast drei Tage dauerte ihr Todeskampf.

Am 25. Juli 1947 wird erneut eine junge Frau angegriffen: Auf dem Weg nach Karneid wird sie von einem Mann festgehalten. Er sperrt sie gefesselt in eine Höhle und lässt sie zurück. Doch die 15-Jährige kann fliehen. Sie sagt aus, dass der Mann sie gezwungen habe, mit ihm zu gehen und sich auszuziehen. Er habe sie belästigt und am ganzen Körper abgeleckt.

Zwei angezeigte Vergewaltigungen in Nordtirol gleichen dem Schema. Der aus Tschars stammende Guido Zingerle wird verhaftet, gesteht seine Verbrechen und kommt für ein Jahr in den Kerker.

Schließlich bringt ein Mord am Patscherkofel den Zingerle zu Fall: Dort wird eine englische Touristin vergewaltigt und getötet. Aufgrund der Ähnlichkeiten zu den beiden Sexualverbrechen, die er schon gestanden hat, rückt der Zingerle sofort ins Visier der Ermittler – ihm gelingt jedoch die Flucht. Eine aufsehenerregende Verfolgungsjagd auf das „Ungeheuer vom Patscherkofel“ beginnt: eine mediale Sensation, die die Ängste der zivilen Bevölkerung schürt. Frauen trauen sich nicht mehr in den Wald, nach Sonnenuntergang gehen sie nicht mehr allein auf die Straße.

Dann endlich das große Aufatmen: Guido Zingerle wird im August 1950 verhaftet, im darauffolgenden Jahr wird ihm der Prozess gemacht. Er stirbt im Alter von 60 Jahren im Gefängnis von Turi (Bari in Apulien).

Mehr über diese Kriminalgeschichte, die Nord- und Südtirol in Atem hielt und sogar zu Diskussionen über die Wiedereinführung der Todesstrafe führte, lesen Sie in „Der Zingerle“, erschienen bei Edition Raetia. Auch als E-Book verfügbar!

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